
Kurz vor der zweiten Runde der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie erwarten zahlreiche Unternehmen einen weiteren Rückgang ihrer Beschäftigtenzahlen. Nach einer aktuellen Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall rechnen 42 Prozent der befragten Betriebe damit, innerhalb der kommenden sechs Monate Personal abzubauen. Gleichzeitig fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Geld und verbindliche Regelungen zur Beschäftigungssicherung.
An der Befragung vom 7. bis 16. Oktober 2026 beteiligten sich 1.461 Unternehmen mit insgesamt rund 800.000 Beschäftigten. Nach Angaben von Gesamtmetall entspricht das etwa einem Viertel aller Arbeitnehmer in der deutschen Metall- und Elektroindustrie.
Die wirtschaftliche Situation bewerten viele der teilnehmenden Unternehmen kritisch. 39 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, weitere 40 Prozent als befriedigend. Lediglich 15 Prozent erwarten für die kommenden sechs Monate eine Verbesserung.
Besonders deutlich fällt die Einschätzung zur Beschäftigung aus. Während 42 Prozent der Betriebe mit Personalabbau rechnen, erwarten nur zwölf Prozent einen Beschäftigungszuwachs. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen könnten, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.
Auch die Auftragsentwicklung bereitet den Arbeitgebern Sorgen. Bei 42 Prozent der befragten Unternehmen liegen die Neuaufträge unter dem Vorjahresniveau. Nur 23 Prozent verzeichnen höhere Auftragseingänge.
Hinzu kommt die internationale Verteilung der Produktion. Nach Angaben von Gesamtmetall fertigen rund zwei Drittel der befragten Unternehmen ihre Aufträge vollständig oder teilweise im Ausland. Der Verband sieht darin eine Folge unterschiedlicher Standortbedingungen und verweist insbesondere auf Energiepreise, Arbeitskosten, Steuern und bürokratische Belastungen.
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander fordert deshalb wirtschaftspolitische Entlastungen und eine Begrenzung der Arbeitskosten. Zugleich verweist der Verband darauf, dass wirtschaftlich erfolgreiche Bereiche wie die Rüstungsindustrie und die Gesundheitstechnik die Schwierigkeiten anderer Industriezweige nicht ausgleichen könnten.
Die IG Metall bewertet die wirtschaftliche Situation differenzierter. Nach einer eigenen Betriebsrätebefragung verfügen 62 Prozent der erfassten Betriebe über eine gute oder sehr gute Auslastung. Während insbesondere die Automobilindustrie und ihre Zulieferer unter Druck stehen, entwickeln sich andere Bereiche wie die Luftfahrt, Medizintechnik und Wehrtechnik günstiger.
Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie eine Entgelterhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich verlangt sie tarifliche Vereinbarungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.
In wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen soll außerdem eine Gewinnbeteiligung eingeführt werden. Für Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen und Auszubildende fordert die Gewerkschaft zusätzliche Verbesserungen.
Die erste regionale Verhandlungsrunde Anfang Oktober endete ohne Annäherung. Nach Angaben der IG Metall lehnten die Arbeitgeber die gewerkschaftlichen Forderungen ab, ohne ein eigenes Entgeltangebot vorzulegen.
Am Dienstag, 27. Oktober 2026, beginnt die zweite Verhandlungsrunde unter anderem in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Weitere regionale Gespräche folgen in den darauffolgenden Tagen.
Mit Ablauf des 31. Oktober endet die Friedenspflicht. Ab dem 1. November sind damit auch Warnstreiks möglich. Die Verhandlungen stehen vor der Aufgabe, die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen der Unternehmen mit den Forderungen nach höheren Einkommen und sicheren Arbeitsplätzen in Einklang zu bringen.
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