Google könnte sich Atomstrom von Constellation langfristig sichern

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Google steht offenbar vor einem weiteren großen Schritt bei der Energieversorgung seiner Rechenzentren. Der Mutterkonzern Alphabet verhandelt nach Informationen von Bloomberg über einen mehrjährigen Vertrag mit dem US-Energiekonzern Constellation Energy. Das Volumen soll mindestens eine Milliarde US-Dollar erreichen. Offiziell bestätigt war eine Einigung am Dienstagmorgen jedoch noch nicht.

Vertrag könnte noch in dieser Woche bekannt werden

Bloomberg zufolge könnte die Vereinbarung zwischen Google und Constellation bereits in dieser Woche bekannt gegeben werden. Grundlage des Berichts sind mit den Gesprächen vertraute Personen. Google soll demnach über mehrere Jahre Atomstrom von Constellation beziehen und dafür insgesamt eine Milliarde Dollar oder mehr zahlen.

Weder die genaue Leistung noch der Standort der betreffenden Kernkraftwerkskapazitäten waren zunächst bekannt. Auch die exakte Laufzeit wurde nicht genannt. Google und Constellation bestätigten den möglichen Abschluss zunächst nicht. Bloomberg zufolge wollten sich beide Unternehmen am Montag nicht zu den Gesprächen äußern. Reuters griff die Angaben in der Nacht zum Dienstag auf.

Damit bleibt auch offen, ob die Vereinbarung Strom aus einem bestimmten Kraftwerk umfasst oder über das Stromnetz beziehungsweise andere Vertragsmodelle mehrere Standorte absichern soll. Der mögliche Milliardenvertrag passt jedoch zu Googles wachsendem Interesse an Atomstrom für Rechenzentren und andere besonders stromintensive digitale Infrastruktur.

Google setzt bereits auf mehrere Atomkraft-Projekte

Ein Vertrag mit Constellation wäre nicht Googles erster großer Einstieg in Kernenergie. Bereits im Oktober 2024 vereinbarte der Konzern mit Kairos Power den Bezug von Strom aus mehreren geplanten kleinen modularen Reaktoren. Insgesamt sollen dadurch langfristig bis zu 500 Megawatt neue Leistung entstehen. Die ersten Anlagen sollen nach den damaligen Planungen ab 2030 Strom liefern.

Im August 2025 folgte ein konkreteres Projekt mit Kairos Power und der Tennessee Valley Authority. Ein geplanter Reaktor im US-Bundesstaat Tennessee soll ab 2030 bis zu 50 Megawatt in das Stromnetz einspeisen, über das unter anderem Google-Rechenzentren in Tennessee und Alabama versorgt werden.

Noch größer ist die Vereinbarung mit NextEra Energy vom Oktober 2025. Sie soll den Neustart des seit 2020 stillgelegten Kernkraftwerks Duane Arnold in Iowa ermöglichen. Google und NextEra vereinbarten dafür einen Vertrag über 25 Jahre. Das Kraftwerk soll nach derzeitiger Planung im ersten Quartal 2029 wieder vollständig in Betrieb gehen und mehr als 600 Megawatt liefern. Die US-Atomaufsicht NRC begleitet das Verfahren für einen möglichen Neustart.

Auch bestehende Reaktoren sollen mehr Strom erzeugen

Erst im September 2026 vereinbarte Google zudem mit Georgia Power die Finanzierung von Leistungssteigerungen an den Kernkraftwerken Vogtle und Hatch im Bundesstaat Georgia. Die geplanten Umbauten sollen rund 96 Megawatt zusätzliche Leistung ermöglichen. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zuständige Regulierungsbehörde Georgia Public Service Commission.

Die Strategie zeigt, warum für Technologiekonzerne nicht nur neue Reaktortypen interessant sind. Neue Kernkraftwerke benötigen lange Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten. Leistungssteigerungen bestehender Anlagen oder die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Reaktoren können zusätzliche Kapazitäten teilweise schneller verfügbar machen.

