Schaeffler baut 3.460 Stellen ab und plant mehrere Werksschließungen in Deutschland

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs. Bis Ende 2028 sollen europaweit 3.460 Arbeitsplätze wegfallen, davon rund 2.660 in Deutschland. Außerdem will der Konzern vier deutsche Standorte vollständig aufgeben und weitere Werke verkleinern. Die am 3. November 2026 vorgestellten Maßnahmen treffen auf deutliche Kritik der IG Metall. Zusätzlich plant das Unternehmen einen freiwilligen Gehaltsverzicht, an dem sich auch die Führungsspitze beteiligen soll.

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Vier Standorte in Deutschland sollen schließen

Der Stellenabbau bei Schaeffler betrifft insgesamt 16 Standorte in Europa. Nach Angaben des Unternehmens entfallen etwa 50 Prozent der vorgesehenen Kürzungen auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung sowie 20 Prozent auf andere Unternehmensbereiche.

Vollständig geschlossen werden sollen die deutschen Standorte Dortmund, Morbach in Rheinland-Pfalz, Berlin und Schwalbach in Hessen. In Dortmund arbeiten derzeit rund 430 Menschen, in Morbach etwa 160. Beide Werke stellen Komponenten für Verbrennungsmotoren her. Auch die Berliner Aktivitäten mit rund 270 Beschäftigten sollen eingestellt werden.

Eine besondere Regelung ist für Schwalbach vorgesehen. Von den dort rund 385 Beschäftigten soll ein großer Teil an den Standort Frankfurt wechseln. Nach Unternehmensangaben sollen dadurch etwa 190 Arbeitsplätze entfallen. Neben den deutschen Schließungen ist auch die Aufgabe des belgischen Produktionsstandorts Herstal mit rund 15 Beschäftigten vorgesehen.

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Höchstadt und weitere Werke von deutlichen Kürzungen betroffen

Auch an mehreren fortbestehenden Standorten plant Schaeffler erhebliche Einschnitte. Besonders betroffen ist Höchstadt an der Aisch in Bayern. Dort soll der Werkzeugbau vollständig eingestellt werden. Zusätzlich sind Anpassungen in der Produktion und Teilen der Verwaltung vorgesehen.

Nach Angaben der IG Metall sollen in Höchstadt 548 Stellen wegfallen. Am Unternehmenssitz Herzogenaurach nennt die Gewerkschaft 642 betroffene Arbeitsplätze, für Nürnberg weitere 256. Veränderungen sind außerdem in Regensburg, Bühl, Schweinfurt und Erlangen vorgesehen. Die Maßnahmen betreffen unter anderem Entwicklungsabteilungen, Produktionsbereiche und den Sondermaschinenbau.

Die Umsetzung soll überwiegend 2027 und 2028 erfolgen. Schaeffler erklärte, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen möglichst sozialverträgliche Lösungen finden zu wollen. Über konkrete Vereinbarungen für die betroffenen Standorte muss noch verhandelt werden.

Schwache Nachfrage und hohe Kosten belasten Schaeffler

Als Gründe für die neue Restrukturierung nennt Schaeffler die anhaltende Schwäche des europäischen Automobilgeschäfts, den zunehmenden internationalen Wettbewerb und die schleppende Entwicklung bestimmter Fahrzeugmärkte.

Während die Nachfrage nach Komponenten für Verbrennungsmotoren zurückgeht, entwickelt sich das Geschäft mit Elektrofahrzeugen nach Einschätzung des Konzerns langsamer als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig verweist das Management auf vergleichsweise hohe Personalkosten in Deutschland und auf aufwendige interne Organisationsstrukturen.

Der Konzern will durch das Programm ab 2030 jährlich rund 300 Millionen Euro einsparen. Für die Umsetzung rechnet Schaeffler mit einmaligen Aufwendungen von etwa 480 Millionen Euro. Der überwiegende Teil dieser Summe soll bereits 2026 bilanziell berücksichtigt werden.

Freiwilliger Gehaltsverzicht soll weitere Kürzungen begrenzen

Neben den Stellenstreichungen plant das Unternehmen einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Vorgesehen ist ein zeitlich begrenzter freiwilliger Gehaltsverzicht, der sich über verschiedene Hierarchieebenen erstrecken soll.

