Horst Heldt warnt vor Folgen des Transferkurses der Bundesliga

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Union Berlins Geschäftsführer Horst Heldt hat die Transferpolitik im deutschen Profifußball deutlich kritisiert. Der 56-Jährige sieht vor allem die zunehmende Orientierung der Spitzenklubs auf Spieler aus dem Ausland kritisch. Dadurch werde ein früher funktionierender Transferkreislauf innerhalb Deutschlands geschwächt, von dem nach seiner Einschätzung auch Vereine in niedrigeren Spielklassen profitiert hätten.

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Heldt äußerte sich am Dienstag, 8. September 2026, in einer Medienrunde beim 1. FC Union Berlin. SPORT1 veröffentlichte die Aussagen am Nachmittag in einer Meldung des Sport-Informations-Dienstes SID. Auch die Deutsche Presse-Agentur berichtete aus der Medienrunde, die vor Unions Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 stattfand. Ein exklusives Interview eines einzelnen Mediums war demnach nicht der Ausgangspunkt der Aussagen.

Heldt spricht von einem kritischen Zustand

Heldt bezeichnete die Entwicklung der vergangenen zwei oder drei Jahre als einen kritischen Zustand. Die Verantwortlichen müssten höllisch aufpassen, dass die Entwicklung dem deutschen Fußball langfristig nicht schade. Seine Kritik richtete sich dabei vor allem gegen die Transferstrategie größerer Vereine, die nach seiner Darstellung inzwischen verstärkt Spieler außerhalb Deutschlands verpflichteten.

Nach Heldts Einschätzung funktionierte der Markt früher stärker als ein Kreislauf innerhalb des deutschen Ligensystems. Spitzenteams verpflichteten Spieler bei anderen Bundesligisten, diese wiederum kauften bei kleineren Vereinen ein. Transfererlöse konnten dadurch bis in die 2. Bundesliga und 3. Liga weitergegeben werden.

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Diesen Mechanismus sieht Heldt geschwächt. Besonders für Vereine, deren wirtschaftliches Modell auf der Ausbildung und dem späteren gewinnbringenden Verkauf von Spielern beruht, könne das zum Problem werden. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem früher gesunden Kreislauf, der aus seiner Sicht so nicht mehr bestehe.

Heldts Aussagen sind damit nicht nur Kritik an einzelnen spektakulären Transfers. Sie berühren eine grundsätzliche Frage des deutschen Profifußballs: Wie viel Geld bleibt innerhalb des nationalen Ligensystems und welchen Weg haben junge Spieler aus deutschen Nachwuchsleistungszentren bis zu den Spitzenvereinen?

Bundesliga investierte rund 782 Millionen Euro

Die Bundesliga blieb im internationalen Vergleich auch im Sommer 2026 ein großer Transfermarkt. Nach Berechnungen auf Basis veröffentlichter Ablösedaten investierten die 18 Erstligisten rund 782 Millionen Euro in neue Spieler. Die Einnahmen lagen bei etwa 819 Millionen Euro. Damit erzielten die Bundesligaklubs insgesamt einen Transferüberschuss von knapp 38 Millionen Euro. Die Summen beruhen auf erfassten und teilweise berichteten Ablösebeträgen, da die beteiligten Vereine Transferzahlungen häufig nicht offiziell nennen.

Andere Auswertungen kommen je nach Erfassungszeitpunkt und Berechnungsmethode auf geringfügig abweichende Werte. Eine Transferbilanz bezifferte die Ausgaben auf 783,8 Millionen Euro und die Einnahmen auf 819,46 Millionen Euro. Bayer Leverkusen lag darin mit rund 159 Millionen Euro Ausgaben an der Spitze, gefolgt von Borussia Dortmund und Bayern München mit jeweils mehr als 100 Millionen Euro.

Eine belastbar dokumentierte Gesamtzahl, wie viele Bundesliga-Zugänge im Sommer 2026 unmittelbar von ausländischen Vereinen kamen, liegt in den herangezogenen offiziellen Übersichten nicht als zusammengefasste Kennziffer vor. Die Transferliste der Bundesliga zeigt allerdings zahlreiche Wechsel aus europäischen und außereuropäischen Ligen. Dazu gehören beispielsweise Ismael Saibaris Wechsel von PSV Eindhoven zu Bayern München sowie mehrere Dortmunder Zugänge aus Belgien, Brasilien und anderen ausländischen Wettbewerben.

International fällt die Größenordnung noch deutlich höher aus. Nach FIFA-Angaben wurden im weltweiten Männerfußball während des Transferzeitraums insgesamt 9,89 Milliarden Dollar ausgegeben. Mehr als 12.500 internationale Transfers bedeuteten ebenfalls einen Höchststand. Englische Vereine waren mit Abstand die größten Käufer.

Union Berlin selbst kaufte ebenfalls im Ausland ein

Heldts Kritik bedeutet allerdings nicht, dass Union Berlin den internationalen Transfermarkt meidet. Die Berliner holten im Sommer unter anderem Felix Uduokhai von Beşiktaş Istanbul, Zeno Van Den Bosch von Royal Antwerpen, Michel Aebischer vom italienischen Pisa SC und Kastriot Imeri von den Young Boys Bern. Emmanuel Latte Lath kam auf Leihbasis von Atlanta United. Gleichzeitig verpflichtete Union mit Marvin Friedrich auch einen Spieler von Borussia Mönchengladbach.

