
SpaceX baut sein Geschäft mit Rechenleistung für Künstliche Intelligenz weiter aus. Finanzchef Bret Johnsen hat nach eigenen Angaben einen weiteren Großvertrag über die Bereitstellung von Rechenkapazität abgeschlossen. Der neue Kunde soll ab dem 1. Dezember rund 1,11 Milliarden Dollar pro Monat zahlen. Auf zwölf Monate hochgerechnet entspräche das einem Umsatzvolumen von rund 13 Milliarden Dollar. Der Name des Vertragspartners wurde zunächst nicht genannt.
Johnsen machte die Angaben am Donnerstag bei der Communacopia + Technology Conference von Goldman Sachs. Nach seinen Worten wurde die Vereinbarung bereits Anfang September geschlossen. Eine unabhängige Bestätigung des Vertrags und seiner Konditionen lag zunächst nicht vor. Die Aussagen liefern dennoch neue Hinweise darauf, welche wirtschaftliche Bedeutung das KI-Infrastrukturgeschäft inzwischen innerhalb von SpaceX erreicht hat.
Mit dem neuen Vertrag sieht sich SpaceX seinem eigenen Umsatzziel für Ende 2026 näher. Johnsen erklärte, das Unternehmen gehe weiterhin davon aus, im Dezember eine annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen. Gemeint ist damit nicht ein Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar für das laufende Geschäftsjahr. SpaceX rechnet vielmehr die für Dezember erwarteten Erlöse auf zwölf Monate hoch.
Diese Unterscheidung ist wesentlich. Die Zahl beschreibt ein vom Unternehmen erwartetes Umsatztempo zu einem bestimmten Zeitpunkt und keine bereits erwirtschafteten Einnahmen. Johnsen erklärte, der neue Vertrag erhöhe die Zuversicht des Managements, dieses Ziel zu erreichen.
SpaceX Rechenleistung für KI zu verkaufen, ist dabei kein völlig neues Geschäftsfeld. Das Unternehmen hat bereits mehrere große Verträge zur Nutzung seiner Rechenzentren abgeschlossen. Aus Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass Anthropic für Kapazitäten in den Rechenzentren Colossus und Colossus II monatlich 1,25 Milliarden Dollar zahlen soll. Die Vereinbarungen sehen eine Laufzeit bis Mai 2029 vor, können unter bestimmten Voraussetzungen jedoch mit einer Frist von 90 Tagen beendet werden.
Ein weiterer Großkunde ist Google. SpaceX teilte der SEC im Juni mit, dass Google Zugriff auf eine Infrastruktur mit rund 110.000 Nvidia-Grafikprozessoren sowie weiterer Rechentechnik erhalten soll. Ab Oktober ist eine monatliche Zahlung von 920 Millionen Dollar vorgesehen. Die Vereinbarung läuft nach damaligem Stand bis Juni 2029.
Der Vertrag zeigt zugleich, wie anspruchsvoll der Ausbau der Infrastruktur ist. SpaceX muss die vereinbarte Zahl an Grafikprozessoren bereitstellen. Werden die zugesagten Kapazitäten nicht rechtzeitig geliefert, enthält die Vereinbarung Möglichkeiten für eine Kündigung oder eine anteilige Reduzierung der Zahlungen. Auch nach Ende 2026 kann der Vertrag unter bestimmten Bedingungen mit einer Frist von 90 Tagen beendet werden.
Solche Klauseln relativieren den Aussagewert langfristig hochgerechneter Vertragsvolumen. Johnsen erklärte bei der Goldman-Sachs-Konferenz zudem, dass nach seiner Darstellung nahezu alle entsprechenden Compute-Verträge Möglichkeiten für eine vorzeitige Beendigung enthielten. SpaceX will sich damit die Option offenhalten, Rechenkapazitäten künftig stärker für eigene KI-Produkte einzusetzen.
Der Ausbau großer KI-Rechenzentren stößt weltweit zunehmend auf physische Grenzen. Besonders Stromversorgung, Netzanschlüsse, Kühlsysteme und Komponenten für eigene Kraftwerke können Projekte verzögern. SpaceX weist selbst in seinen Börsenunterlagen darauf hin, dass der Ausbau seiner KI-Sparte erhebliche Investitionen in Rechenhardware, Rechenzentren und Energieversorgung erfordert.
Auch der Google-Vertrag macht deutlich, dass die rechtzeitige Bereitstellung großer GPU-Kapazitäten ein konkretes operatives Risiko darstellt. Hinzu kommt die Stromversorgung. SpaceX arbeitet nach Berichten unter anderem daran, bestimmte Bauteile für Gasturbinen selbst herzustellen. Ziel wäre es, neue Stromerzeugungskapazitäten schneller verfügbar zu machen. Der Markt für große Gasturbinen und zentrale Komponenten ist derzeit durch lange Lieferzeiten geprägt.
Diese Engpässe betreffen nicht nur SpaceX. Der weltweite Bau von KI-Rechenzentren erhöht den Bedarf an Stromnetzen, Transformatoren, Kühlung und eigener Energieerzeugung erheblich. Damit verschiebt sich der Wettbewerb um Künstliche Intelligenz zunehmend von Software und Chips auf die gesamte technische Infrastruktur.
Parallel zu seinen Rechenzentren auf der Erde verfolgt SpaceX Pläne für KI-Infrastruktur im All. Das Unternehmen argumentiert, dass dort Solarenergie für Satelliten genutzt und Rechenkapazität langfristig in großem Maßstab aufgebaut werden könnte.
Die eigenen Börsenunterlagen machen allerdings deutlich, dass dieses Vorhaben mit erheblichen technischen Unsicherheiten verbunden ist. SpaceX nennt unter anderem die notwendige Skalierung von Starship, eine deutlich höhere Startfrequenz sowie komplexe Anforderungen an Stromversorgung und Kühlung. Computerchips müssen im Weltraum zudem gegen Strahlung geschützt werden.
SpaceX bezeichnet die Entwicklung von orbitaler KI-Rechenleistung selbst als technisch komplex und noch nicht kommerziell bewiesen. Für das aktuelle Geschäft sind deshalb zunächst die Rechenzentren auf der Erde entscheidend. Der von Johnsen genannte neue Milliardenvertrag unterstreicht, wie schnell sich dieses Geschäft zu einer wichtigen Einnahmequelle für SpaceX entwickeln könnte. Ob das Unternehmen seine angestrebte annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zum Jahresende tatsächlich erreicht, hängt jedoch von der Umsetzung der Verträge, dem Ausbau der Kapazitäten und der weiteren Nachfrage nach KI-Rechenleistung ab.
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