Lottomatica schluckt Cirsa und schafft neuen Glücksspielkonzern

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der italienische Glücksspielkonzern Lottomatica übernimmt Cirsa aus Spanien und treibt damit die Konsolidierung der internationalen Glücksspielbranche voran. Die beiden Unternehmen haben sich auf eine grenzüberschreitende Fusion verständigt, die vollständig über einen Aktientausch abgewickelt werden soll. Cirsa wird dabei in Lottomatica eingegliedert und nach Abschluss der Transaktion nicht mehr als eigenständige Gesellschaft bestehen. Lottomatica bleibt als börsennotierter Konzern erhalten.

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Die Vereinbarung wurde am Mittwoch, 2. September 2026, bekannt gegeben. Anders als bei einer klassischen Übernahme fließt der wesentliche Teil des Kaufpreises nicht in bar. Stattdessen erhalten die Aktionäre von Cirsa für jede Cirsa Aktie 0,668 neu ausgegebene Aktien von Lottomatica. Nach derzeitiger Planung werden die bisherigen Lottomatica Aktionäre rund 67,5 Prozent des zusammengeführten Unternehmens halten. Auf die bisherigen Cirsa Anteilseigner entfallen etwa 32,5 Prozent.

Blackstone wird größter Einzelaktionär

Eine zentrale Rolle spielt dabei die US Investmentgesellschaft Blackstone. Sie kontrolliert über ihre Beteiligungsgesellschaft LHMC Midco den größten Anteil an Cirsa und hat den bindenden Fusionsvertrag mitunterzeichnet. Nach Abschluss der Transaktion soll Blackstone rund 24 Prozent an Lottomatica halten und damit größter Einzelaktionär des neuen Konzerns werden.

Cirsa war erst im Juli 2025 an die spanische Börse gegangen. Beim Börsengang lag der Ausgabepreis bei 15 Euro je Aktie und die Bewertung des Unternehmens bei rund 2,52 Milliarden Euro. Blackstone hatte die Mehrheit an dem ursprünglich im katalanischen Terrassa gegründeten Glücksspielunternehmen bereits 2018 übernommen. Cirsa ist inzwischen in zahlreichen Märkten außerhalb Spaniens aktiv, unter anderem in Lateinamerika, Italien, Portugal und Marokko.

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Vor Wirksamwerden der Fusion ist außerdem eine Sonderausschüttung an die Cirsa Aktionäre vorgesehen. Insgesamt sollen 262 Millionen Euro beziehungsweise 1,56 Euro je Cirsa Aktie gezahlt werden. Nach dem Vollzug der Fusion plant die kombinierte Gesellschaft eine weitere Kapitalrückführung von 744 Millionen Euro. Diese kann nach den bisherigen Planungen über ein freiwilliges Aktienrückkaufangebot, eine Sonderdividende oder eine Kombination beider Instrumente erfolgen.

Neuer Konzern kommt auf rund zwei Milliarden Euro EBITDA

Durch den Zusammenschluss entsteht ein deutlich größerer internationaler Glücksspielkonzern. Lottomatica und Cirsa beziffern das bereinigte Pro forma EBITDA auf rund zwei Milliarden Euro. Damit wäre die kombinierte Gruppe nach ihrer eigenen Vergleichsrechnung der zweitgrößte börsennotierte Anbieter für Glücksspiel und Sportwetten weltweit.

Lottomatica ist Marktführer in Italien und erzielt dort sein gesamtes Geschäft. Für 2026 erwartet der Konzern ein bereinigtes EBITDA zwischen 940 und 980 Millionen Euro. Cirsa rechnet für dasselbe Jahr mit einem EBITDA zwischen 800 und 820 Millionen Euro und verfügt über eine wesentlich breitere internationale Präsenz. Rund die Hälfte des Cirsa EBITDA entfällt derzeit auf Spanien, während weitere bedeutende Anteile aus anderen internationalen Märkten stammen.

Nach dem Zusammenschluss sollen rund 57 Prozent des Pro forma EBITDA aus Italien und 23 Prozent aus Spanien stammen. Die übrigen 20 Prozent entfallen nach den aktuellen Berechnungen auf weitere Märkte. Gleichzeitig verteilt sich das Geschäft stärker auf unterschiedliche Bereiche. Etwa 48 Prozent des bereinigten EBITDA sollen aus Online Glücksspiel und Sportwetten kommen, rund 25 Prozent aus Casinos und weitere 27 Prozent aus dem Geschäft mit stationären Glücksspielangeboten.

