Gasspeicher ungewöhnlich leer: Reiche verteidigt Kurs vor dem Winter

Kuba Embargo Trump Demo Havanna 2026
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Deutschlands Gasspeicher sind wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode deutlich schwächer gefüllt als in früheren Jahren. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hält dennoch an ihrer zurückhaltenden Linie fest. Bei den Haushaltsberatungen im Bundestag betonte die CDU-Politikerin am Dienstag, dass die Bundesregierung für verschiedene Entwicklungen vorbereitet sei. Staatliche Eingriffe in den Gasmarkt will sie jedoch nicht vorschnell einsetzen. Der Staat dürfe nicht selbst zum Preistreiber werden, erklärte Reiche.

Anzeige

Speicherstand liegt nur bei gut 54 Prozent

Die deutschen Speicher waren am Dienstag zu etwas mehr als 54 Prozent gefüllt. Anfang September hatte der Branchenverband Initiative Energien Speichern, kurz INES, einen Stand von rund 53 Prozent ausgewiesen. Nach Angaben des Verbands war das zu diesem Zeitpunkt der niedrigste Wert seit Beginn seiner Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Anfang September 2025 waren die Speicher noch zu rund 71 Prozent gefüllt.

Der niedrige Füllstand bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland derzeit zu wenig Gas zur Verfügung steht. Die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung aktuell als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet. Sie weist zugleich darauf hin, dass die Speicher deutlich niedriger gefüllt sind als in vergleichbaren Zeiträumen früherer Jahre und beobachtet die Entwicklung deshalb weiter.

Reiche verweist neben den Speichern auf weitere Bezugsquellen. Deutschland erhält große Mengen Erdgas über Pipelines, unter anderem aus Norwegen. Hinzu kommen Liefermöglichkeiten über die LNG-Infrastruktur an den deutschen Küsten und über das europäische Gasnetz. Die Speicher sind damit ein wichtiger Bestandteil der Versorgung, aber nicht die einzige verfügbare Quelle.

Anzeige

Reiche warnt vor teuren staatlichen Gaskäufen

Die Wirtschaftsministerin verteidigte am Dienstag die Entscheidung, derzeit nicht mit umfangreichen staatlichen Käufen in den Markt einzugreifen. Die notwendigen Instrumente seien vorbereitet und der Staat könne handeln, wenn dies erforderlich werde. Zugleich warnte Reiche davor, dass staatliche Nachfrage selbst zu höheren Preisen beitragen könne. Steigende Energiepreise würden anschließend auch die deutsche Wirtschaft zusätzlich belasten.

Hintergrund dieser Position sind auch Erfahrungen aus der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals wurde Gas staatlich beziehungsweise im staatlichen Auftrag beschafft, um angesichts ausfallender russischer Lieferungen die Versorgung abzusichern. Die Bundesregierung will einen solchen Eingriff derzeit nicht wiederholen, solange sie die Versorgung über den Markt und die bestehenden Importmöglichkeiten als ausreichend einschätzt.

Das Wirtschaftsministerium geht nach aktuellem Stand davon aus, dass eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten ist. Nach seiner Einschätzung können Speicherstände von etwa 60 bis 70 Prozent zu Beginn des Winters zusammen mit den verfügbaren Importmöglichkeiten ausreichen, um die Nachfrage in einem durchschnittlichen Winter zu decken. Niedrigere Speicherstände verkleinern allerdings den Puffer für außergewöhnliche Belastungen, etwa bei einer längeren Kälteperiode und gleichzeitig eingeschränkten Importmöglichkeiten.

Branchenverband sieht Risiko bei extrem kaltem Winter

Deutlich vorsichtiger fällt die aktuelle Szenariorechnung von INES aus. Nach Berechnungen des Verbands könnten die Speicher bis zum 1. November technisch noch einen Füllstand von rund 77 Prozent erreichen. Dafür müsste die Einspeicherung in den kommenden Wochen allerdings erheblich beschleunigt werden. In den verbleibenden zwei Monaten müsste insgesamt mehr Gas eingespeichert werden als in den drei Monaten zuvor zusammen.

Für einen Winter mit normalen Temperaturen hält INES einen Speicherstand von rund 77 Prozent zum 1. November für ausreichend. In diesem Szenario wären die Speicher am 1. April 2027 noch zu rund 38 Prozent gefüllt. Anders fällt die Modellrechnung bei außergewöhnlich niedrigen Temperaturen aus. Unter den vom Verband angenommenen Bedingungen könnte es dann im Januar zeitweise zu einer Unterdeckung von mehr als 25 Prozent kommen. Andere Darstellungen der INES-Berechnung zeigen für dieses Extremszenario ein mögliches Leerlaufen der Speicher Anfang Februar. Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein Szenario für einen außergewöhnlich kalten Winter und nicht um eine Vorhersage für den kommenden Winter.

Einspeichern lohnt sich derzeit oft kaum

Ein wesentlicher Grund für die langsame Befüllung liegt nach Angaben von INES in den Marktbedingungen. Normalerweise kaufen Händler Gas zu günstigeren Preisen ein, speichern es im Sommer und verkaufen es im Winter zu höheren Preisen. Der wirtschaftliche Abstand zwischen den Preisen reicht derzeit teilweise nicht aus, um die Kosten der Speicherung zu decken. Der Verband sieht deshalb zu wenig Anreiz, gebuchte Speicherkapazitäten tatsächlich vollständig zu nutzen.

INES fordert unter anderem niedrigere Kosten an Speicheranschlusspunkten, Änderungen bei Umlagen, günstigere Finanzierungsmöglichkeiten und zusätzliche Anreizinstrumente. Die Bundesregierung setzt dagegen weiterhin vorrangig darauf, dass Händler und Versorger selbst für die Wintervorsorge sorgen. Damit bleibt die entscheidende Frage der kommenden Wochen, wie schnell sich die Speicher tatsächlich weiter füllen.

Die gesetzlichen Vorgaben sehen zum 1. November grundsätzlich einen Füllstand von 80 Prozent für Speicheranlagen vor. Für mehrere ausdrücklich benannte Speicher gelten niedrigere Vorgaben von 45 Prozent. Zum 1. Februar gelten grundsätzlich 30 Prozent, bei vier bayerischen Anlagen 40 Prozent. Die Bundesnetzagentur richtet ihren Blick deshalb bereits besonders auf die Einhaltung der Februarvorgaben.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu