Bundesregierung vor neuer Wachstumsprognose: Deutschlands Wirtschaft erholt sich stärker als erwartet

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Bundesregierung will ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft offenbar deutlich nach oben korrigieren. Bei der Vorstellung der Herbstprojektion am Donnerstag, 8. Oktober 2026, dürfte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche höhere Wachstumszahlen für 2026 und 2027 präsentieren. Nach Vorabinformationen der Nachrichtenagentur Reuters fällt die wirtschaftliche Erholung kräftiger aus als noch im Frühjahr angenommen. Allerdings zeigen aktuelle Daten, dass hohe Energiepreise, eine anhaltend schwache Beschäftigungsentwicklung und strukturelle Probleme die Konjunktur weiterhin belasten.

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Bundesregierung könnte Wachstum für 2026 auf 1,3 Prozent anheben

Die neue Herbstprojektion 2026 soll nach Informationen von Reuters für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent vorsehen. Noch im April hatte die Bundesregierung lediglich mit einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent gerechnet. Damit würde die Prognose um 0,8 Prozentpunkte steigen.

Auch für 2027 zeichnet sich eine Verbesserung ab. Statt der bislang angenommenen 0,9 Prozent soll die Wirtschaft um 1,1 Prozent wachsen. Für 2028 wird in den Vorabinformationen ein Plus von 0,6 Prozent genannt.

Offiziell bestätigt sind diese neuen Wachstumszahlen zunächst nicht. Die Vorstellung durch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ist für Donnerstag um 12.15 Uhr in der Bundespressekonferenz angesetzt.

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Deutsche Wirtschaft entwickelte sich besser als erwartet

Ein wesentlicher Grund für die günstigeren Wachstumsaussichten liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung des ersten Halbjahres. Deutschland konnte seine Wirtschaftsleistung trotz hoher Energiepreise und internationaler Handelskonflikte steigern.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal folgte ein weiterer Anstieg um 0,3 Prozent. Dabei entwickelte sich insbesondere das Exportgeschäft besser als zunächst angenommen.

Diese Ergebnisse sprechen für eine stabilere wirtschaftliche Ausgangslage, als sie bei der Frühjahrsprojektion im April zugrunde gelegt wurde. Allerdings bedeuten zwei Quartale mit steigender Wirtschaftsleistung noch keine dauerhaft gesicherte Erholung. Entscheidend bleibt, ob Unternehmen wieder stärker investieren und die Nachfrage in den kommenden Monaten zunimmt.

Investitionen des Staates stützen den Aufschwung

Eine wichtige Rolle spielen die zusätzlichen staatlichen Ausgaben für Infrastruktur, Verteidigung und weitere Investitionsvorhaben. Die Bundesregierung setzt darauf, mit höheren Investitionen zusätzliche wirtschaftliche Aktivität auszulösen.

Nach den Reuters vorliegenden Regierungsinformationen könnten die bislang eingeleiteten finanzpolitischen Maßnahmen das Bruttoinlandsprodukt bis Ende 2027 um rund ein Prozent erhöhen. Damit wäre ein wesentlicher Teil der erwarteten Erholung auf staatliche Impulse zurückzuführen.

Zugleich entwickelt sich die private Nachfrage weiterhin verhalten. Unternehmen halten sich angesichts hoher Kosten und wirtschaftlicher Unsicherheit bei neuen Investitionen teilweise zurück. Auch der private Konsum gewinnt bislang nur langsam an Dynamik. Ein dauerhaft stärkeres Wachstum hängt deshalb davon ab, ob sich die staatlich angestoßene Erholung zunehmend auf weitere Wirtschaftsbereiche ausweitet.

Industrieproduktion steigt, Auftragseingänge bleiben schwankungsanfällig

Die jüngsten Industriezahlen liefern ein gemischtes Bild. Am Mittwoch meldete das Statistische Bundesamt für August einen Anstieg der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 2,0 Prozent gegenüber Juli. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die kalenderbereinigte Produktion um 2,3 Prozent höher.

Gleichzeitig gingen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im August gegenüber dem Vormonat um 10,6 Prozent zurück. Der starke Rückgang hing wesentlich mit ausgebliebenen Großaufträgen zusammen. Ohne diese Sonderfaktoren verringerte sich der Auftragseingang lediglich um 0,1 Prozent.

