Werder Bremen nimmt Millionen ein und muss trotzdem sparen

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Werder Bremen hat im Transfersommer 2026 mehrere Spieler für hohe Summen abgegeben und den Kader dennoch überwiegend mit ablösefreien Spielern und Leihgeschäften verstärkt. Geschäftsführer Klaus Filbry hat nun genauer erklärt, warum die Einnahmen nicht vollständig für neue Spieler zur Verfügung standen. Entscheidend ist demnach ein strukturelles Defizit, das der Bundesligist regelmäßig ausgleichen muss.

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Die Aussagen stammen aus einem Gespräch Filbrys mit der DeichStube, das am 8. September 2026 aktualisiert veröffentlicht wurde. Der Vorsitzende der Geschäftsführung bezifferte die jährliche Lücke zwischen laufenden Einnahmen und Belastungen auf 15 bis 17 Millionen Euro. Aktuell liege dieses Defizit bei Werder zwischen 15 und 17 Millionen Euro, sagte Filbry.

Damit liefert Werder erstmals eine detailliertere Erklärung dafür, warum hohe Transfererlöse nicht automatisch zu einem entsprechend großen Einkaufsbudget führen.

Rund 40 Millionen Euro durch drei Verkäufe

Im Mittelpunkt stehen die Abgänge von Mio Backhaus, Romano Schmid und Karim Coulibaly. Alle drei Transfers sind von Werder beziehungsweise den beteiligten Vereinen bestätigt. Die Ablösesummen wurden allerdings nicht vollständig offiziell veröffentlicht.

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Torhüter Mio Backhaus wechselte im Mai zum SC Freiburg. Werder bezeichnete das Angebot als wirtschaftlich äußerst attraktiv, machte aber keine Angaben zur Summe. Die DeichStube beziffert die Ablöse auf zwölf Millionen Euro. Zugleich zog Bremen die Kaufoption für den inzwischen 24 Jahre alten estnischen Torhüter Karl Hein vom FC Arsenal.

Mittelfeldspieler Romano Schmid wechselte am 12. August zum italienischen Serie-A-Aufsteiger Frosinone Calcio. Werder bestätigte den Transfer, veröffentlichte aber ebenfalls keine finanziellen Details. Nach den von der DeichStube genannten Zahlen beträgt die Ablöse 8,5 Millionen Euro.

Den größten einzelnen Erlös brachte Innenverteidiger Karim Coulibaly. Der damals 19-Jährige wechselte am 21. August zu Racing Straßburg. Werder sprach von einem lukrativen Angebot. Mehrere Medien, darunter Sportschau, NDR und Sky, berichteten übereinstimmend über eine garantierte Ablöse von rund 20 Millionen Euro. Sky nannte zusätzlich mögliche Bonuszahlungen von bis zu fünf Millionen Euro. Die Bonuszahlungen sind nicht vom Verein bestätigt und deshalb nicht als bereits erzielter Erlös anzusetzen.

Auf Basis der von der DeichStube verwendeten Werte kommen Backhaus, Schmid und Coulibaly zusammen auf 40,5 Millionen Euro Brutto-Transfererlöse.

Backhaus-Einnahmen gehören wirtschaftlich zum vorherigen Geschäftsjahr

Filbrys Erklärung zeigt zugleich, warum diese 40,5 Millionen Euro nicht als gemeinsamer Geldtopf für den Sommer 2026 betrachtet werden können.

Die zwölf Millionen Euro, die nach Medienangaben für Backhaus gezahlt wurden, werden nach Filbrys Angaben dem Geschäftsjahr 2025/26 zugerechnet. Sie sollen damit das Ergebnis dieses Geschäftsjahres verbessern. Filbry sagte dazu, der Betrag werde das Geschäftsjahr glattziehen. Für die Mitgliederversammlung im November erwartet der Verein nach der Darstellung der DeichStube deshalb ein positives Ergebnis im niedrigen siebenstelligen Bereich.

Anders liegen die Fälle Schmid und Coulibaly. Die genannten 8,5 beziehungsweise 20 Millionen Euro sind Bruttowerte. Von Transfererlösen können unter anderem Beraterhonorare, Beteiligungen und weitere Transaktionskosten abgehen. Nach Informationen der DeichStube verbleiben Werder aus den beiden Transfers netto etwa sieben Millionen Euro für Schmid und 16 Millionen Euro für Coulibaly. Diese Nettowerte sind keine veröffentlichten Konzernzahlen des Vereins.

