
Der Kochboxenanbieter HelloFresh hat im dritten Quartal 2026 deutlich weniger Bestellungen verzeichnet und erneut Umsatz verloren. Dennoch konnte das Berliner Unternehmen sein bereinigtes operatives Ergebnis verbessern. Ausschlaggebend waren vor allem geringere Marketingausgaben und Maßnahmen zur Kostensenkung. Wie aus den am Donnerstag, 5. November 2026, veröffentlichten Geschäftszahlen hervorgeht, gingen die Bestellungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 17,9 Prozent zurück. Zugleich stieg das währungsbereinigte operative Ergebnis um 26,3 Prozent. Die Jahresprognose bleibt unverändert.
Der Konzernumsatz lag zwischen Juli und September 2026 bei 1,426 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte HelloFresh noch 1,582 Milliarden Euro umgesetzt. Daraus ergibt sich ein Umsatzrückgang von 9,8 Prozent. Ohne Währungseffekte fiel das Minus mit 11,3 Prozent noch deutlicher aus.
Besonders auffällig entwickelte sich die Zahl der Bestellungen. Sie sank von 23,93 Millionen im dritten Quartal 2025 auf 19,63 Millionen im aktuellen Berichtszeitraum. Das entspricht einem Rückgang um 17,9 Prozent. Auch die Zahl der ausgelieferten Mahlzeiten verringerte sich erheblich. Nach 202,6 Millionen im Vorjahresquartal waren es diesmal 165,9 Millionen und damit 18,1 Prozent weniger.
Der durchschnittliche Bestellwert entwickelte sich dagegen positiv. Währungsbereinigt stieg er um 7,5 Prozent auf 70,50 Euro. HelloFresh führte dies unter anderem auf gezielte Preiserhöhungen, zusätzliche Produkte innerhalb bestehender Bestellungen und eine stärkere Nachfrage nach höherpreisigen Rezepten zurück. Die höheren Bestellwerte konnten den Rückgang der Bestellmengen allerdings nur teilweise ausgleichen.
Während die Umsätze schrumpften, verbesserte HelloFresh seine operative Ertragslage. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz bereinigtes EBITDA, erhöhte sich von 40,3 Millionen Euro auf 54,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg um 35,1 Prozent. Auf vergleichbarer Währungsbasis erreichte das Ergebnis 50,9 Millionen Euro und lag damit 26,3 Prozent über dem Vorjahreswert.
Ein wesentlicher Grund waren die deutlich reduzierten Werbeausgaben. HelloFresh senkte seine Marketingkosten gegenüber dem dritten Quartal 2025 um 24,1 Prozent. Gemessen am Umsatz verringerte sich der Anteil dieser Ausgaben um 3,2 Prozentpunkte.
Die Einsparungen wirkten sich unmittelbar auf die Neukundengewinnung aus. Insbesondere während der für das Unternehmen wichtigen Zeit nach den Sommerferien blieb die Zahl neu gewonnener Kunden hinter den Erwartungen zurück. HelloFresh hatte bereits im September auf diese Entwicklung hingewiesen.
Der Konzern konzentriert sich derzeit stärker auf die Wirtschaftlichkeit bestehender Kundenbeziehungen. Gleichzeitig sollen operative Abläufe verbessert werden. Nach Unternehmensangaben entstanden durch die Erweiterung des Rezeptangebots zusätzliche Belastungen beim Einkauf, bei der Zubereitung und bei der Abwicklung von Bestellungen.
In den beiden wichtigsten Geschäftsbereichen entwickelten sich die Umsätze ebenfalls rückläufig. Das klassische Geschäft mit Kochboxen verzeichnete währungsbereinigt einen Umsatzrückgang von 13,1 Prozent. Die Zahl der Bestellungen sank um 19,4 Prozent auf 14,67 Millionen.
Trotzdem verbesserte sich die bereinigte EBITDA-Marge dieses Segments auf währungsbereinigt 10,7 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie bei 9,4 Prozent gelegen. HelloFresh konnte damit die operative Profitabilität der Kochboxen auch bei geringeren Verkaufsmengen erhöhen.
Auch im Geschäft mit fertig zubereiteten Mahlzeiten, das unter anderem über die Marke Factor betrieben wird, gingen die Erlöse zurück. Der währungsbereinigte Umsatz verringerte sich um 11,1 Prozent. Die Zahl der Bestellungen sank von 5,45 Millionen auf 4,62 Millionen.
Beim Ergebnis gelang diesem Geschäftsbereich jedoch eine Verbesserung. Während im Vorjahresquartal noch ein bereinigter operativer Verlust von 21,6 Millionen Euro angefallen war, erreichte die Sparte nun auf währungsbereinigter Basis die Gewinnschwelle. Ohne Währungsbereinigung stand ein leicht positives bereinigtes EBITDA von 200.000 Euro zu Buche.
