HSBC gibt milliardenschwere Wertpapierdienste in Deutschland ab

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die britische Großbank HSBC ordnet ihr Deutschlandgeschäft grundlegend neu und gibt wesentliche Teile ihrer Wertpapierdienstleistungen ab. Im Mittelpunkt stehen das Geschäft mit Verwahrung, Verwahrstellenfunktionen und Clearing sowie die Fondsadministration. Damit trennt sich HSBC von zwei bedeutenden Bereichen, die bislang vor allem institutionelle Anleger, Fondsgesellschaften, Versicherer und andere professionelle Marktteilnehmer bedienten.

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Der Rückzug erfolgt allerdings nicht durch eine einfache Schließung. Das Custody- und Verwahrstellengeschäft wird an BNP Paribas übertragen. Für die Fondsadministration rund um die Internationale Kapitalanlagegesellschaft mbH, kurz INKA, hat HSBC einen Verkauf an einen von BlackFin Capital Partners verwalteten Fonds vereinbart. Das klassische internationale Firmen- und institutionelle Bankgeschäft von HSBC in Deutschland bleibt dagegen bestehen.

HSBC überträgt Custody-Geschäft an BNP Paribas

Die Vereinbarung über den Verkauf des deutschen Custody- und Verwahrstellengeschäfts an BNP Paribas wurde bereits im Juni 2025 geschlossen. Inzwischen befindet sich die Transaktion in der Umsetzung. HSBC Continental Europe erklärte in seinen Halbjahreszahlen Anfang August 2026, die schrittweise Übertragung habe im ersten Halbjahr 2026 begonnen.

Zu dem Geschäft gehören die lokale Wertpapierverwahrung, Clearing-Dienstleistungen und die Tätigkeit als Verwahrstelle für deutsche institutionelle Kunden. HSBC hatte angekündigt, sämtliche Kunden und Vermögenswerte dieses Geschäfts zusammen mit den dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an BNP Paribas zu übertragen. Eine offizielle Zahl der betroffenen Beschäftigten wurde dabei nicht veröffentlicht.

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Die Größenordnung ist erheblich. BNP Paribas nannte im Zusammenhang mit der Übernahme für das betreffende Geschäft ein verwahrtes Vermögen von mehr als 1,6 Billionen Euro und rund 700 Milliarden Euro an Vermögenswerten im Verwahrstellengeschäft mit Stand Ende März 2025. Die französische Bank will mit der Akquisition insbesondere ihre Position bei institutionellen Fonds, Finanzintermediären und Versicherungsunternehmen in Deutschland ausbauen.

Milliardenpositionen werden schrittweise übertragen

Die Migration war bis zur Jahresmitte 2026 noch nicht vollständig abgeschlossen. Zum 30. Juni führte HSBC Continental Europe im Zusammenhang mit dem zum Verkauf stehenden deutschen Custody-Geschäft noch Vermögenswerte von 600 Millionen Euro sowie Verbindlichkeiten von 6,7 Milliarden Euro in seiner Bilanz. HSBC erwartet aus der Veräußerung nach vollständiger Übertragung der Kunden einen Vorsteuergewinn von rund 100 Millionen Euro.

Die Zahlen zeigen zugleich, dass es sich nicht um einen abrupten Ausstieg handelt. Kundenbestände, technische Prozesse und Beschäftigte werden schrittweise auf den neuen Anbieter übertragen. Auch einzelne Fondsgesellschaften haben entsprechende Verwahrstellenwechsel bereits umgesetzt. LBBW Asset Management teilte beispielsweise mit, dass BNP Paribas bei mehreren Fonds Anfang September 2026 die Verwahrstellenfunktion von HSBC übernommen hat. Weitere Fonds sollen im Oktober folgen.

Auch die Fondsadministration INKA wird verkauft

Parallel zieht sich HSBC aus der deutschen Fondsadministration zurück. Im Juli 2025 vereinbarte die Bank den Verkauf ihrer Düsseldorfer Tochter INKA an einen Fonds des Finanzinvestors BlackFin Capital Partners.

INKA gehört zu den großen deutschen Kapitalverwaltungsgesellschaften für institutionelle Anleger. Das von der Gesellschaft administrierte Vermögen lag Ende 2024 bei rund 430 Milliarden Euro. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen nach dem Eigentümerwechsel bei INKA beschäftigt bleiben. Eine genaue Beschäftigtenzahl veröffentlichte HSBC im Zusammenhang mit dem Verkauf nicht.

