Flugpreise haben sich verdoppelt: Deutschland fällt zurück

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Fliegen ist in Deutschland erheblich teurer geworden. Nach einem am Montag veröffentlichten Wirtschaftsreport des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hat sich der durchschnittliche Ticketpreis für Flüge ab und in Deutschland zwischen 2010 und 2024 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig haben deutsche Flughäfen bei Verbindungen und internationalen Umsteigeströmen Marktanteile verloren. Die Flugticketpreise in Deutschland stehen damit im Mittelpunkt einer grundsätzlichen Debatte über Steuern, Gebühren, Wettbewerb und die internationale Anbindung des Landes.

Durchschnittspreis steigt von unter 150 auf rund 300 Euro

Für die Preisanalyse wertete das DLR Marktdaten des Reservierungssystemanbieters Sabre aus. Demnach lag der durchschnittliche Ticketpreis 2010 bei knapp unter 150 Euro. 2024 waren es rund 300 Euro. Es handelt sich um Durchschnittswerte des Marktes, nicht um den Preis einer bestimmten Strecke oder Buchung. Besonders stark stiegen die Preise für Reisen von Deutschland zu europäischen Zielen. Dort weist der Report zwischen 2010 und 2024 einen Anstieg von rund 140 Prozent aus. Für andere Zielregionen liegt das Plus je nach Markt bei etwa 40 bis 140 Prozent.

Der Anstieg fällt deutlich stärker aus als die allgemeine Teuerung in Deutschland. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes erhöhte sich von 88,1 Punkten im Jahr 2010 auf 119,3 Punkte im Jahr 2024. Das entspricht rund 35 Prozent. Auch der europäische Durchschnitt der Flugticketpreise entwickelte sich wesentlich moderater. Laut Report stieg er von knapp 250 Euro auf knapp 340 Euro. Die absoluten europäischen Durchschnittspreise lagen damit 2024 allerdings weiterhin etwas über dem deutschen Wert.

Steuern und Gebühren sind nur ein Teil der Erklärung

DLR und BDL verweisen auf deutlich gestiegene staatlich veranlasste Standortkosten. Dazu zählen vor allem die Luftverkehrsteuer sowie Kosten für Luftsicherheit und Flugsicherung. Nach dem neuen Report haben sich diese Belastungen seit 2019 an einzelnen Standorten mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt summieren sie sich inzwischen auf rund 30 Euro je Passagier. Der Bericht nennt daneben höhere Personal- und Betriebskosten sowie einen geringeren Wettbewerb im deutschen Inlandsflugverkehr als Faktoren für höhere Ticketpreise.

Ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Anteil der einzelnen Kostenfaktoren wird dabei nicht ausgewiesen. Eine bereits 2025 veröffentlichte DLR-Untersuchung im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Standortkosten in Deutschland stärker gestiegen waren als im europäischen Durchschnitt. Zwischen 2019 und 2024 lag das Plus demnach bei 38 Prozent, europaweit bei 26 Prozent. Gleichzeitig stellte die Untersuchung fest, dass hohe Abgaben die schwache Erholung des deutschen Luftverkehrs nicht allein erklären. Auch die vergleichsweise schwache wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hatte einen messbaren Einfluss.

Bundesregierung hat Luftverkehrsteuer bereits gesenkt

Die Bundesregierung hat auf die Kostendebatte inzwischen reagiert. Seit dem 1. Juli 2026 gelten wieder die Luftverkehrsteuersätze, die vor der Erhöhung vom Mai 2024 bestanden hatten. Für Ziele der ersten Distanzklasse sank die Steuer je Passagier von 15,53 auf 13,03 Euro. In der zweiten Klasse wurde sie von 39,34 auf 33,01 Euro reduziert, bei Langstreckenzielen von 70,83 auf 59,43 Euro. Die maximale Entlastung beträgt damit 11,40 Euro je Passagier.

Ob diese Senkung vollständig bei Reisenden ankommt, ist nicht vorgeschrieben. Die Bundesregierung weist selbst darauf hin, dass die Unternehmen über eine Weitergabe entscheiden. Für 2027 werden durch die Steueränderung Mindereinnahmen des Bundes von rund 330 Millionen Euro erwartet. Wie sich die Maßnahme auf die Ticketpreise auswirkt, lässt sich nach wenigen Monaten noch nicht belastbar bestimmen. Die amtlichen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 stammen noch vollständig aus der Zeit vor der Steuersenkung.