Das kleinere Segment mit weiteren Produkten, darunter Premium-Fleisch, Meeresfrüchte und Tiernahrung, wuchs dagegen. Sein Umsatz erhöhte sich währungsbereinigt um 36 Prozent.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet HelloFresh weiterhin mit einem deutlichen Umsatzrückgang. Auf währungsbereinigter Basis sollen die Erlöse zwischen 9 und 11 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.
Beim bereinigten EBITDA erwartet der Konzern unverändert einen Wert zwischen 350 Millionen und 370 Millionen Euro, ebenfalls unter Ausschluss von Währungseffekten.
Diese Prognose ist allerdings nicht neu. HelloFresh hatte seine Erwartungen bereits am 24. September 2026 reduziert, nachdem die Neukundengewinnung schwächer als geplant ausgefallen war. Zuvor hatte das Unternehmen beim Umsatz einen Rückgang im unteren Bereich einer Spanne von 3 bis 6 Prozent erwartet. Die ursprüngliche Ergebnisprognose hatte zwischen 375 Millionen und 425 Millionen Euro gelegen.
Mit den jetzt veröffentlichten Quartalszahlen bestätigt HelloFresh somit seine im September korrigierten Erwartungen. Unternehmenschef und Mitgründer Dominik Richter erklärte sinngemäß, dass die Sicherung einer zweistelligen Marge bei Kochboxen und die Rückkehr der Fertiggerichte in die operative Profitabilität weiterhin Vorrang hätten. Eine erneute stärkere Ausrichtung auf Wachstum sei erst sinnvoll, wenn bestehende operative Schwierigkeiten behoben seien.
Das bereinigte EBITDA von 54,4 Millionen Euro lag über den Erwartungen der von HelloFresh erfassten Analysten. Eine Zusammenstellung von sieben Analystenschätzungen hatte im Durchschnitt einen Wert von rund 49 Millionen Euro ergeben.
Damit fiel die operative Ertragsentwicklung günstiger aus als prognostiziert. Gleichzeitig verdeutlichen die rückläufigen Bestellzahlen, dass HelloFresh weiterhin Schwierigkeiten hat, sein Geschäft mit neuen Kunden auszuweiten.
An der Börse stehen damit zwei unterschiedliche Entwicklungen gegenüber: einerseits eine verbesserte Profitabilität, andererseits ein deutlicher Rückgang des Bestellvolumens. Eine abschließende Kursreaktion der im SDAX notierten HelloFresh-Aktie lag am Donnerstagvormittag noch nicht vor.
Für die Bewertung der Geschäftsentwicklung spielt außerdem eine Rolle, dass der Konzern seine Jahresprognose bereits Ende September gesenkt hatte. Die aktuellen Zahlen bestätigen damit in wesentlichen Punkten eine Entwicklung, auf die Anleger zuvor vorbereitet worden waren.
HelloFresh wurde 2011 in Berlin gegründet und ist inzwischen in zahlreichen Ländern aktiv. Zu den wichtigsten Märkten gehören die USA und mehrere europäische Staaten. Neben klassischen Kochboxen verkauft das Unternehmen fertig zubereitete Mahlzeiten und weitere Lebensmittelprodukte.
Die Entwicklung zeigt, wie sich der Konzern nach einer längeren Wachstumsphase zunehmend auf seine Kostenstruktur konzentriert. Die geringere Zahl an Bestellungen reduziert zwar den Umsatz, gleichzeitig können Einsparungen die operative Ertragskraft stabilisieren.
Auch beim Geldzufluss gab es Fortschritte. Der freie Cashflow lag im dritten Quartal bei minus 5,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch minus 80,7 Millionen Euro gewesen. Er blieb damit negativ, verbesserte sich aber deutlich. Als Gründe nannte der Konzern unter anderem die höhere operative Ertragskraft, geringere Investitionen und niedrigere Leasingzahlungen.
Zudem arbeitet HelloFresh an seiner Finanzierung. Im August zahlte das Unternehmen einen Kreditteilbetrag von 72,8 Millionen Euro zurück. Im Oktober wurde eine revolvierende Kreditlinie über 375 Millionen Euro mit einer Laufzeit bis 2030 vereinbart.
Die Zahlen für das dritte Quartal machen damit deutlich, dass HelloFresh seine Profitabilität verbessern konnte, obwohl das Bestellvolumen erheblich zurückging. Für die weitere Entwicklung bleibt maßgeblich, ob der Konzern seine operativen Verbesserungen fortsetzen und gleichzeitig die rückläufige Nachfrage wieder stabilisieren kann.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu