
Nach fast zwei Jahrzehnten endet beim 1. FC Heidenheim eine außergewöhnlich lange Zusammenarbeit. Trainer Frank Schmidt wird seinen zum Ende der Saison 2026/27 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Das bestätigte der Zweitligist am Dienstagabend, 3. November 2026. Der 52-Jährige möchte nach seiner langjährigen Tätigkeit zunächst eine Pause einlegen. Für den Verein beginnt damit die Suche nach einem Nachfolger, der erstmals seit 2007 die sportliche Verantwortung übernehmen soll.
Frank Schmidt trainiert den 1. FC Heidenheim seit dem 17. September 2007. Damit ist er der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball. Im Sommer 2027 wird seine Amtszeit nach rund 19 Jahren und neun Monaten enden. Der Verein bestätigte, dass Schmidt die Entscheidung aus eigenem Antrieb getroffen habe.
Bereits am Montag, 2. November, habe er Vorstandschef Holger Sanwald in einem persönlichen Gespräch darüber informiert, dass es keine weitere Vertragsverlängerung geben werde. Zuvor hätten beide über mehrere Monate hinweg regelmäßig über die Zukunft gesprochen. Nach Vereinsangaben bemühte sich der FCH intensiv darum, die Zusammenarbeit fortzusetzen.
Schmidt begründete seine Entscheidung mit dem Wunsch, nach nahezu zwei Jahrzehnten im Traineramt Abstand zu gewinnen. Gleichzeitig sei es ihm wichtig gewesen, frühzeitig Klarheit zu schaffen, damit der Verein seine sportliche Zukunft planen könne. Wie lange seine Pause dauern werde, habe er noch nicht entschieden.
In einem ausführlichen Interview mit der Heidenheimer Zeitung erläuterte Schmidt seine Beweggründe. Wie die Sportschau am 4. November berichtete, sei der Entschluss über einen längeren Zeitraum gereift. Ausschlaggebend sei nicht die aktuelle sportliche Situation des Vereins gewesen. Vielmehr habe sich Schmidt mit der Frage beschäftigt, wie lange er die Anforderungen des Trainerberufs noch erfüllen wolle.
Besonders die dauerhafte Verantwortung, die ständige Verfügbarkeit und die hohen Erwartungen hätten bei seinen Überlegungen eine Rolle gespielt. Nach zahlreichen Jahren als Cheftrainer wünsche er sich eine Phase ohne die täglichen Verpflichtungen, die mit der Leitung einer Profimannschaft verbunden seien.
Schmidt habe die Entscheidung intensiv abgewogen. Obwohl er weiterhin eine starke Bindung zum Verein verspüre, hätten ihm seine Überlegungen schließlich gezeigt, dass der Zeitpunkt für einen Abschied gekommen sei. Eine unmittelbare Übernahme einer anderen Mannschaft plane er nicht. Ob er später erneut als Trainer arbeiten werde, lasse er offen.
Für den 1. FC Heidenheim bedeutet die Entscheidung einen erheblichen personellen Einschnitt. Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald erklärte in der offiziellen Vereinsmitteilung, Schmidts Abschied sei eine „Zäsur für unseren gesamten Verein“.
Sanwald würdigte insbesondere den sportlichen Aufstieg unter Schmidt und dessen Bedeutung für die Entwicklung des Vereins. Der Trainer habe nicht nur die Mannschaft über viele Jahre erfolgreich geführt, sondern auch die Grundwerte des FCH nach innen und außen vertreten.
Der Vorstandschef bestätigte, dass er bis zuletzt versucht habe, Schmidt von einer Fortsetzung seiner Tätigkeit zu überzeugen. Den Wunsch nach einer Pause könne er angesichts der langjährigen Belastung jedoch nachvollziehen.
Zugleich verwies Sanwald darauf, dass die frühzeitige Entscheidung dem Verein ausreichend Zeit gebe, die Nachfolge sorgfältig vorzubereiten. Bis zum Saisonende wolle der FCH gemeinsam mit Schmidt die verbleibenden Spiele bestreiten und die Zusammenarbeit zu einem angemessenen Abschluss bringen.
Die gemeinsame Geschichte von Frank Schmidt und dem 1. FC Heidenheim gehört zu den ungewöhnlichsten Entwicklungen im deutschen Profifußball. Als Schmidt im September 2007 die Verantwortung übernahm, spielte die Mannschaft noch in der Oberliga, damals der vierthöchsten deutschen Spielklasse.
Bereits 2008 gelang der Aufstieg in die Regionalliga. Ein Jahr später erreichten die Heidenheimer die neu gegründete 3. Liga. 2014 folgte als Drittligameister der erstmalige Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dort entwickelte sich der Verein unter Schmidt über mehrere Jahre zu einem etablierten Zweitligisten.
Den größten nationalen Erfolg erreichte Heidenheim im Mai 2023. Mit der Zweitligameisterschaft gelang erstmals der Aufstieg in die Bundesliga. Ein Jahr später qualifizierte sich die Mannschaft nach ihrer ersten Bundesligasaison für die UEFA Conference League.
Damit erreichte ein Verein, der beim Amtsantritt Schmidts noch im Amateurbereich gespielt hatte, einen internationalen Wettbewerb. In der Conference League traf Heidenheim unter anderem auf den FC Chelsea. Der europäische Wettbewerb endete für den FCH 2025 in der Zwischenrunde gegen den FC Kopenhagen.
Nach drei Spielzeiten in der Bundesliga stieg Heidenheim im Sommer 2026 wieder in die 2. Bundesliga ab. An der Zusammenarbeit mit Schmidt hielt der Verein auch nach dem Abstieg fest.
Mit der bestätigten Entscheidung muss sich der 1. FC Heidenheim erstmals seit fast zwei Jahrzehnten auf einen Trainerwechsel vorbereiten. Eine offizielle Entscheidung über die Nachfolge gibt es bislang nicht.
Nach Informationen des Fachmagazins kicker vom 4. November könnte Patrick Mayer zum Kandidatenkreis gehören. Der frühere Heidenheimer Spieler arbeitet derzeit als Trainer der U19 und U21 des Vereins. Eine mögliche Beförderung in die Verantwortung für die Profimannschaft wäre damit eine interne Lösung.
Allerdings handelt es sich dabei bislang um eine Einschätzung des kicker. Eine offizielle Bestätigung des Vereins für eine Kandidatur Mayers liegt nicht vor. Auch eine Entscheidung zugunsten einer internen oder externen Lösung wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Nach Angaben des kicker soll Schmidt bei den Überlegungen zur Nachfolge einbezogen werden. Eine dauerhafte Funktion des bisherigen Trainers innerhalb des Vereins für die Zeit nach seinem Abschied wurde dagegen nicht angekündigt. Schmidt selbst hat seine berufliche Zukunft ab Juli 2027 ausdrücklich offengelassen.
Sportlich befindet sich der 1. FC Heidenheim derzeit in einer Übergangssaison. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga tritt die Mannschaft in der Spielzeit 2026/27 wieder in der 2. Bundesliga an.
Nach zehn Spieltagen belegte Heidenheim den sechsten Tabellenplatz. Der Rückstand auf den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigt, lag laut Deutscher Fußball Liga am 4. November bei vier Punkten.
Zuletzt blieb die Mannschaft allerdings fünf Pflichtspiele in der Liga ohne Sieg. Für Sonntag, 8. November, ist das Heimspiel gegen Hannover 96 angesetzt.
Trotz dieser sportlichen Entwicklung soll die Personalentscheidung keinen Einfluss auf die Zusammenarbeit bis zum Saisonende haben. Schmidt hat angekündigt, seine Aufgaben bis zum letzten Spiel mit vollem Einsatz wahrzunehmen.
Damit stehen für den 1. FC Heidenheim in den kommenden Monaten zwei Aufgaben im Mittelpunkt: die sportliche Entwicklung der Mannschaft in der 2. Bundesliga und die Vorbereitung auf die erste Saison ohne Frank Schmidt als Cheftrainer seit 2007. Fest steht, dass mit dem Ende seines Vertrags im Sommer 2027 eine der längsten Traineramtszeiten im deutschen Profifußball abgeschlossen sein wird.
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