Dieses Windrad überragt den Eiffelturm: Weltrekord in Deutschland

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In Brandenburg steht die derzeit höchste Windenergieanlage der Welt. Der GICON-Höhenwindturm in Schipkau in der Lausitz hat Ende September seine endgültige Gesamthöhe von 365 Metern erreicht. Die Nabe der Anlage befindet sich in 300 Metern Höhe. Damit überragt das Windrad den einschließlich Antenne rund 330 Meter hohen Eiffelturm und bleibt nur wenige Meter unter dem 368 Meter hohen Berliner Fernsehturm.

Der entscheidende technische Schritt wurde am 28. September abgeschlossen. Dabei wurde der Innenturm mit der bereits montierten Windkrafttechnik über ein spezielles Hubsystem in seine endgültige Position gebracht. Die Anlage ist damit baulich auf Rekordhöhe angekommen. Strom produziert sie im regulären Betrieb allerdings noch nicht. Die offizielle Inbetriebnahme ist für November 2026 vorgesehen.

Höchstes Windrad der Welt steht in Schipkau

Der Standort liegt bei Schipkau im südbrandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz, einer Region, die über Jahrzehnte vom Braunkohleabbau geprägt war. Entwickelt und errichtet wird der Höhenwindturm von der Dresdner GICON-Gruppe. Auftraggeber des Pilotprojekts ist die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND beziehungsweise deren Tochtergesellschaft beventum, die sich mit der technischen Entwicklung von Höhenwindenergieanlagen beschäftigt.

Mit 300 Metern Nabenhöhe erreicht die Anlage eine Dimension, die weit über die üblichen Höhen heutiger Windkraftwerke hinausgeht. Auch der Bundesverband WindEnergie bewertet das Projekt als derzeit höchste Windenergieanlage der Welt. Die Gesamthöhe von 365 Metern wird erreicht, wenn ein Rotorblatt senkrecht nach oben zeigt.

Als eigenständiger späterer Betreiber wird in den aktuellen Projektangaben keine weitere Gesellschaft benannt. GICON verantwortet Entwicklung und Realisierung, während das Innovationsprojekt von SPRIND getragen wird. Die beventum GmbH ist eine hundertprozentige SPRIND-Tochter und war Auftraggeberin bei der Entwicklung des Höhenwindkonzepts.

Inbetriebnahme des Rekord-Windrads folgt erst im November

Der Höhenrekord darf nicht mit einer bereits abgeschlossenen kommerziellen Inbetriebnahme verwechselt werden. Nach dem Erreichen der 365 Meter stehen noch Abschlussarbeiten an. GICON nennt November als Zeitpunkt für die offizielle Inbetriebnahme. Damit beginnt zugleich die entscheidende nächste Phase des Projekts.

Die Pilotanlage besitzt nach Angaben des Unternehmens eine Nennleistung von 3,8 Megawatt. Entscheidend für das Konzept ist jedoch weniger eine außergewöhnlich hohe Generatorleistung als die Position des Rotors. In 300 Metern Höhe soll der Wind stärker und vor allem gleichmäßiger sein als in den Luftschichten, die konventionelle Windenergieanlagen erreichen. GICON erwartet deshalb bei vergleichbarem Rotordurchmesser einen deutlich höheren Jahresenergieertrag.

Ob sich diese Erwartungen im längerfristigen Praxisbetrieb vollständig bestätigen, werden erst die Betriebsdaten zeigen. Das Projekt ist ausdrücklich als Pilotanlage ausgelegt. Für spätere Höhenwindanlagen sind nach Angaben von GICON Leistungen von mehr als sieben Megawatt vorgesehen.

Ungewöhnlicher Turm ermöglicht 300 Meter Nabenhöhe

Eine der größten technischen Herausforderungen bei derartigen Anlagen ist nicht allein die Höhe. Auch der Transport und die Montage großer Bauteile werden mit zunehmender Nabenhöhe schwieriger. Das Konzept in Schipkau setzt deshalb auf eine Kombination aus äußerem Stahlgitterturm und beweglichem Innenturm.

Turbine und Rotorblätter konnten zunächst in geringerer Höhe montiert werden. Anschließend wurde der Innenturm über ein Litzenhubsystem nach oben bewegt und dort fixiert. Dadurch muss die komplette Windkrafttechnik nicht mit einem Kran bis auf 300 Meter Nabenhöhe gehoben werden.

Diese Konstruktion gehört zum eigentlichen Kern des Projekts. Sie soll sehr hohe Windenergieanlagen technisch und langfristig auch wirtschaftlich realisierbar machen. Der Höhenwindturm in Schipkau besteht deshalb nicht einfach aus einer vergrößerten Version eines üblichen Stahlrohrturms.

Stärkere Höhenwinde sollen Ertrag deutlich steigern

Für die Windenergietechnik ist die Höhe interessant, weil sich die Windverhältnisse mit zunehmendem Abstand vom Boden verändern. Gebäude, Bäume und Geländeformen bremsen bodennahe Luftströmungen. In größeren Höhen kann der Wind stärker und gleichmäßiger auftreten.

SPRIND hatte die Bedingungen am Standort deshalb bereits vor dem Bau der Windenergieanlage untersuchen lassen. Ein 300 Meter hoher Windmessmast auf der Hochkippe Klettwitz sammelte über längere Zeit Daten. Nach Angaben von SPRIND bestätigten die Messungen die Annahme stärkerer Windverhältnisse in dieser Höhe.

GICON spricht für sein Höhenkonzept von einem möglichen Energieertrag, der bei gleichem Rotordurchmesser etwa doppelt so hoch sein könne wie bei einer konventionellen Anlage. Dabei handelt es sich um eine projektbezogene Ertragsprognose. Wie hoch der tatsächliche Mehrertrag unter realen Betriebsbedingungen ausfällt, muss die Anlage in Schipkau nun zeigen.

Zweite Etage für bestehende Windparks als langfristiges Ziel

Das Projekt könnte für die Windenergie vor allem dann Bedeutung bekommen, wenn sich sehr hohe Anlagen auch außerhalb einzelner Pilotstandorte wirtschaftlich betreiben lassen. GICON und SPRIND verfolgen dabei die Idee einer sogenannten zweiten Etage für Windparks.

Sehr hohe Anlagen könnten demnach zwischen oder neben bestehenden Windrädern errichtet werden und eine andere Luftschicht nutzen. Dadurch ließe sich auf bereits für Windenergie genutzten Flächen zusätzlich Strom erzeugen. SPRIND und GICON sehen in Deutschland theoretisches Potenzial für bis zu 4.000 solcher Höhenwindtürme in bestehenden Windparks. Diese Zahl ist eine Potenzialabschätzung und kein beschlossenes Ausbauziel.

Zum Vergleich zeigt ein weiteres aktuelles Rekordprojekt, wie außergewöhnlich die Anlage in Schipkau ist. Max Bögl und Vestas haben im September bei Sengenthal in Bayern eine serienmäßig produzierte Windenergieanlage mit 199 Metern Nabenhöhe und 285 Metern Gesamthöhe fertiggestellt. Diese Anlage gilt als Rekordhalter unter serienmäßig errichteten Onshore-Windkraftanlagen. Der 365 Meter hohe Höhenwindturm in Schipkau ist dagegen ein Pilotprojekt.

Weltrekord ist erst der Beginn des Praxistests

Damit markiert das höchste Windrad der Welt zunächst einen technischen Rekord und noch keinen Nachweis für eine neue Standardbauweise. Entscheidend werden nach der geplanten Inbetriebnahme Daten zu Stromertrag, Verfügbarkeit, Wartungsaufwand und Wirtschaftlichkeit sein.

Deutschland verfügte Ende Juni 2026 über knapp 70 Gigawatt installierte Windenergieleistung an Land. Im ersten Halbjahr kamen Anlagen mit zusammen 2.363 Megawatt hinzu. Sollte sich das Höhenkonzept bewähren, könnte es eine zusätzliche Möglichkeit eröffnen, den Stromertrag an geeigneten Standorten zu erhöhen, ohne dafür vollständig neue Windparkflächen erschließen zu müssen.

Der unmittelbar bevorstehende Schritt ist jedoch deutlich konkreter: Nach dem Höhenrekord von 365 Metern soll der GICON-Höhenwindturm im November erstmals regulär in Betrieb gehen. Erst dann beginnt der Test, ob der technische Rekord auch beim Energieertrag einen praktischen Vorteil bringt.

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