
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall befürchtet einen weiteren erheblichen Stellenabbau in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Nach Einschätzung des Verbandes könnten innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre rund 300.000 zusätzliche Arbeitsplätze wegfallen. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander begründet die Warnung mit einer anhaltend schwachen Auslastung der Unternehmen und hohen Standortkosten. Die Aussagen fallen in eine Phase intensiver Tarifverhandlungen und bundesweiter Warnstreiks der IG Metall.
Die Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie geht seit mehreren Jahren zurück. Nach Angaben von Gesamtmetall waren im August 2026 noch rund 3,72 Millionen Menschen in der Branche beschäftigt. Grundlage sind Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Gegenüber August 2025 entspricht dies einem Rückgang um 94.100 Stellen beziehungsweise 2,5 Prozent. Saisonbereinigt sank die Beschäftigung damit bereits den 35. Monat in Folge.
Seit 2019 gingen nach Berechnungen des Arbeitgeberverbandes insgesamt fast 350.000 Arbeitsplätze verloren. Am 4. November 2026 erneuerte Gesamtmetall seine Warnung vor weiteren Stellenstreichungen. Nach Darstellung von Hauptgeschäftsführer Oliver Zander seien angesichts der unzureichenden Auslastung weitere 300.000 Arbeitsplätze bedroht. Die Zahl beschreibt eine Prognose für die kommenden zwei bis drei Jahre und keinen bereits feststehenden Personalabbau. Sollte sich diese Entwicklung vollständig realisieren, könnte die Beschäftigtenzahl rechnerisch auf etwa 3,4 Millionen sinken.
Gesamtmetall sieht die Ursachen der Entwicklung vor allem in der schwachen Produktion, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und hohen Kosten am Industriestandort Deutschland. Der Verband verweist darauf, dass die Produktion seit 2019 erheblich stärker zurückgegangen sei als die Zahl der Beschäftigten. Dadurch bestehe in vielen Unternehmen weiterhin eine deutliche Unterauslastung.
Auch die Personalplanungen deuten nach Verbandsangaben auf eine schwierige Lage hin. Im September 2026 planten demnach 24 Prozent der Metall- und Elektrounternehmen einen weiteren Personalabbau. Lediglich elf Prozent wollten zusätzliche Beschäftigte einstellen. Die Zahlen beruhen auf den vom Verband herangezogenen Konjunkturumfragen des ifo Instituts.
Gesamtmetall fordert deshalb niedrigere Energiepreise, geringere Steuer- und Abgabenlasten sowie den Abbau bürokratischer Vorgaben. Zudem setzt sich der Verband für Änderungen am Arbeitszeitrecht und eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge ein. Die Maßnahmen sollen nach seiner Einschätzung Investitionen in Deutschland wieder attraktiver machen und eine weitere Verlagerung industrieller Produktion ins Ausland verhindern.
Die Warnung erfolgt mitten in der Tarifrunde 2026 für die Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem verlangt die Gewerkschaft verbindliche Vereinbarungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sowie eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen.
Die Arbeitgeberseite hatte in der zweiten Verhandlungsrunde eine Einmalzahlung für Juli 2027 und eine dauerhafte Entgelterhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028 angeboten. Die vorgesehene Laufzeit reicht bis Ende Dezember 2028. Nach Darstellung der IG Metall könnte die Einmalzahlung abhängig von der wirtschaftlichen Lage einzelner Betriebe ausgesetzt werden.
Die Gewerkschaft lehnt das Angebot als unzureichend ab. Sie argumentiert, dass die vorgesehenen Erhöhungen die erwartete Preisentwicklung nicht ausgleichen würden. Gesamtmetall hält dagegen die Lohnforderungen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation für zu hoch und warnt vor zusätzlichen Belastungen für Unternehmen.
Seit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober um Mitternacht haben Beschäftigte in zahlreichen Betrieben zeitweise die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich bis zum 5. November bundesweit bereits rund 280.000 Beschäftigte aus etwa 2.000 Betrieben an den Warnstreiks. Betroffen waren unter anderem Unternehmen der Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der Luftfahrt.
Die IG Metall weist die Kritik von Gesamtmetall an den Arbeitsniederlegungen zurück. Sie betont, dass Warnstreiks ein rechtlich geschütztes Instrument der Tarifauseinandersetzung seien. Gewerkschaftschefin Christiane Benner fordert von den Arbeitgebern verbindliche Zusagen für Arbeitsplätze und Standorte. Nach Auffassung der Gewerkschaft könne ein allgemeiner Lohnverzicht weder die wirtschaftlichen Probleme lösen noch die Zukunft der Industrie sichern.
Zugleich verweist die IG Metall auf erhebliche Unterschiede innerhalb der Branche. Während insbesondere Teile der Automobilindustrie und ihre Zulieferer unter Druck stehen, entwickeln sich andere Bereiche wie die Luftfahrttechnik oder die Rüstungsindustrie nach Darstellung der Gewerkschaft deutlich besser. Deshalb fordert sie unterschiedliche Lösungen für wirtschaftlich starke und schwache Unternehmen.
Bei der dritten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg am 5. November kam es zunächst zu keiner entscheidenden Annäherung. Die IG Metall brachte allerdings einen neuen Vorschlag ein. Dieser sieht zeitlich begrenzte tarifliche Regelungen vor, die mit verbindlichen Zusagen der Unternehmen zu Investitionen, Standorten, Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen verbunden werden sollen.
Am Freitag, 6. November, stehen weitere Verhandlungen in mehreren Tarifgebieten an, darunter Berlin-Brandenburg, Niedersachsen und die Küstenregion. Für Montag, 9. November, sind unter anderem Gespräche in Nordrhein-Westfalen vorgesehen. Die IG Metall erwartet bis dahin eine konkrete Reaktion der Arbeitgeber auf ihren Vorschlag.
Damit stehen in der Tarifrunde nicht allein die künftigen Löhne zur Verhandlung. Auch die Frage, unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen Unternehmen ihre Produktion und Beschäftigung in Deutschland halten können, gehört zu den zentralen Konfliktpunkten.
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