Hinzu kommt der Zeitpunkt der Verkäufe. Schmid ging Mitte August, Coulibaly erst am 21. August. Zu diesem Zeitpunkt hatte Werder bereits einen Teil seiner Kaderplanung umgesetzt. Filbry sagte dazu, Werder sei bereits ins Risiko gegangen.

Werder beziffert strukturelles Defizit auf bis zu 17 Millionen Euro

Der wichtigste Faktor hinter dem begrenzten Transferbudget ist nach Filbrys Darstellung das strukturelle Defizit von jährlich 15 bis 17 Millionen Euro. Dahinter stehen mehrere Belastungen, die nicht unmittelbar mit dem aktuellen Profikader zusammenhängen.

Dazu zählen weiterhin finanzielle Folgen des Bundesliga-Abstiegs 2021 und der Corona-Pandemie. Außerdem belastet der frühere Umbau des Weserstadions die laufende Rechnung. Nach Filbrys Angaben müssen Werder und die Bremer Weserstadion-Gesellschaft noch rund 50 Millionen Euro tilgen. Daraus ergeben sich Belastungen von knapp fünf Millionen Euro pro Jahr.

Weitere Kosten entstehen durch Investitionen in das Leistungszentrum und den Campus. Werders Anteil liegt laut Filbry bei rund 30 Millionen Euro, die über mehrere Jahre abgeschrieben werden.

Hinzu kommen Ausgaben für weitere sportliche Bereiche. Das Budget für den Frauenfußball liegt laut Filbry bei etwa drei Millionen Euro jährlich. Für Handball, Tischtennis und Schach zusammen werden weitere 1,3 Millionen Euro angesetzt. Zudem zahlt die ausgegliederte Profifußballgesellschaft jährlich 1,5 Millionen Euro an den Stammverein für die kommerzielle Nutzung der Werder-Raute.

Werder schrieb zuletzt 7,4 Millionen Euro Verlust

Dass die wirtschaftliche Lage nicht allein eine Folge des Transfersommers 2026 ist, zeigen die zuletzt veröffentlichten offiziellen Geschäftszahlen.

Der Konzern SV Werder Bremen GmbH und Co KG aA schloss das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem Fehlbetrag von 7,4 Millionen Euro ab. Der Umsatz lag bei 142,7 Millionen Euro nach 145,6 Millionen Euro im Vorjahr. Die betrieblichen Aufwendungen stiegen auf 151,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital sank auf 14,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote lag zum Bilanzstichtag bei 15,8 Prozent.

Zum Vergleich: Nach den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie war das Eigenkapital zum 30. Juni 2021 auf minus 20,3 Millionen Euro gefallen. Später beteiligte sich ein regionales Investorenbündnis für 42 Millionen Euro mit 19,39 Prozent an der Kapitalgesellschaft. Nach Filbrys Darstellung wurde ein Teil dieses Kapitals dafür eingesetzt, die Eigenkapitalbasis wieder aufzubauen, Verträge zu verlängern und Infrastrukturprojekte zu finanzieren.

Im April 2026 erhielt Werder von der Deutschen Fußball Liga die Lizenz für die Saison 2026/27 ohne Auflagen und Bedingungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Die begrenzten Mittel auf dem Transfermarkt bedeuten damit nicht, dass die DFL Werder eine wirtschaftliche Schieflage attestiert hätte.

Viele neue Spieler kamen ablösefrei oder auf Leihbasis

Die Kaderplanung spiegelt die wirtschaftlichen Grenzen wider. Werder setzte im Sommer auf eine Mischung aus jungen Spielern, ablösefreien Verpflichtungen und Leihen.

Zu den festen Neuzugängen gehört der inzwischen 20 Jahre alte Mittelstürmer Kenny Quetant von Le Havre AC. Er kam ablösefrei. Der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler Chuki wechselte von Real Valladolid nach Bremen. Cedric Itten, 29 Jahre alt und Mittelstürmer, kam ebenfalls ablösefrei von Fortuna Düsseldorf. Der 20-jährige Mittelfeldspieler Dariusz Stalmach wurde vom 1. FC Magdeburg verpflichtet.