Flugtickets wurden auch 2026 zunächst weiter teurer

Unabhängig von der langfristigen DLR-Auswertung zeigen auch die jüngsten amtlichen Daten einen weiteren Preisanstieg. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren internationale Flugtickets im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 8,5 Prozent teurer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Flüge innerhalb Deutschlands verteuerten sich um 9,5 Prozent. Bei europäischen Auslandsflügen lag das Plus in der Economy Class sogar bei 11,5 Prozent. Flüge nach Afrika wurden dagegen im Durchschnitt günstiger.

Die Zahlen zeigen zugleich, warum einzelne Flugangebote nur eingeschränkt Rückschlüsse auf die allgemeine Entwicklung zulassen. Flugpreise verändern sich je nach Ziel, Saison, Buchungszeitpunkt, Auslastung und Wettbewerb erheblich. Die langfristige Entwicklung des durchschnittlichen Preisniveaus ist deshalb aussagekräftiger als ein Vergleich einzelner Verbindungen. Auch die Steuersenkung vom Juli fällt nicht in den Zeitraum der Destatis-Halbjahreszahlen, sodass daraus noch keine Aussage über ihre Wirkung auf Verbraucherpreise abgeleitet werden kann.

Frankfurt und München verlieren Anteile an internationale Drehkreuze

Der Wirtschaftsreport betrachtet nicht nur Preise. Deutliche Veränderungen gibt es auch bei internationalen Reiserouten. Bei Reisen zwischen Deutschland und Fernost oder Südostasien stieg der Anteil der Verbindungen über Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union von 34 Prozent im Jahr 2010 auf 54 Prozent im Jahr 2024. Besonders wichtige Umsteigepunkte liegen in der Türkei und in der Golfregion.

Gleichzeitig sank der Anteil der Verbindungen über deutsche Drehkreuze wie Frankfurt und München von 56 auf 36 Prozent. Auch bei Reisen nach Afrika zeigt sich eine Verschiebung zugunsten außereuropäischer Hubs. Hinzu kommt, dass Frankfurt 2024 bei den direkt erreichbaren Zielen zwar annähernd wieder das Niveau von 2019 erreichte, andere große deutsche Flughäfen aber teilweise noch bis zu 18 Prozent weniger Ziele anboten als vor der Corona-Pandemie.

Branche fordert Entlastung, Politik streitet über den richtigen Weg

Der BDL sieht in diesen Zahlen ein strukturelles Problem für den Luftverkehrsstandort und fordert weitere niedrigere Standortkosten sowie international vergleichbarere Klimaschutzregeln. Die Bundesregierung verfolgt grundsätzlich ebenfalls das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen und Fluggesellschaften zu verbessern. Neben der Senkung der Luftverkehrsteuer hatte sie weitere Entlastungen bei den Flugsicherungsgebühren angekündigt.

Politisch ist der Kurs jedoch umstritten. CDU/CSU und SPD stimmten im Mai gemeinsam mit der AfD für die Senkung der Luftverkehrsteuer. Grüne und Linke lehnten sie ab. Die Grünen wollten die Steuer stattdessen stärker nach Klimaauswirkungen staffeln und besonders emissionsintensive Langstrecken sowie Premiumtickets höher belasten. Die Linke argumentierte ebenfalls gegen eine Entlastung des Flugverkehrs und forderte unter anderem eine europäische Besteuerung von Kerosin. Die AfD hatte dagegen eine vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer verlangt.

Deutschlands Luftverkehr wächst schwächer als der Weltmarkt

Die Entwicklung steht im Gegensatz zum globalen Luftverkehr. Das DLR rechnet damit, dass die weltweite Passagierzahl bis 2034 auf 154 Prozent des Niveaus von 2019 steigen wird. Größere Flugzeuge und höhere Kapazitäten sollen dazu führen, dass die Zahl der Passagiere stärker wächst als die Zahl der Flüge. Deutschland hat dagegen das Vorkrisenniveau auf vielen europäischen Verbindungen bislang nicht wieder erreicht.

Für Reisende bedeutet die langfristige Entwicklung deshalb nicht nur höhere Durchschnittspreise. Entscheidend ist auch, wie groß das Angebot auf einzelnen Strecken bleibt und wie intensiv Fluggesellschaften miteinander konkurrieren. Der neue Report liefert deutliche Hinweise auf gestiegene Kosten und verlorene Verbindungen. Wie stark einzelne Steuern, Personalaufwendungen, Wettbewerb und Nachfrage jeweils für höhere Ticketpreise verantwortlich sind, lässt sich aus den Daten jedoch nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.

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