Beim INKA-Verkauf ist die Umsetzung ebenfalls weit fortgeschritten. Nach Angaben von HSBC Continental Europe lag die regulatorische Genehmigung zum 30. Juni 2026 bereits vor. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Hälfte des Jahres 2026 vorgesehen. Einen konkreten Vollzugstermin hatte HSBC Anfang September noch nicht bekanntgegeben.

Institutionelle Kunden sind besonders betroffen

Die Veränderungen richten sich deshalb weniger an klassische Privatkunden als an professionelle Marktteilnehmer. Zum Custody-Geschäft gehören Dienstleistungen für institutionelle Investoren, darunter die Verwahrung und Abwicklung von Wertpapieren sowie regulatorisch vorgeschriebene Verwahrstellenaufgaben für Investmentfonds.

Bei INKA stehen ebenfalls institutionelle Anleger im Mittelpunkt. Die Gesellschaft übernimmt unter anderem die Administration und Strukturierung umfangreicher Investmentvermögen. Der Eigentümerwechsel betrifft damit einen Teil der Infrastruktur hinter großen Fondsportfolios und nicht in erster Linie das gewöhnliche Wertpapierdepot eines privaten Bankkunden.

HSBC hatte bereits sein deutsches Private Banking an BNP Paribas abgegeben. Der Verkauf wurde im Oktober 2025 abgeschlossen. Bei der ursprünglich angekündigten Transaktion war von rund 120 Beschäftigten die Rede, die zusammen mit Kunden und Vermögenswerten zu BNP Paribas wechseln sollten.

Deutschland bleibt für HSBC als Firmenkundenmarkt wichtig

Der Rückzug aus den Wertpapierdienstleistungen in Deutschland bedeutet daher keinen vollständigen Abschied von Deutschlands größtem Bankenmarkt. HSBC konzentriert sein verbleibendes Geschäft stärker auf große Unternehmen, institutionelle Kunden und grenzüberschreitende Finanzierungen.

Die deutsche HSBC-Einheit weist auf ihrer Website derzeit rund 2.300 Beschäftigte an sechs Standorten aus. Diese Zahl umfasst allerdings auch Geschäftsbereiche, die von den laufenden Verkäufen betroffen sind oder organisatorisch mit ihnen verbunden sein können. Aus ihr lässt sich deshalb nicht ableiten, wie viele Arbeitsplätze nach Abschluss sämtlicher Transaktionen dauerhaft bei HSBC Deutschland verbleiben werden.

Konzern konzentriert Securities Services auf größere Zentren

Die Verkäufe sind Teil einer größeren Strategie des HSBC-Konzerns. Die Bank hatte bereits im Oktober 2024 eine Vereinfachung ihrer Organisation angekündigt und konzentriert Kapital und Personal stärker auf Geschäfte und Regionen, in denen sie nach eigener Einschätzung besondere Wettbewerbsvorteile besitzt.

Bei Securities Services liegt der Schwerpunkt künftig stärker auf Asien und dem Nahen Osten. Europäische Custody- und Fondsservices sollen insbesondere über größere Standorte in London, Irland und Luxemburg angeboten werden. Das lokale deutsche Custody-Geschäft passt damit nicht mehr in die neue Struktur.

Die Neuordnung reicht über Deutschland hinaus. Unter Konzernchef Georges Elhedery hat HSBC in den vergangenen Jahren mehrere Geschäftsbereiche verkleinert oder zum Verkauf gestellt. Dazu gehören Teile des Investmentbankings in Europa und den USA sowie weitere Beteiligungen und Versicherungsgeschäfte. HSBC beschäftigt weltweit mehr als 200.000 Menschen und zählt mit einer Bilanzsumme von mehr als drei Billionen US-Dollar weiterhin zu den größten Banken der Welt.

Für Deutschland zeichnet sich damit ein klareres Geschäftsmodell ab: HSBC bleibt vor allem als international ausgerichtete Bank für große Unternehmen und institutionelle Kunden aktiv, während umfangreiche lokale Wertpapierverwahrungs- und Fondsadministrationsplattformen auf andere Anbieter übergehen.

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