Genau auf solche Modelle setzt auch Constellation. Der Konzern betreibt die größte Kernkraftwerksflotte der Vereinigten Staaten und hat bereits langfristige Verträge mit mehreren großen Technologieunternehmen geschlossen.

Amazon und Microsoft haben ebenfalls Verträge mit Constellation

Nur wenige Tage vor den Berichten über die Google-Gespräche vereinbarte Amazon mit Constellation einen Vertrag über 20 Jahre. Er umfasst 690 Megawatt Strom und unterstützt Investitionen in das Kernkraftwerk Calvert Cliffs in Maryland. Durch technische Aufrüstung sollen dort zwischen 2030 und 2032 zusätzlich rund 190 Megawatt Leistung entstehen. Constellation beziffert die geplanten Infrastrukturinvestitionen auf mehr als drei Milliarden Dollar.

Microsoft hatte bereits 2024 einen 20-jährigen Stromliefervertrag mit Constellation geschlossen. Dadurch soll der stillgelegte Reaktor Block 1 des früheren Kernkraftwerks Three Mile Island in Pennsylvania wieder ans Netz gehen. Die Anlage trägt inzwischen den Namen Crane Clean Energy Center und soll rund 835 Megawatt Leistung bereitstellen.

Auch Meta hat sich langfristig an Constellation gebunden. Ein 2025 geschlossener Vertrag über 20 Jahre umfasst die Stromproduktion des Clinton-Kernkraftwerks in Illinois mit insgesamt 1.121 Megawatt. Zusätzlich soll die Leistung der Anlage um rund 30 Megawatt erhöht werden.

KI lässt den Strombedarf der Rechenzentren deutlich wachsen

Hinter den milliardenschweren Energieverträgen steht ein grundlegender Wandel auf dem amerikanischen Strommarkt. Rechenzentren benötigen durch Cloud-Dienste und besonders durch Anwendungen künstlicher Intelligenz immer größere Mengen Elektrizität. Gleichzeitig benötigen große Betreiber eine möglichst kontinuierliche Versorgung ihrer Anlagen.

Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur dürfte sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Die USA tragen einen besonders großen Teil dieses Wachstums. Dort könnten Rechenzentren bis 2030 für annähernd die Hälfte des gesamten zusätzlichen Stromverbrauchs verantwortlich sein.

Kernkraft ist dabei nur ein Teil der zusätzlichen Versorgung. Nach Einschätzung der IEA werden erneuerbare Energien und Erdgas in den kommenden Jahren den größten Teil des steigenden Strombedarfs von Rechenzentren decken. Kernenergie dürfte vor allem gegen Ende des Jahrzehnts und danach an Bedeutung gewinnen.

Kernenergie liefert bereits knapp ein Fünftel des US-Stroms

Die USA verfügen weiterhin über die weltweit größte kommerzielle Reaktorflotte. Kernkraftwerke lieferten 2025 nach Angaben der US-Energiebehörde EIA rund 18 Prozent der Stromerzeugung großer Kraftwerke im Land. Erdgas kam auf etwa 41 Prozent, erneuerbare Energien insgesamt auf rund 24 Prozent.

Für Betreiber großer Rechenzentren ist Kernenergie vor allem wegen der kontinuierlichen Produktion interessant. Gleichzeitig bleiben Investitionskosten, Genehmigungsverfahren, nukleare Sicherheit und die Entsorgung radioaktiver Abfälle zentrale Themen der amerikanischen Energiepolitik.

Sollte Google den Vertrag mit Constellation tatsächlich abschließen, würde sich damit vor allem ein Trend weiter verstärken: Die größten Technologiekonzerne versuchen zunehmend, große Strommengen über langfristige Verträge abzusichern und investieren dabei neben Wind-, Solar- und Geothermieprojekten verstärkt in bestehende und neue Kernkraftkapazitäten. Über Umfang und Herkunft des Stroms eines möglichen Google-Vertrags mit Constellation gab es am Dienstagmorgen noch keine bestätigten Angaben.

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