Unternehmen erwarten Synergien von 115 Millionen Euro

Lottomatica und Cirsa rechnen mit jährlichen Einsparungen und Finanzierungsvorteilen von insgesamt rund 115 Millionen Euro vor Steuern. Davon sollen etwa 101 Millionen Euro aus niedrigeren operativen Kosten entstehen. Weitere rund 14 Millionen Euro werden aus günstigeren Finanzierungskosten erwartet. Die vollständige Wirkung dieser Synergien soll nach den Planungen bis zum Ende des dritten vollständigen Geschäftsjahres nach Abschluss der Fusion erreicht werden.

Zu den vorgesehenen Einsparungsbereichen gehören unter anderem Technologie, Einkauf, zentrale Dienstleistungen, Verwaltung sowie das Management von Sportwettenrisiken. Für die Umsetzung der operativen Einsparungen veranschlagen die Unternehmen Integrationskosten von rund 120 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren. Bei diesen Angaben handelt es sich um Unternehmensprognosen. Ob die genannten Synergien in dieser Höhe tatsächlich erreicht werden, hängt vom Verlauf der Integration ab.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Onlinegeschäft von Cirsa. Lottomatica verfügt bereits über eine vollständig eigene Technologieplattform und einen hohen Anteil digitaler Angebote. Diese Infrastruktur soll künftig stärker im internationalen Geschäft der spanischen Gruppe eingesetzt werden.

Hauptsitz bleibt in Rom

Der fusionierte Konzern wird weiterhin Lottomatica Group heißen. Unternehmenssitz, Hauptverwaltung und steuerlicher Sitz bleiben in Rom. Für das Cirsa Geschäft ist ein zweiter Sitz in der Provinz Barcelona vorgesehen. Guglielmo Angelozzi, derzeit Chairman und Vorstandschef von Lottomatica, soll auch den zusammengeführten Konzern führen.

Der Verwaltungsrat soll zunächst aus den elf bisherigen Mitgliedern von Lottomatica sowie zwei zusätzlichen von Blackstone benannten Mitgliedern bestehen. Laurence Van Lancker soll seine Funktion als stellvertretender Vorstandschef und Finanzchef behalten. Antonio Hostench soll weiterhin das Cirsa Geschäft führen.

Auch die Börsenstruktur verändert sich. Die Lottomatica Aktien sollen weiterhin an der Euronext Mailand gehandelt werden. Nach Abschluss der Fusion ist zusätzlich eine Zulassung sämtlicher Lottomatica Aktien an den spanischen Börsen vorgesehen. Das betrifft auch die neuen Aktien, die im Rahmen des Tauschs an die bisherigen Cirsa Anteilseigner ausgegeben werden.

Abschluss der Fusion für 2027 geplant

Vollzogen ist die Übernahme noch nicht. Im weiteren Verfahren müssen unter anderem die Aktionäre beider Unternehmen zustimmen. Die entsprechenden Hauptversammlungen sind nach dem bislang veröffentlichten Zeitplan für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Cirsa Aktionäre sollen dabei auch über die geplante Sonderdividende entscheiden.

Darüber hinaus sind regulatorische Genehmigungen erforderlich. Die Unternehmen rechnen derzeit damit, die abschließenden Freigaben im ersten Quartal 2027 zu erhalten. Der eigentliche Vollzug der Fusion ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt soll Cirsa rechtlich in Lottomatica aufgehen und die zusätzliche Börsennotierung der Lottomatica Aktien in Spanien beginnen.

Mit der Fusion treffen zwei Unternehmen zusammen, die bislang vor allem unterschiedliche geografische Schwerpunkte haben. Lottomatica bringt seine starke Position im italienischen Markt und ein weit entwickeltes Onlinegeschäft ein, Cirsa seine führende Stellung in Spanien sowie seine Aktivitäten in mehreren internationalen Märkten. Ob die Transaktion wie vorgesehen im zweiten Quartal 2027 abgeschlossen werden kann, hängt nun vor allem von den notwendigen Unternehmensbeschlüssen und regulatorischen Freigaben ab.

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