Vorstandschef Klaus Rosenfeld erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, der Vorstand wolle in den kommenden beiden Jahren auf zehn Prozent seines Gehalts verzichten. Auch Führungskräfte sollen sich beteiligen. Wie hoch mögliche Beiträge weiterer Beschäftigtengruppen ausfallen und welche Regelungen dafür gelten, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Der Konzern erwartet durch den Solidaritätsbeitrag eine zusätzliche Entlastung in den Jahren 2027 und 2028. Nach Darstellung des Managements wären ohne diese Maßnahme umfangreichere Stellenkürzungen erforderlich gewesen. Der Gehaltsverzicht muss allerdings noch mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen abgestimmt werden.

IG Metall fordert Zukunftsperspektiven statt weiterer Kürzungen

Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat lehnen die vorgelegten Pläne in ihrer bisherigen Form ab. Sie kritisieren insbesondere, dass der Konzern erneut umfangreiche Stellenstreichungen ankündigt, obwohl vorherige Restrukturierungsprogramme erst vor kurzer Zeit abgeschlossen beziehungsweise vertraglich geregelt wurden.

Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler, bemängelte, dass konkrete Perspektiven für die deutschen Werke fehlten. Auch Konzernbetriebsratschef Uli Schoepplein forderte verbindliche Aussagen zu künftigen Investitionen, Produkten und Arbeitsplätzen.

Bereits im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von insgesamt 4.700 Stellen angekündigt. Bis Ende September 2026 waren davon nach Unternehmensangaben 3.715 Stellen abgebaut worden. Für die verbleibenden Stellen bestanden bereits Vereinbarungen. Anfang Oktober wurden außerdem rund 1.800 zusätzliche Altersteilzeitverträge geschlossen. Das neue Programm verschärft damit den laufenden Personalumbau des Konzerns.

Auch die Politik reagierte auf die Ankündigung. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Holger Grießhammer, verlangte am 3. November eine sozialverträgliche Umsetzung. Er warnte insbesondere vor den Folgen des Stellenabbaus in Forschung und Entwicklung und forderte stärkere Investitionen in die industrielle Zukunft.

Elektromobilität bleibt trotz Verlusten wichtiger Geschäftszweig

Schaeffler hält an seiner strategischen Neuausrichtung fest. Das Unternehmen will seine Abhängigkeit von der klassischen Automobilproduktion reduzieren und zusätzliche Geschäftsfelder erschließen. Neben elektrischen Antriebssystemen gehören dazu unter anderem industrielle Anwendungen, humanoide Robotik und Technologien für die Verteidigungsindustrie.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Elektromobilität bleibt allerdings schwierig. In den ersten neun Monaten 2026 erzielte die Sparte E-Mobility einen Umsatz von rund 3,87 Milliarden Euro. Das entsprach währungsbereinigt einem Wachstum von 4,6 Prozent. Zugleich verzeichnete der Bereich einen operativen Verlust vor Sondereffekten von 571 Millionen Euro.

Besonders das schwächere Geschäft europäischer Automobilhersteller in China belastete die Entwicklung. Deshalb beschloss Schaeffler zusätzliche Wertminderungen und Rückstellungen von insgesamt rund 240 Millionen Euro.

Auf Konzernebene erreichte das Unternehmen in den ersten neun Monaten einen Umsatz von rund 17,48 Milliarden Euro. Die operative Marge vor Sondereffekten verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 4,2 auf 4,5 Prozent. Die Jahresprognose für 2026 wurde bestätigt.

Zulieferkrise belastet die gesamte deutsche Autoindustrie

Die angekündigten Einschnitte bei Schaeffler stehen im Zusammenhang mit einem umfassenden Beschäftigungsabbau in der deutschen Automobilindustrie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten Ende Juni 2026 rund 691.500 Menschen in der Branche. Das waren 42.300 Beschäftigte beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Besonders deutlich war der Rückgang bei Zulieferern von Fahrzeugteilen und Zubehör. Dort sank die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres um 7,6 Prozent auf 219.500. Die Branche steht unter Druck, ihre Produktionsstrukturen an neue Antriebstechnologien, veränderte Absatzmärkte und den internationalen Wettbewerb anzupassen.

Für Schaeffler bedeutet das neue Sparprogramm einen weiteren tiefgreifenden Umbau. Nach Unternehmensangaben entsprechen allein die jetzt geplanten 2.660 Stellenstreichungen rund neun Prozent der deutschen Stammbelegschaft von Ende September 2026. Zusammen mit bereits vereinbarten älteren Maßnahmen steigt der Anteil der betroffenen Stellen auf rund 18 Prozent. Ob und in welchem Umfang neue Geschäftsfelder die wegfallenden Arbeitsplätze ersetzen können, ist bislang nicht konkret beziffert.

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