Was hinter Hai in den Mai steckt und warum das Festival ausfiel

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Begriff Hai in den Mai klingt auf den ersten Blick nach einer kuriosen Tiermeldung. Tatsächlich steckt dahinter kein Hai-Vorfall in Deutschland, sondern ein Musikfestival in Stemwede-Wehdem. Die Veranstaltung gehört zum Waldfrieden-Gelände und steht seit Jahren für elektronische Musik, insbesondere für die Psytrance-Szene. Der aktuelle Anlass ist nicht das Festival selbst, sondern sein Ausfall im Frühjahr 2026 und die Folgen für Veranstalter, Besucherinnen und Besucher sowie die regionale Festivalkultur.

Geplant war Hai in den Mai 2026 für den Zeitraum vom 30. April bis zum 4. Mai. Statt eines Festivalstarts folgte jedoch eine juristische Auseinandersetzung. Die Veranstalterin wollte erreichen, dass die Gemeinde Stemwede über mehrere Anträge entscheidet. Vor Gericht blieb dieses Begehren erfolglos.

Warum das Festival 2026 nicht genehmigt wurde

Entscheidend war das Zusammenspiel aus Naturschutzrecht, Veranstaltungsrecht und Sicherheitsfragen. Das Verwaltungsgericht Minden lehnte den Eilantrag der Waldfrieden Events GmbH ab. Das Oberverwaltungsgericht NRW bestätigte diese Entscheidung in zweiter Instanz. Damit stand fest, dass die Gemeinde Stemwede das Festival nicht genehmigen musste.

Zentral war die fehlende naturschutzrechtliche Befreiung. Das Festivalgelände liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Ohne diese Befreiung konnte die Veranstaltung nicht rechtmäßig zugelassen werden. Die Gerichte stellten klar, dass eine langjährige Veranstaltung nicht automatisch Bestandsschutz genießt.

Naturschutz wurde zum Kern des Konflikts

Der Kreis Minden-Lübbecke hatte die naturschutzrechtliche Befreiung im April abgelehnt. Begründet wurde dies mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft. Das Waldfrieden-Gelände liegt in einem sensiblen Landschaftsraum mit Wald, Waldrand, Wiesen und Ackerflächen. Die Behörde sah mögliche Beeinträchtigungen wild lebender und besonders geschützter Arten, darunter Vögel und Fledermäuse.

Auch das vom Veranstalter vorgelegte Zwischengutachten reichte nach Einschätzung der Behörde nicht aus, um die naturschutzfachlichen Bedenken auszuräumen. Damit wurde Hai in den Mai zu einem Beispiel für einen größeren Konflikt: Kulturveranstaltungen im ländlichen Raum stehen zunehmend vor der Aufgabe, Naturschutz, Sicherheitsanforderungen und wirtschaftliche Planung miteinander zu vereinbaren.

Auch Sicherheitsfragen spielten eine Rolle

Neben dem Naturschutz spielten Sicherheitsfragen eine wichtige Rolle. Der Kreis Minden-Lübbecke äußerte Bedenken zum Sicherheitskonzept, darunter Zufahrtswege, Fluchtwege und Rettungsmittelhalteplätze. Der Waldfrieden liegt in einem Bereich mit Hang- und Tallage, was Rettungseinsätze erschweren kann.

Was die Absage für Ticketinhaber bedeutet

Nach der Absage rückte die Frage nach Rückerstattungen in den Mittelpunkt. Auf der offiziellen Waldfrieden-Seite wird Ticketinhabern die Möglichkeit gegeben, anzugeben, ob und in welcher Höhe sie eine Rückzahlung wünschen. Zugleich bittet der Veranstalter um freiwilligen teilweisen oder vollständigen Verzicht auf Rückerstattungen, um die wirtschaftliche Lage abzufedern.

Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die finanzielle Situation angespannt ist. Auf der Veranstalterseite hieß es, geprüft werde, ob eine Insolvenz unvermeidbar sei. Medienberichte vom 29. Mai meldeten, dass die Waldfrieden Events GmbH insolvent sei. Im Falle einer Insolvenz könnten vollständige Rückerstattungen nicht garantiert werden.

Warum der Fall überregional interessant ist

Der Fall Hai in den Mai ist überregional relevant, weil er mehrere Entwicklungen sichtbar macht. Die Entscheidungen der Gerichte zeigen, dass langjährig etablierte Veranstaltungen nicht automatisch weiterlaufen können, wenn sich rechtliche, sicherheitsrelevante oder naturschutzfachliche Bewertungen ändern.

Zudem macht der Fall deutlich, wie existenziell kurzfristige Absagen für Veranstalter sein können. Festivals schaffen Öffentlichkeit und sind Teil lokaler Identität, müssen aber mit Vorgaben zu Natur, Sicherheit, Verkehr und Brandschutz vereinbar sein. Hai in den Mai steht deshalb nicht nur für eine abgesagte Veranstaltung, sondern für den Druck, unter dem größere Open-Air-Events in sensiblen Räumen inzwischen stehen.

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