
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleibt 2026 auf einem hohen Niveau. Nach aktuellen Prognosen könnte die Zahl der Verfahren den höchsten Jahresstand seit 2013 erreichen. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet mit rund 25.900 Unternehmensinsolvenzen. Auch die amtlichen Zahlen zeigen einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse einzelner Untersuchungen deutlich, weil nicht alle denselben Unternehmenskreis erfassen.
Die Firmeninsolvenzen 2026 dürften nach Einschätzung des Kreditversicherers Allianz Trade um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Das Unternehmen veröffentlichte seine aktualisierte Prognose am 27. Oktober. Im Frühjahr hatte es noch mit einem deutlich geringeren Anstieg gerechnet.
Für das Gesamtjahr erwartet Allianz Trade rund 25.900 Verfahren. Damit würde Deutschland den höchsten Jahreswert seit 2013 erreichen. Bereits 2025 hatte das Statistische Bundesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen registriert. Gegenüber 2024 entsprach dies einem Anstieg um 10,3 Prozent.
Eine weitere Untersuchung verdeutlicht die Entwicklung. Nach einer Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 9.557 Insolvenzen registriert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 8.253 Fälle. Daraus ergibt sich ein Anstieg um 15,8 Prozent.
Bei unverändertem Verlauf ergab sich aus diesen Daten eine mögliche Gesamtzahl von 19.000 bis 20.000 Insolvenzen im Jahr 2026. Die Hochrechnung beruhte auf dem ersten Halbjahr und war keine bereits feststehende Jahresbilanz.
Die niedrigeren Fallzahlen erklären sich auch durch die Erhebungsmethode. Dun & Bradstreet untersucht hier insbesondere Unternehmen, die im Handelsregister eingetragen sind. Das Statistische Bundesamt berücksichtigt dagegen einen breiteren Kreis rechtlicher Einheiten. Deshalb lassen sich die absoluten Zahlen nicht unmittelbar miteinander vergleichen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes registrierten die deutschen Amtsgerichte im Juli 2026 insgesamt 2.373 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren acht Prozent mehr als im Juli 2025.
In den ersten sieben Monaten des Jahres lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen insgesamt um 6,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für die ersten neun Monate lag am 30. Oktober noch keine entsprechende endgültige bundesweite amtliche Bilanz vor.
Die amtliche Statistik bildet Insolvenzanträge erst dann ab, wenn ein Gericht eine erste Entscheidung getroffen hat. Zwischen der Antragstellung und dieser Entscheidung liegen häufig mehrere Monate. Dadurch werden wirtschaftliche Schwierigkeiten teilweise erst mit Verzögerung statistisch sichtbar.
Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bestätigt die angespannte Entwicklung. Nach dessen Insolvenztrend wurden im September 2026 insgesamt 1.666 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Das waren 13 Prozent mehr als im September des Vorjahres.
Im gesamten dritten Quartal registrierte das Institut 4.880 Fälle. Gegenüber dem zweiten Quartal entsprach dies einem Rückgang um 2,3 Prozent. Dennoch lag die Zahl der Insolvenzen im dritten Quartal auf dem zweithöchsten Stand seit 2005.
Das IWH rechnete auf Grundlage seiner Frühindikatoren für das vierte Quartal mit einem Rückgang der Insolvenzzahlen. Das Niveau blieb nach Einschätzung der Forscher allerdings außergewöhnlich hoch.
Als wichtige Belastungsfaktoren nennt Allianz Trade die schwache Konjunktur, hohe Betriebskosten, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft.
Besonders betroffen seien Unternehmen aus Transport und Logistik, dem Baugewerbe, dem Gastgewerbe sowie der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Auch Finanzierungskosten und eine schwache Nachfrage erhöhten den wirtschaftlichen Druck.
Dabei bedeutet ein Insolvenzantrag nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen vollständig geschlossen wird. Insolvenzverfahren können auch der Sanierung und Fortführung eines Betriebs dienen.
Eine schnelle Entspannung erwartet Allianz Trade nicht. Der Kreditversicherer prognostiziert für 2027 erneut rund 25.900 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Erst 2028 könnte die Zahl nach dieser Berechnung um fünf Prozent auf etwa 24.600 Fälle sinken.
Auch international bleibt die Entwicklung angespannt. Für 2026 erwartet Allianz Trade weltweit einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um fünf Prozent, für 2027 ein weiteres Plus von einem Prozent.
Damit dürfte die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen für die deutsche Wirtschaft auch über das laufende Jahr hinaus eine erhebliche Herausforderung bleiben.
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