Hinzu kamen der 26-jährige Mittelfeldspieler Ludovit Reis vom Club Brügge sowie Österreichs Torhüter Alexander Schlager von RB Salzburg. Bei Schlager vereinbarten die beteiligten Vereine ausdrücklich Stillschweigen über die finanziellen Bedingungen. Karl Hein wurde nach seiner vorherigen Leihe fest vom FC Arsenal verpflichtet.

Bei mehreren Spielern vermied Werder dagegen einen dauerhaften Kauf. Der 24-jährige Außenverteidiger Moussa Ndiaye kam für eine Saison vom RSC Anderlecht. Der 23-jährige Mittelfeldspieler Youri Regeer wurde von Ajax Amsterdam ausgeliehen. Der brasilianische Außenverteidiger Arthur kam von Bayer Leverkusen.

Auch zwei prominente Rückkehrer wurden ausgeliehen. Der 24-jährige Offensivspieler Eren Dinkci kam vom SC Freiburg, der 33-jährige Mittelstürmer Niclas Füllkrug von West Ham United. Beide Leihen laufen zunächst für eine Saison.

Eine vollständige offizielle Gesamtsumme der im Sommer gezahlten Ablösen, Leihgebühren, Handgelder und Beraterhonorare hat Werder nicht veröffentlicht. Deshalb lässt sich aus öffentlich genannten Ablösesummen allein nicht exakt ermitteln, wie hoch die gesamten Kosten der Kaderveränderungen tatsächlich waren.

Auch ablösefreie Spieler verursachen erhebliche Kosten

Filbry weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Spieler ohne Ablösesumme keineswegs kostenlos verpflichtet wird. Zusätzlich zum Gehalt können Handgelder und Beraterhonorare anfallen. Auch Leihgeschäfte können Gebühren, Gehaltsübernahmen oder spätere Kaufoptionen enthalten.

Nach der Rechnung, die Filbry gegenüber der DeichStube erläuterte, steht nach dem Transfersommer ein Überschuss von 16,5 Millionen Euro, der zum Ausgleich des strukturellen Defizits benötigt wird.

Der Verein verbindet diese finanzielle Vorgabe mit einer veränderten sportlichen Strategie. Filbry erklärte, Werder habe in früheren Jahren trotz sportlicher Fortschritte nicht genügend Spielerwerte aufgebaut. Deshalb solle stärker auf junge Profis mit Entwicklungspotenzial gesetzt werden. Der Verkauf Coulibalys zeigt, wie dieses Modell wirtschaftlich funktionieren kann: Der Verteidiger war 2024 aus dem Nachwuchs des Hamburger SV nach Bremen gekommen und brachte zwei Jahre später eine Ablöse im Bereich von 20 Millionen Euro ein.

Werder investiert deutlich weniger als viele Konkurrenten

Im Bundesliga-Vergleich gehört Werder damit zu den Vereinen mit begrenztem Transferbudget. Öffentliche Transferdatenbanken und darauf basierende Auswertungen sehen Bremen im Sommer 2026 bei den Ausgaben deutlich hinter finanzstarken Clubs wie Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, Bayern München, RB Leipzig oder dem VfB Stuttgart. Solche Übersichten beruhen teilweise auf geschätzten oder berichteten Ablösesummen und sind deshalb nicht mit geprüften Geschäftsberichten gleichzusetzen.

Filbry verweist zudem auf strukturelle Unterschiede innerhalb der Liga. Das Weserstadion ist mit seinen Vermarktungsmöglichkeiten begrenzter als größere Arenen anderer Bundesligisten. Zusätzliche Einnahmen über mehr Plätze oder erheblich ausgeweitete Hospitality-Flächen lassen sich am Standort nur eingeschränkt erzielen.

Ein besonders wichtiger Faktor sind deshalb die Einnahmen aus der zentralen Medienvermarktung. Werder erhält nach Filbrys Angaben derzeit knapp 48 Millionen Euro pro Saison. Nach seiner Rechnung hätte eine Platzierung auf Rang zehn oder elf statt Rang 15 in der vergangenen Saison in der relevanten TV-Wertung rund elf Millionen Euro mehr eingebracht.

Für Werder bedeutet das: Transfererlöse erfüllen zwei Aufgaben gleichzeitig. Sie sollen die Mannschaft finanzieren und zugleich eine strukturelle Lücke im laufenden Geschäft schließen. Die rund 40 Millionen Euro aus den Verkäufen von Backhaus, Schmid und Coulibaly waren deshalb nie vollständig für neue Spieler verfügbar.

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