Hinzu kamen Rückkehrer und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Laut offizieller Bundesliga-Übersicht rückten Linus Güther, Mekhi Gray und Tim Blaszczak aus der eigenen Jugend in den erweiterten Profibereich auf. Auf der Abgangsseite standen unter anderem Danilho Doekhi, Alex Král und Diogo Leite sowie Leihgeschäfte mit jüngeren Spielern.

Finanziell agierte Union vergleichsweise zurückhaltend. Eine Anfang September veröffentlichte, auf Transfermarkt-Daten beruhende Bilanz setzte die Ausgaben auf rund neun Millionen Euro und die Einnahmen auf rund 18,9 Millionen Euro. Daraus ergab sich ein rechnerischer Überschuss von 9,9 Millionen Euro. Diese Summen sind keine vom Verein bestätigten Geschäftszahlen.

Den größten Anteil an den Einnahmen hatte demnach Ilyas Ansahs Wechsel zu Hull City. Mehrere übereinstimmende Berichte nannten dafür eine Ablöse von 17 Millionen Euro. Union selbst veröffentlichte keine konkrete Summe und sprach lediglich von einem für Spieler und Verein sehr attraktiven Angebot. Der 21-jährige deutsche U21-Nationalspieler war erst ein Jahr zuvor nach Berlin gewechselt.

Heldt verwies angesichts der Kritik an Unions eigenem Transfersommer zugleich auf die wirtschaftliche Position des Vereins. Union könne die Bedingungen auf dem Markt nicht bestimmen und müsse sich innerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten bewegen. Einen namhaften direkten Ersatz für Ansah verpflichteten die Berliner bis zum Ende des deutschen Transferfensters nicht.

Nachwuchsförderung rückt stärker in den Mittelpunkt

Heldts Kritik trifft auf eine bereits laufende Diskussion über die Entwicklung junger Spieler in Deutschland. DFL und DFB haben darauf inzwischen mit zusätzlichen Maßnahmen reagiert. Zur Saison 2026/27 startete die neue Bundesliga Talent Series, an der 26 Vereine aus Bundesliga und 2. Bundesliga teilnehmen. Ziel ist es, insbesondere Spielern zwischen U17 und U21 zusätzliche Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen und den Übergang vom Nachwuchs in den Profifußball zu erleichtern.

Das Problem liegt nicht allein in der Ausbildung. Deutschland verfügt weiterhin über ein dichtes System aus Nachwuchsleistungszentren, DFB-Stützpunkten, Auswahlmannschaften und Eliteschulen. Der DFB nennt bundesweit 339 Stützpunkte, an denen rund 14.000 Talente gefördert werden. Entscheidend für die weitere Entwicklung ist jedoch auch, ob Nachwuchsspieler anschließend ausreichend Spielpraxis im Profibereich erhalten.

Genau an dieser Stelle bekommt Heldts Kritik eine über Union Berlin hinausreichende Bedeutung. Wenn finanzstarke Klubs junge Spieler bevorzugt aus internationalen Märkten holen, wächst die Konkurrenz für Talente aus deutschen Nachwuchsleistungszentren. Gleichzeitig ist der internationale Einkauf für Bundesligisten ein legitimes Mittel, um sportliche Qualität zu gewinnen und Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial frühzeitig zu verpflichten.

So begründete Borussia Dortmund seine Strategie bereits während des Sommers auch mit dem Ziel, neue Werte für den Klub aufzubauen. Bei mehreren Bundesliga-Vereinen gehörten junge ausländische Spieler zu den auffälligsten Verpflichtungen des Transferfensters. Eine unmittelbare öffentliche Erwiderung eines anderen Bundesliga-Verantwortlichen auf Heldts Aussagen vom Dienstag war damit jedoch nicht verbunden.

Heldt verantwortet Unions Profibereich seit 2024

Heldt ist seit dem 1. Juli 2024 Geschäftsführer Profifußball Männer beim 1. FC Union Berlin. Der frühere Bundesliga-Profi hatte zuvor leitende Funktionen unter anderem beim VfB Stuttgart, Schalke 04, Hannover 96 und dem 1. FC Köln ausgeübt. Bei Union übernahm er 2024 die sportliche Verantwortung von Oliver Ruhnert, der zunächst wieder als Chefscout tätig war und den Verein später verließ.

Seine jüngste Kritik setzt damit eine Debatte fort, die weit über einzelne Transfers des Sommers 2026 hinausgeht. Auf der einen Seite steht ein immer internationalerer Spielermarkt mit Rekordumsätzen und intensivem Wettbewerb um junge Talente. Auf der anderen Seite benötigen Ausbildungsvereine Transfererlöse und deutsche Nachwuchsspieler einen realistischen Weg in den Profifußball. Heldts Warnung richtet sich vor allem gegen ein mögliches Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Entwicklungen.

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