
Die Wiederwahl von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat an den internationalen Finanzmärkten erhebliche Kursverluste ausgelöst. Am Montagmorgen, 26. Oktober 2026, verloren die in den USA gehandelten Wertpapiere des Ölkonzerns Petrobras nach Kursangaben des Portals Itamaraju Notícias um 5.34 Uhr brasilianischer Zeit, entsprechend 9.34 Uhr deutscher Zeit, zeitweise fast 20 Prozent. Auch brasilianische Banken und Aktienfonds verzeichneten deutliche Rückgänge. Besonders stark fiel die Reaktion bei einem wichtigen Brasilien-ETF aus.
Die Petrobras-Aktie steht nach dem Wahlausgang erheblich unter Druck. Betroffen sind zunächst die sogenannten American Depositary Receipts (ADRs), über die Anleger in den USA Aktien brasilianischer Unternehmen handeln können.
Am Montag um 5.34 Uhr brasilianischer Zeit, entsprechend 9.34 Uhr deutscher Zeit, notierten die Hinterlegungsscheine der Petrobras-Stammaktien nach einer um 5.44 Uhr veröffentlichten Kursübersicht von Itamaraju Notícias rund 19,53 Prozent niedriger bei 21,05 US-Dollar. Die Papiere der Vorzugsaktien verloren nach denselben Angaben zum gleichen Zeitpunkt 19,72 Prozent und erreichten 18,89 Dollar.
Noch stärkere Verluste gab es bei einzelnen Finanzwerten. Die US-Hinterlegungsscheine der Großbank Itaú Unibanco lagen laut Itamaraju Notícias am 26. Oktober um 5.34 Uhr brasilianischer Zeit 25,54 Prozent im Minus. Beim Bergbaukonzern Vale fiel der Rückgang mit 5,24 Prozent zum selben Zeitpunkt nach Angaben des Portals vergleichsweise geringer aus.
Besonders auffällig entwickelte sich der iShares MSCI Brazil ETF mit dem Börsenkürzel EWZ. Der in den USA gehandelte Fonds bildet die Wertentwicklung großer und mittelgroßer brasilianischer Unternehmen ab.
Um 5.34 Uhr brasilianischer Zeit am 26. Oktober wurde der ETF nach Angaben von Itamaraju Notícias bei 31,30 Dollar gehandelt. Gegenüber dem vorherigen regulären Schlusskurs entsprach das einem Minus von 26,04 Prozent. Bereits am Sonntagabend hatte der Fonds zeitweise rund 19 Prozent verloren, wie InvestNews für den 25. Oktober um 21.40 Uhr brasilianischer Zeit berichtete.
Auch an asiatischen Handelsplätzen waren die Folgen sichtbar. Ein in Tokio notierter Fonds, der den brasilianischen Aktienmarkt abbildet, verlor nach Reuters-Angaben vom 26. Oktober, 4.09 Uhr UTC, im frühen asiatischen Handel rund 15 Prozent. Gleichzeitig gaben Terminkontrakte auf den brasilianischen Real mit Fälligkeit im November laut derselben Reuters-Meldung im asiatischen Handel um etwa zehn Prozent nach.
Auslöser der Marktreaktionen war das Ergebnis der Stichwahl vom Sonntag, 25. Oktober. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT setzte sich gegen den konservativen Senator Flávio Bolsonaro durch.
Nach Angaben des obersten brasilianischen Wahlgerichts TSE erhielt Lula 64.256.232 Stimmen und damit 51,79 Prozent der gültigen Stimmen. Auf Bolsonaro entfielen 59.826.041 Stimmen beziehungsweise 48,21 Prozent. Lula sicherte sich damit eine weitere Amtszeit als Präsident der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.
Das Ergebnis durchkreuzte Erwartungen zahlreicher Investoren, die nach dem ersten Wahlgang auf einen Regierungswechsel gesetzt hatten.
In den Wochen vor der Stichwahl hatten brasilianische Aktien deutlich zugelegt. Der Leitindex Ibovespa lag nach Reuters-Angaben vom 26. Oktober zum Handelsschluss am Freitag, 23. Oktober, rund sieben Prozent über seinem Stand vor dem ersten Wahlgang. Gleichzeitig hatte der Real gegenüber dem US-Dollar nach derselben Reuters-Meldung bis zum Handelsschluss am 23. Oktober beinahe fünf Prozent gewonnen.
Hinter dieser Entwicklung standen Erwartungen an eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung unter einem möglichen Präsidenten Flávio Bolsonaro. Investoren verbanden damit insbesondere die Aussicht auf strengere Haushaltsdisziplin und sinkende Zinsen.
Mit Lulas Wiederwahl richten sich die Blicke erneut auf die Entwicklung der öffentlichen Verschuldung. Brasiliens Staatsschulden liegen bei mehr als 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung strebt bis 2030 einen Primärüberschuss von rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an.
Entscheidend für die weitere Entwicklung könnten insbesondere die Haushaltspolitik ab 2027, die Besetzung des Finanzministeriums und die Zusammenarbeit der Regierung mit dem Kongress werden.
Die Börse in Brasilien nimmt ihren regulären Aktienhandel am Montag um 10 Uhr Ortszeit auf. Das entspricht 14 Uhr deutscher Zeit. Erst dann wird sich zeigen, wie stark der heimische Aktienmarkt auf die Wiederwahl reagiert.
Die bisherigen Verluste betreffen vor allem den vorbörslichen und nächtlichen Handel mit brasilianischen Wertpapieren im Ausland. Solche Notierungen können wegen der geringeren Handelsumsätze stärker schwanken als Kurse während der regulären Börsensitzungen.
Ob der brasilianische Leitindex Ibovespa die hohen Verluste einzelner im Ausland gehandelter Wertpapiere nachvollzieht, war vor Handelsbeginn noch offen.
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