Die Unterschiede verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Entwicklung zwischen einzelnen Branchen und Monaten erheblich schwanken kann. Besonders energieintensive Unternehmen bleiben durch hohe Produktionskosten belastet. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich durch internationale Konkurrenz und handelspolitische Unsicherheiten.

Inflation bleibt trotz besserer Wachstumsaussichten ein Problem

Die günstigere Konjunkturprognose fällt in eine Phase erneut steigender Verbraucherpreise. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte die Inflationsrate im September 2026 einen Wert von 3,3 Prozent. Im August hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen.

Besonders deutlich verteuerte sich Energie. Gegenüber September 2025 stiegen die entsprechenden Verbraucherpreise um 14,9 Prozent. Die Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit den anhaltenden Spannungen und militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die höhere Inflation eine zusätzliche Belastung ihrer Kaufkraft. Steigende Ausgaben für Kraftstoffe und Haushaltsenergie können finanzielle Spielräume für andere Anschaffungen verringern. Gleichzeitig erhöhen sich für viele Unternehmen die Kosten. Damit bleibt die Preisentwicklung ein wichtiger Risikofaktor für die weitere wirtschaftliche Erholung.

Auf dem Arbeitsmarkt kommt die Erholung bislang kaum an

Während die Wirtschaftsleistung wieder wächst, bleibt die Beschäftigungslage angespannt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im September 2026 bundesweit 2,994 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,4 Prozent.

Zwar ging die Arbeitslosenzahl gegenüber August um 67.000 zurück. Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse stieg sie allerdings um 12.000 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr waren 40.000 Menschen mehr arbeitslos.

Zudem ging die Erwerbstätigkeit im August saisonbereinigt zurück. Damit zeigt sich bislang keine durchgreifende Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt. Selbst bei einer steigenden Wirtschaftsleistung kann es dauern, bis Unternehmen wieder mehr Personal einstellen. Das gilt insbesondere, wenn Betriebe zunächst ihre bestehenden Kapazitäten besser auslasten.

Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten nur begrenzten Aufschwung

Die angekündigte Korrektur der Regierungsprognose würde weitgehend mit der Ende September veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose führender Wirtschaftsforschungsinstitute übereinstimmen. Diese rechnen für 2026 ebenfalls mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent und für 2027 mit 1,1 Prozent.

Für 2028 erwarten die Institute allerdings nur noch einen Anstieg um 0,4 Prozent. Sie verweisen insbesondere auf langfristige Probleme des deutschen Wirtschaftsstandorts. Dazu gehören eine rückläufige Erwerbsbevölkerung, schwache Produktivitätszuwächse und eine teilweise unzureichende Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die öffentlichen Haushalte stehen unter Druck. Die Forschungsinstitute erwarten, dass das staatliche Finanzierungsdefizit von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigt. Höhere staatliche Investitionen können zwar die Konjunktur stützen, erhöhen bei entsprechender Kreditfinanzierung aber auch die Belastung der Haushalte.

Herbstprojektion hat Bedeutung für Steuern und Staatshaushalte

Die neue Konjunkturprognose der Bundesregierung ist nicht nur eine wirtschaftliche Bestandsaufnahme. Sie liefert auch wichtige Grundlagen für die staatliche Finanzplanung.

Die Herbstprojektion fließt in die anstehenden Steuerschätzungen ein. Dabei wird unter anderem berechnet, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung auf die Einnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden auswirken könnte. Eine höhere Wachstumsprognose kann günstigere Einnahmeerwartungen unterstützen. Entscheidend sind allerdings auch die Entwicklung von Einkommen, Unternehmensgewinnen, Preisen und Beschäftigung.

Für die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz bietet die erwartete Verbesserung der Konjunktur zunächst eine günstigere wirtschaftliche Ausgangslage. Die langfristigen Herausforderungen bleiben dennoch bestehen.

Ob aus dem gegenwärtigen Aufschwung eine tragfähige Wachstumsphase wird, hängt nicht allein von staatlichen Investitionen ab. Auch die Entwicklung der Energiepreise, die internationale Nachfrage und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen werden darüber entscheiden, wie sich Deutschlands Wirtschaft in den kommenden Jahren entwickelt.

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