
Der internationale Bildanbieter Getty Images hat in den USA ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Das Unternehmen und mehrere amerikanische Tochtergesellschaften reichten die Anträge am 21. Oktober 2026 bei einem Insolvenzgericht im Bundesstaat Delaware ein. Ziel ist eine umfassende finanzielle Neuordnung, während das operative Geschäft weiterläuft. Nach Abschluss des Verfahrens soll Getty Images wieder vollständig in Privatbesitz übergehen.
Hinter dem Insolvenzantrag stehen erhebliche finanzielle Verpflichtungen. Laut den eingereichten Sanierungsunterlagen beliefen sich die ausstehenden Finanzschulden zum Zeitpunkt des Antrags auf rund 1,46 Milliarden US-Dollar. Die jährliche Zinsbelastung lag bei ungefähr 154 Millionen Dollar.
Zusätzlich belasteten Rechtsstreitigkeiten mit früheren Inhabern von Aktienbezugsrechten das Unternehmen. Aus entsprechenden Gerichtsurteilen und Zinsen musste Getty Images im April 2026 bereits rund 110,9 Millionen Dollar bezahlen. Weitere rechtliche Forderungen erhöhten den finanziellen Druck. In den Insolvenzunterlagen führt das Unternehmen außerdem die gescheiterte Übernahme des Konkurrenten Shutterstock und die bestehende Schuldenstruktur als wesentliche Ursachen seiner finanziellen Schwierigkeiten an.
Die Sanierung soll durch ein bereits mit wichtigen Gläubigern und Eigentümern abgestimmtes Konzept erfolgen. Beteiligte der Getty-Familie und Koch Equity Development haben ein Finanzierungspaket von bis zu 533 Millionen Dollar zugesagt. Darin enthalten sind auch die Umwandlung bestehender Forderungen in Eigenkapital sowie Finanzierungen für das Insolvenzverfahren.
Nach dem bisherigen Plan sollen die bestehenden Aktien ohne Auszahlung an ihre Inhaber gestrichen werden. Die neu organisierte Gesellschaft würde anschließend den beteiligten Investoren gehören. Getty Images erwartet, die Umstrukturierung vorbehaltlich der notwendigen Genehmigungen bis Ende 2026 abzuschließen.
Eine weitere Belastung entstand durch das Scheitern des geplanten Zusammenschlusses mit Shutterstock. Die beiden Bildanbieter wollten ihre Geschäfte zusammenführen, stießen jedoch auf wettbewerbsrechtliche Bedenken in Großbritannien.
Die britische Wettbewerbsbehörde CMA verlangte als Voraussetzung für eine Genehmigung den Verkauf des redaktionellen Bildgeschäfts von Shutterstock. Getty Images entschied sich gegen die Umsetzung dieser Bedingung und beendete die Fusionsvereinbarung am 7. Juli 2026. Damit entfiel eine zuvor geplante strategische Neuausrichtung.
Neben den finanziellen Problemen steht Getty Images vor einem grundlegenden Wandel des Bildermarktes. Generative künstliche Intelligenz ermöglicht es Unternehmen und Privatpersonen, Bilder für Werbung, Webseiten und andere kommerzielle Zwecke automatisch erstellen zu lassen.
Getty Images bezeichnet die zunehmende Verbreitung solcher Technologien in seinen Geschäftsunterlagen als Risiko für die Nachfrage nach klassischen Bildlizenzen und den Schutz geistigen Eigentums. Gleichzeitig bietet der Konzern unter den Marken Getty Images und iStock eigene KI-Bildgeneratoren an, deren Trainingsgrundlage nach Unternehmensangaben aus lizenzierten Inhalten besteht. Eine unmittelbare Verursachung des Insolvenzverfahrens durch KI-Bilder ist nicht belegt.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen zeigen sich auch in den jüngsten veröffentlichten Quartalszahlen. Im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 229,1 Millionen Dollar und damit 2,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Während die Erlöse mit redaktionellen Inhalten stiegen, gingen sie im Geschäft mit kreativen Bildinhalten zurück.
Für Kunden, Beschäftigte, Fotografen und andere Inhalteanbieter soll sich durch das Chapter-11-Verfahren zunächst nichts ändern. Getty Images kündigte an, bestehende Verträge und Zahlungsverpflichtungen im gewöhnlichen Geschäftsbetrieb weiter zu erfüllen. Zur Finanzierung des laufenden Verfahrens ist unter anderem eine Kreditlinie von bis zu 143 Millionen Dollar durch eine Gesellschaft aus dem Umfeld von Koch Equity Development vorgesehen.
Damit setzt Getty Images auf eine Sanierung unter gerichtlicher Aufsicht statt auf die Abwicklung des Unternehmens. Ob der Zeitplan und sämtliche Bestandteile des Sanierungskonzepts umgesetzt werden können, hängt von den weiteren gerichtlichen Entscheidungen und erforderlichen Genehmigungen ab.
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