
Der deutsche Maschinenbau steht weiter unter erheblichem Anpassungsdruck. Beim Spezialmaschinenhersteller Kiefel im bayerischen Freilassing soll rund jeder dritte Arbeitsplatz am Hauptsitz wegfallen. Bereits 2024 hatte das Unternehmen etwa 100 Stellen gestrichen. Nun plant die zur Brückner Group gehörende Firma einen weitreichenden Umbau ihrer Geschäftsbereiche. Die Gewerkschaft IG Metall reagiert mit deutlicher Kritik.
Der Maschinenbauer Kiefel hat am 13. Oktober 2026 angekündigt, seinen Stammsitz in Freilassing grundlegend neu auszurichten. Dabei sollen rund ein Drittel der dortigen Stellen wegfallen. Die Geschäftsführung informierte die Beschäftigten in einer Mitarbeiterversammlung über die Pläne. Nach regionalen Angaben könnten etwa 130 Mitarbeiter betroffen sein. Eine verbindliche absolute Zahl hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
Kiefel begründet die Entscheidung mit einer zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage. Internationale Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheiten und Veränderungen auf den Absatzmärkten belasteten das Geschäft. Die Unternehmensleitung will deshalb Organisationsstruktur, Kosten und Kompetenzen stärker auf die erwartete Geschäftsentwicklung ausrichten. Mit dem Betriebsrat und dem Wirtschaftsausschuss laufen Gespräche über die Umsetzung. Ende Oktober sollen die Beschäftigten weitere Informationen erhalten.
Mit dem Umbau will Kiefel seine Aktivitäten am deutschen Hauptsitz stärker auf technische Entwicklung, Produktstrategien, Spezialmaschinen und Verfahrenstechnik konzentrieren. Zugleich soll die Fertigung künftig näher an Kunden außerhalb Europas angesiedelt werden, insbesondere in Asien. Welche Produktionsbereiche davon betroffen sind und an welchen Standorten zusätzliche Kapazitäten entstehen könnten, hat das Unternehmen bislang nicht konkretisiert.
Kiefel entwickelt Maschinen und Anlagen unter anderem für die Verpackungsindustrie, die Medizintechnik und die Pharmabranche. Das Unternehmen gehört zur Brückner Group mit Sitz im oberbayerischen Siegsdorf. Geschäftsführer Matt Sieverding betont, dass Freilassing auch künftig eine zentrale Rolle spielen soll. Mit der Neuausrichtung wolle Kiefel seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern und den Hauptsitz langfristig erhalten.
Die angekündigten Einschnitte stoßen bei der IG Metall auf deutliche Kritik. Bettina Thurl von der IG Metall Rosenheim erklärte am 16. Oktober, die Gewerkschaft sei vom Umfang der Pläne überrascht worden. Sie fordert eine umfassende Beteiligung des Betriebsrats und die Prüfung von Alternativen zum Personalabbau. Zudem müsse das Unternehmen darlegen, welche Investitionen und Beschäftigungsperspektiven mit dem geplanten Technologiezentrum verbunden seien.
Auch Freilassings Bürgermeister Markus Hiebl bedauert die Entscheidung. Die Stadt sei bereit, den Standort bei seiner weiteren Entwicklung zu unterstützen.
Kiefel erklärte unterdessen, betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden zu wollen. Das Unternehmen strebt einen ähnlichen Ablauf wie bei der vorherigen Restrukturierung an. Einzelheiten seien noch Gegenstand der laufenden Gespräche.
Die jüngste Ankündigung ist nicht die erste größere Umstrukturierung bei Kiefel. Im November 2024 hatte der Maschinenbauer bereits die Streichung von rund 100 Stellen am Standort Freilassing angekündigt. Damals beschäftigte das Unternehmen dort etwa 560 Menschen. Ein Viertel des geplanten Abbaus sollte durch Renteneintritte und das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge erfolgen.
Zugleich hatte Kiefel unter seiner damaligen Strategie „ONE Kiefel“ eine stärkere internationale Zusammenarbeit und Investitionen am deutschen Hauptsitz angekündigt. Auch für 2025 waren Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen. Mit den neuen Plänen wird dieser bereits eingeleitete Wandel nun deutlich ausgeweitet.
Der erneute Stellenabbau bei Kiefel fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Industrie. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA sank der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat preisbereinigt um fünf Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Rückgang der Produktion um real zwei Prozent. Damit würde die Branche im vierten Jahr hintereinander schrumpfen.
Gleichzeitig hat sich die Stimmung zuletzt etwas verbessert. In einer am 14. Oktober vorgestellten VDMA-Umfrage bewerteten 34 Prozent der befragten Maschinenbauunternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut. Mehr als 30 Prozent der Unternehmen rechnen dennoch mit weiterem Stellenabbau. Lediglich 18 Prozent planen zusätzliche Einstellungen. Nach Angaben des Verbands gingen seit 2019 deutschlandweit rund 100.000 Arbeitsplätze im Maschinen- und Anlagenbau verloren.
Für Kiefel steht damit ein weiterer tiefgreifender Umbau bevor. Während der Stammsitz künftig stärker auf Entwicklung und Spezialtechnik ausgerichtet werden soll, sind die konkreten Folgen für einzelne Abteilungen noch offen. Weitere Einzelheiten zum geplanten Stellenabbau will das Unternehmen Ende Oktober bekannt geben.
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