
Wer über Kleinanzeigen mit gewerblichen Verkäufern schreibt, kann dabei mit einer KI-Funktion in Berührung kommen. Der Online-Marktplatz nutzt Konversationsdaten, um automatisierte Antwortvorschläge für gewerbliche Anbieter zu erstellen und die Qualität dieses Dienstes zu verbessern. Die Kleinanzeigen KI Chat Analyse lässt sich für Interessenten abschalten. Dabei ist allerdings entscheidend, zwischen dieser KI-Funktion und der allgemeinen automatisierten Kontrolle von Nachrichten auf der Plattform zu unterscheiden.
Kleinanzeigen beschreibt den sogenannten KI-Antwortassistenten als Werkzeug für gewerbliche Verkäufer. Das System erstellt mit einem Sprachmodell Vorschläge für Antworten auf Anfragen von Interessenten. Diese Antworten werden nicht automatisch verschickt. Der jeweilige Verkäufer muss sie selbst auswählen beziehungsweise bearbeiten und absenden.
Für den KI-Antwortassistenten verarbeitet Kleinanzeigen nach eigenen Angaben auch Konversationsdaten. Damit sollen einerseits die Antwortvorschläge bereitgestellt und andererseits deren Qualität analysiert und verbessert werden. Als Rechtsgrundlage nennt das Unternehmen sein berechtigtes Interesse nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe f der Datenschutz-Grundverordnung.
Kleinanzeigen erklärt zugleich, dass die Konversationsdaten nicht zum Training von KI-Modellen verwendet werden. Auch Kontoinformationen sollen für die Bereitstellung dieser Funktion nicht an Dritte weitergegeben werden. Vor einer Qualitätsanalyse sollen Daten gefiltert werden. Die zu Analysezwecken übermittelten Daten werden nach Angaben des Unternehmens spätestens nach 30 Tagen gelöscht und anschließend nicht weiterverarbeitet.
Das Unternehmen warnt selbst davor, unnötige sensible Informationen in Nachrichten einzutragen. Genannt werden unter anderem Gesundheitsdaten, Bonitätsinformationen, Geschäftsgeheimnisse und Kontaktdaten. Gerade auf einem Marktplatz können in Chats allerdings durchaus Adressen, Telefonnummern oder Angaben zur Bezahlung ausgetauscht werden.
Interessenten müssen die Funktion nicht akzeptieren. Kleinanzeigen ermöglicht einen Widerspruch über die Kontoeinstellungen im Webbrowser. Wer widerspricht, verhindert nach Angaben des Unternehmens sowohl die Einbeziehung seiner Konversationen mit gewerblichen Verkäufern in die Analyse als auch den Einsatz des KI-Antwortassistenten in Gesprächen mit diesem Nutzer.
Für gewerbliche Verkäufer gibt es ebenfalls eine Abschaltmöglichkeit. Sie können den Antwortassistenten über das Business Portal deaktivieren. Anschließend werden ihnen keine KI-basierten Antwortvorschläge mehr angezeigt und die betreffenden Unterhaltungen werden nicht mehr zur Verbesserung dieser automatisierten Vorschläge analysiert.
Damit handelt es sich bei der Abschaltmöglichkeit nicht lediglich um das Ausblenden sichtbarer KI-Vorschläge. Der Widerspruch soll laut Kleinanzeigen auch die dafür vorgesehene Analyse der jeweiligen Konversationen verhindern.
Davon getrennt betreibt Kleinanzeigen schon grundsätzlich eine automatisierte Überprüfung seines Nachrichtensystems. Nach der aktuellen Datenschutzerklärung werden Nachrichten zunächst über die Systeme des Unternehmens übermittelt und nach bestimmten Kriterien automatisch gefiltert. Auffällige Inhalte können anschließend durch den Kundenservice geprüft werden.
Diese Kontrolle dient laut Kleinanzeigen unter anderem dazu, Spam, Phishing, Viren, verdächtige Aktivitäten sowie Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen zu erkennen. Nachrichten können bei entsprechenden Auffälligkeiten blockiert werden. Auch Kontosperrungen sind bei Verstößen grundsätzlich möglich.
Diese Sicherheitsfilterung darf deshalb nicht mit der KI-Analyse für Antwortvorschläge gleichgesetzt werden. Die Aussage, Kleinanzeigen habe nun erstmals eine automatische Analyse sämtlicher privater Nachrichten eingeführt, wäre zu weitgehend. Die Plattform dokumentiert automatische Filtermechanismen unabhängig vom KI-Antwortassistenten.
Der Antwortassistent ist nur ein Teil der KI-Strategie des Unternehmens. Kleinanzeigen bietet inzwischen auch KI-basierte Chatbots an. Dazu gehören ein Assistent für Immobilienanzeigen sowie der Produktassistent Kai. Bei diesen Diensten verarbeiten die Systeme unter anderem die Angaben, die Nutzer unmittelbar in den jeweiligen Chatbot eingeben.
Auch für diese Funktionen erklärt Kleinanzeigen, dass Konversationsdaten nicht zum Training von KI-Modellen verwendet würden. Daten aus Gesprächen mit den Chatbots werden nach Unternehmensangaben gelöscht, wenn sieben Tage lang keine weitere Aktivität in der jeweiligen Unterhaltung erfolgt. Nutzer können ihre Chatbot-Konversationen zudem selbst löschen.
Für Nutzer ist damit vor allem entscheidend, welche Art von Nachricht sie schreiben. Eine Unterhaltung mit einem privaten Verkäufer ist nicht automatisch dasselbe wie eine Konversation, bei der ein gewerblicher Verkäufer den KI-Antwortassistenten einsetzen kann. Zugleich laufen Nachrichten auf Kleinanzeigen generell durch automatische Sicherheitsfilter.
Wer verhindern möchte, dass Gespräche mit gewerblichen Verkäufern für die KI-Antwortfunktion verarbeitet und zu deren Verbesserung analysiert werden, kann der Funktion in den Kontoeinstellungen widersprechen. Dass Kleinanzeigen diese Möglichkeit ausdrücklich vorsieht, ändert nichts daran, dass Nutzer in Nachrichten grundsätzlich sparsam mit persönlichen Daten umgehen sollten. Telefonnummern, Anschriften oder andere sensible Angaben sollten nur übermittelt werden, wenn sie für die jeweilige Transaktion tatsächlich erforderlich sind.
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