
Der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha Aerospace will seine Präsenz auf dem europäischen Markt weiter ausbauen und prüft dafür eine eigene Produktionsstätte in Deutschland. Nach Angaben der Stiftung Wissenschaft und Politik sollen die Überlegungen auch die Fertigung von NATO-standardisierter 155-Millimeter-Artilleriemunition und präzisionsgelenkten Flugkörpern umfassen. Als mögliche Region wurde Ostdeutschland genannt. Eine endgültige Standortentscheidung oder ein Termin für den Baubeginn sind bislang nicht bekannt.
Damit könnte eine weitere Munitionsfabrik in Deutschland entstehen, falls Hanwha seine bisherigen Überlegungen tatsächlich umsetzt. Von einem bereits beschlossenen Fabrikbau kann derzeit allerdings nicht gesprochen werden. Das Unternehmen hatte seine Investitionsabsichten für Deutschland bereits im Mai 2025 öffentlich gemacht. Damals ging es um eine mögliche Produktionsstätte sowie um eine stärkere Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen.
Hanwha hatte im Mai 2025 erstmals einen eigenen Industry Day in Berlin veranstaltet. Dabei kamen Vertreter des Konzerns mit deutschen Unternehmen sowie Vertretern staatlicher Stellen zusammen. Im Mittelpunkt standen eine stärkere lokale Fertigung, gemeinsame Forschung und langfristige Investitionen.
Schon damals erklärte das Unternehmen, eine Produktionsstätte in Ostdeutschland zu prüfen. Hanwha arbeitet nach den damals veröffentlichten Angaben bereits mit rund 60 deutschen Zulieferern zusammen und beschafft in Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr.
Die Stiftung Wissenschaft und Politik konkretisierte die Pläne Anfang 2026. Demnach zielen die Überlegungen auf eine größere Fertigungsstätte, in der unter anderem 155-Millimeter-Munition nach NATO-Standard und präzisionsgelenkte Flugkörper hergestellt werden könnten. Darüber hinaus werden längerfristig weitere Bereiche der Luft- und Raumfahrt sowie Aufklärungs- und Überwachungstechnik genannt.
Unklar blieb zunächst, wie groß das Werk werden könnte, welche Produktionskapazität vorgesehen wäre und an welchem Ort die Anlage entstehen soll. Auch Angaben über Investitionssumme, mögliche Beschäftigtenzahl und Produktionsbeginn sind bislang nicht gesichert.
Die deutschen Pläne passen zu einer breiteren Strategie südkoreanischer Rüstungsunternehmen. Sie verkaufen nicht mehr ausschließlich in Südkorea gefertigte Waffensysteme nach Europa, sondern bauen zunehmend lokale Lieferketten, Montagekapazitäten und Produktionsstandorte auf.
Hanwha ist dabei besonders stark in Mittel- und Osteuropa vertreten. Polen nutzt unter anderem die südkoreanische Panzerhaubitze K9 und das Mehrfachraketensystem K239 Chunmoo, das dort als Homar-K geführt wird. Anfang September 2026 vereinbarten Polen und Hanwha weitere Schritte zur Lokalisierung des Systems. Eine Lizenzvereinbarung ermöglicht die Fertigung bestimmter Ersatzteile und die Endmontage in Polen.
Auch in Rumänien baut Hanwha seine industrielle Präsenz aus. Dort soll eine Produktionsbasis für Landsysteme entstehen, nachdem das Land unter anderem K9-Panzerhaubitzen und K10-Munitionsfahrzeuge bestellt hatte. Damit verfolgt das Unternehmen in Europa zunehmend ein Modell, bei dem Rüstungsaufträge mit lokaler Produktion, Wartung und Beteiligung nationaler Zulieferer verbunden werden.
Besondere Bedeutung haben die deutschen Überlegungen wegen der Produktion von 155-Millimeter-Artilleriemunition. Das Kaliber wird von zahlreichen NATO-Staaten eingesetzt und gehört zu den wichtigsten Munitionsarten moderner Artilleriesysteme. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat zugleich deutlich gemacht, welche Mengen in länger andauernden konventionellen Konflikten benötigt werden.
Mehrere europäische Hersteller bauen deshalb ihre Kapazitäten aus. Rheinmetall investierte beispielsweise rund 300 Millionen Euro in ein neues Munitionswerk in Unterlüß in Niedersachsen. Nach Unternehmensangaben ist die Anlage auf eine spätere Kapazität von bis zu 200.000 Artilleriegeschossen jährlich ausgelegt.
Ein Einstieg von Hanwha in die deutsche Produktion würde deshalb nicht nur einen neuen ausländischen Anbieter auf den deutschen Rüstungsmarkt bringen. Der Konzern würde sich zugleich stärker in eine europäische Lieferkette integrieren, in der Staaten zunehmend Wert auf Fertigung innerhalb Europas und langfristig verfügbare Produktionskapazitäten legen.
Deutschland gewinnt durch steigende Verteidigungsausgaben und den Ausbau der militärischen Beschaffung auch für internationale Hersteller an Bedeutung. Neben Hanwha suchen weitere ausländische Unternehmen nach Kooperationen mit deutschen Konzernen oder eigenen Standorten. Die Financial Times berichtete Ende August über ein wachsendes Interesse internationaler Rüstungsunternehmen am deutschen Markt.
Auch ein zweiter großer südkoreanischer Hersteller baut seine Präsenz hierzulande aus. LIG Defense und Aerospace vereinbarte im Juni 2026 eine strategische Partnerschaft mit Rheinmetall. Beide Unternehmen wollen gemeinsam Flugabwehrsysteme für europäische und NATO-Kunden anbieten. Rheinmetall zufolge ist zunächst die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens vorgesehen. LIG unterhält bereits eine Europa-Niederlassung in München.
Hanwhas Vorhaben geht bei einer Umsetzung noch einen Schritt weiter, weil die Pläne eine industrielle Fertigung in Deutschland umfassen. Bis aus der angekündigten Strategie tatsächlich eine Munitionsfabrik wird, sind allerdings entscheidende Eckpunkte offen. Ein konkreter Standort und ein verbindlicher Zeitplan wurden bislang nicht veröffentlicht.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu