HSBC will Beraterteam in Großbritannien deutlich verkleinern

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Symbolbild: Evan Wise

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Die Großbank HSBC steht vor einem tiefgreifenden Umbau ihres britischen Vermögensverwaltungsgeschäfts. Nach Informationen der Financial Times könnten dort bis zu 70 Prozent der Stellen für Finanzberater wegfallen. Auch Management und Spezialisten sollen von deutlichen Kürzungen betroffen sein. Gleichzeitig setzt die Bank verstärkt auf künstliche Intelligenz und digitale Angebote. HSBC selbst bestätigte die genannten Abbauquoten zunächst nicht, erklärte gegenüber Reuters aber, das britische Wealth Management stärker mit digitalen Produkten und Prozessen weiterentwickeln zu wollen.

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Bis zu 70 Prozent der Finanzberaterstellen betroffen

Nach dem Bericht der Financial Times plant HSBC, die Zahl der Finanzberater in seinem britischen Wealth-Geschäft um bis zu rund 70 Prozent zu reduzieren. Bei Managementpositionen und spezialisierten Funktionen könnte demnach etwa die Hälfte der Stellen entfallen. Die Zeitung beruft sich auf Personen, die mit den Planungen vertraut seien. Eine genaue Zahl der betroffenen Beschäftigten wurde nicht genannt. HSBC veröffentlicht auch keine detaillierte Gesamtzahl der Mitarbeiter seines britischen Wealth-Geschäfts. Nach Angaben der Financial Times beschäftigt der Bereich jedoch Hunderte Relationship Manager im Vereinigten Königreich.

Der HSBC Stellenabbau im Wealth Management befindet sich dem Bericht zufolge noch in einem Konsultationsverfahren. Betroffene Beschäftigte könnten nach den derzeitigen Planungen bereits bis Ende Oktober ausscheiden. Damit handelt es sich bislang nicht um eine von HSBC veröffentlichte endgültige Stellenzahl. Das Unternehmen bestätigte gegenüber Reuters vielmehr allgemein, dass es seine Angebote weiterentwickle und stärker digital unterstützte Produkte und Kundenprozesse schaffen wolle.

Künstliche Intelligenz wird wichtiger für HSBC

Dass HSBC den Einsatz künstlicher Intelligenz massiv ausbauen will, ist dagegen seit Monaten offiziell bekannt. Konzernchef Georges Elhedery erklärte bei einer Investorenveranstaltung im Mai, generative KI werde bestehende Tätigkeiten verändern, einzelne Arbeitsplätze überflüssig machen und zugleich neue Aufgaben schaffen. HSBC beschäftigte zu diesem Zeitpunkt nach seinen Angaben rund 200.000 Menschen. Ziel sei es, Prozesse zu vereinfachen und Mitarbeiter mit KI-Werkzeugen produktiver zu machen.

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Im Juni vereinbarte HSBC zudem eine mehrjährige Partnerschaft mit Google Cloud. Vorgesehen sind mehr als 200 neue KI-Anwendungen innerhalb von zwei Jahren. Einer der ersten Schwerpunkte ist ausdrücklich das Wealth Management. KI soll dort unter anderem Informationen auswerten, personalisierte Hinweise ermöglichen und Relationship Manager bei der Betreuung ihrer Kunden unterstützen. Auch administrative Aufgaben und die Vorbereitung von Kundengesprächen sollen zunehmend automatisiert werden.

HSBC betont bei seiner offiziellen KI-Strategie zugleich, dass menschliches Urteilsvermögen und die Verantwortung für Entscheidungen erhalten bleiben sollen. Wie genau dieses Konzept nach einer möglichen starken Verringerung der Zahl der britischen Finanzberater umgesetzt werden soll, wurde bislang nicht näher erläutert.

Kurswechsel nach früherem Ausbau der Beratung

Die aktuellen Pläne fallen auch deshalb auf, weil HSBC sein britisches Vermögensverwaltungsgeschäft in den vergangenen Jahren deutlich ausbauen wollte. Im August 2024 erklärte der damalige Leiter des britischen Wealth- und Privatkundengeschäfts gegenüber Reuters, die Bank wolle das verwaltete Vermögen des Bereichs innerhalb von fünf Jahren auf 100 Milliarden Pfund verdoppeln. Damals gehörte ausdrücklich auch die Einstellung zusätzlicher Berater zur Wachstumsstrategie.

Das Wealth-Geschäft ist seither tatsächlich gewachsen. Im Geschäftsbericht für 2025 weist HSBC UK für Retail Banking und Private Banking Vermögensbestände von mehr als 62,1 Milliarden Pfund aus. Ein Jahr zuvor waren es 53,1 Milliarden Pfund gewesen. Die Bank hatte außerdem neue Wealth Centres eröffnet, ihre mobilen Investmentangebote erweitert und eine eigene Weiterbildungsplattform für Mitarbeiter im Vermögensmanagement aufgebaut.

Ob das Ziel von 100 Milliarden Pfund angesichts der geplanten personellen Veränderungen unverändert fortgeführt wird, war zunächst nicht bekannt. Eine Aufgabe dieses Wachstumsziels hat HSBC bislang nicht öffentlich angekündigt.

HSBC setzt auf ein stärker digitales Beratungsmodell

Der Umbau fügt sich in eine umfassendere Strategie des seit 2024 amtierenden Konzernchefs Elhedery ein. HSBC vereinfachte seine globale Struktur und organisiert den Konzern seit Anfang 2025 in vier großen Geschäftsbereichen. Dazu zählen das Geschäft in Großbritannien, Hongkong, das Firmen- und Investmentbanking sowie das internationale Wealth- und Premier-Banking. Ein Schwerpunkt liegt auf geringerer Komplexität, schnelleren Entscheidungen und stärkerer Digitalisierung.

Dabei zeichnet sich im Vermögensmanagement zunehmend ein Modell ab, bei dem Software einen größeren Teil von Analyse, Vorbereitung und standardisierten Kundenprozessen übernimmt. HSBC bezeichnet seine eigene Wealth Intelligence Plattform als Werkzeug, das Informationen aus mehr als 10.000 Datenquellen zusammenführt und Relationship Manager bei der individuellen Beratung unterstützen soll.

Gleichzeitig zeigen von HSBC selbst veröffentlichte Umfragedaten Grenzen einer vollständig digitalen Beratung. In einer Befragung von rund 10.000 wohlhabenden Anlegern in zehn Märkten gaben 62 Prozent Finanzprofis und Finanzinstitute als wichtigste Quelle für Anlageideen an. Die Hälfte der Befragten bevorzugte für künftige Entscheidungen eine Kombination aus künstlicher Intelligenz und menschlicher Beratung.

Stellenabbau könnte Signalwirkung für Bankenbranche haben

Die geplante Neuaufstellung in Großbritannien gehört damit zu den bislang deutlichsten Beispielen dafür, wie der zunehmende KI-Einsatz die Personalstrukturen großer Banken verändern kann. HSBC hatte bisher vor allem hervorgehoben, dass künstliche Intelligenz Berater unterstützen und zeitaufwendige Tätigkeiten automatisieren solle. Die nun berichtete Größenordnung bei den Stellenkürzungen würde darüber hinaus eine deutliche Verkleinerung bestimmter Beratungsteams bedeuten.

Offiziell bestätigt ist derzeit die strategische Ausrichtung auf mehr Digitalisierung und KI. Die konkrete Kürzung von bis zu 70 Prozent der Finanzberaterstellen beruht weiterhin auf den Angaben der Financial Times. Auch die endgültige Zahl der wegfallenden Stellen steht noch nicht fest, solange das Konsultationsverfahren läuft.

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