
Nach der Sprengung eines Geldautomaten in einem Einkaufszentrum in Lübeck sucht das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein nach zwei Tatverdächtigen. Die Explosion ereignete sich am frühen Freitagmorgen, 11. September 2026, im Stadtteil St. Gertrud. Der Automat im Eingangsbereich des Einkaufszentrums wurde zerstört, zudem entstanden erhebliche Schäden am Gebäude. Die beiden gesuchten Personen sollen anschließend mit einem dunklen Auto in Richtung Mecklenburg-Vorpommern geflüchtet sein.
Nach Angaben des Landeskriminalamts geschah die Tat gegen 2.48 Uhr. Der betroffene Geldautomat befand sich im Eingangsbereich des Einkaufszentrums an der Wesloer Landstraße 50. Nach ersten Erkenntnissen des LKA waren zwei männliche Personen beteiligt. Die Behörde bezeichnete sie als Tatverdächtige.
Der Automat wurde nach Angaben des NDR vollständig zerstört. Auch der Eingangsbereich des Gebäudekomplexes wurde erheblich beschädigt. Eine erste Schätzung bezifferte den Sachschaden demnach auf einen Betrag im unteren fünfstelligen Bereich. Ob Bargeld entwendet wurde und gegebenenfalls in welcher Höhe, war zunächst nicht geklärt.
Konkretere Angaben zu den Folgen der Druckwelle kamen aus dem unmittelbaren Umfeld des Einkaufszentrums. Nach einem Bericht der Lübecker Nachrichten wurden unter anderem eine angrenzende Apotheke und eine Bäckerei in Mitleidenschaft gezogen. In der Apotheke seien Waren aus Regalen gefallen, in einem anderen Geschäftsbereich seien Deckenteile heruntergekommen. Diese Einzelheiten wurden in der ersten Mitteilung des Landeskriminalamts nicht aufgeführt.
Der Einkaufsbetrieb war am Freitag zunächst deutlich eingeschränkt. Der Supermarkt konnte nach Angaben des NDR später wieder öffnen, zunächst über einen anderen Eingang. Die Lübecker Nachrichten berichteten am Freitagmittag, dass mehrere Geschäfte im betroffenen Bereich wegen der Schäden zunächst geschlossen blieben. Dazu zählten demnach unter anderem ein Friseur, ein Blumenladen, eine Bäckerei sowie weitere Geschäfte in der Passage.
Verletzte wurden im Zusammenhang mit der Sprengung zunächst nicht bekannt. Der Marktleiter erklärte gegenüber dem NDR, dass niemand zu Schaden gekommen sei. Eine darüber hinausgehende amtliche Mitteilung des LKA zu Verletzten enthielt die erste Veröffentlichung nicht. Hinweise darauf, dass Menschen evakuiert werden mussten, lagen zunächst ebenfalls nicht vor.
Welche Gefährdung durch die Explosion für Personen im Gebäude oder dessen Umgebung konkret bestand, ließ sich zunächst nicht näher bestimmen. Bei Geldautomatensprengungen können nach Einschätzung des Bundeskriminalamts grundsätzlich erhebliche Risiken durch Splitter und umherfliegende Trümmer entstehen. Das BKA weist zudem darauf hin, dass auch nicht detonierte Sprengmittel an Tatorten eine Gefahr für Einsatzkräfte darstellen können.
Nach den bisherigen Ermittlungen sollen die beiden Tatverdächtigen nach der Sprengung mit einem vermutlich dunklen Audi geflüchtet sein. Das Fahrzeug fuhr nach Angaben des Landeskriminalamts in Richtung Lüdersdorf in Mecklenburg-Vorpommern. Die unmittelbar eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen führten zunächst nicht zur Ergreifung der Gesuchten.
Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein übernahm die Ermittlungen. Am Freitag waren Ermittler und Spurensicherung noch an dem Einkaufszentrum tätig. Welche Art von Sprengmittel verwendet wurde, teilte die Behörde zunächst nicht mit. Auch zur möglichen Beute und zu weiteren Einzelheiten des Tatablaufs gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Die Ermittler suchen insbesondere Menschen, die gegen 2.48 Uhr verdächtige Beobachtungen im Bereich der Wesloer Landstraße gemacht haben. Von Bedeutung sind auch Hinweise auf das mutmaßliche Fluchtfahrzeug oder dessen Fahrt in Richtung Lüdersdorf. Das Landeskriminalamt nimmt Hinweise unter der Telefonnummer 0431 160-42121 entgegen. Informationen können außerdem bei jeder örtlichen Polizeidienststelle abgegeben werden.
Ob es inzwischen weitere Erkenntnisse zu den Tatverdächtigen, zum Fahrzeug oder zu einer möglichen Beute gibt, war zunächst nicht öffentlich bestätigt. Die Ermittlungen dauerten an.
Der Fall in Lübeck trifft auf eine bundesweit inzwischen rückläufige Entwicklung. Für das Jahr 2024 weist die Bundesregierung auf Grundlage des BKA-Bundeslagebildes insgesamt 269 Geldautomatensprengungen aus. Dazu wurden 103 Tatverdächtige ermittelt. Ein Jahr zuvor hatte das Bundeskriminalamt noch 461 Sprengungen registriert. Damit sank die Fallzahl innerhalb eines Jahres um rund 42 Prozent.
2023 hatte die Zahl mit 461 Fällen trotz eines ersten Rückgangs noch auf dem zweithöchsten Stand seit Beginn der entsprechenden Erfassung im Jahr 2005 gelegen. Damals bezifferte das BKA allein die erlangte Beute auf rund 28,4 Millionen Euro. Besonders problematisch war der zunehmende Einsatz fester Explosivstoffe. Bei fast 90 Prozent der tatsächlich ausgeführten Sprengungen wurden 2023 nach BKA-Angaben feste Explosivstoffe eingesetzt.
Banken und Sparkassen haben ihre Schutzmaßnahmen inzwischen deutlich ausgebaut. Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft wurden dafür annähernd eine halbe Milliarde Euro investiert und mehr als 40.000 zusätzliche Sicherungsmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehören unter anderem Nachtverschlüsse und Systeme zur Einfärbung von Bargeld. Die Zahl der von der Kreditwirtschaft als Risikostandorte eingestuften Geldautomaten sank demnach von 11.527 im Jahr 2023 auf 7.176 Ende 2025.
Trotz der deutlich gesunkenen Fallzahlen können einzelne Sprengungen weiterhin erhebliche Gebäudeschäden verursachen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hatte für das Jahr 2023 versicherte Schäden von 95 Millionen Euro errechnet. Dabei entfiel nur ein Teil auf entwendetes Bargeld. Ein erheblicher Anteil entstand durch Schäden an Gebäuden und technischer Infrastruktur.
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