
Wer in Deutschland einen kleinen und vergleichsweise günstigen Neuwagen sucht, hat deutlich weniger Auswahl als noch vor einigen Jahren. Vor allem bei Modellen mit Verbrennungsmotor sind die Preise kräftig gestiegen, während zahlreiche frühere Einstiegsfahrzeuge vom Markt verschwunden sind. Eine aktuelle Auswertung des ADAC zeigt, wie stark sich das Kleinwagensegment verändert hat. Gleichzeitig wächst das Angebot kleiner Elektroautos und deren Durchschnittspreise gehen inzwischen wieder zurück.
Die Kleinwagenpreise in Deutschland liegen bei Verbrennern 2026 nach der ADAC-Auswertung im Durchschnitt bei 24.117 Euro. Grundlage sind die offiziellen Listenpreise der jeweils günstigsten Einstiegsversionen von Klein- und Kleinstwagen. Einbezogen werden auch Karosserievarianten wie kleine SUVs. Rabatte, Sonderaktionen oder individuell gewählte Zusatzausstattungen sind nicht berücksichtigt.
Vor zehn Jahren lag der entsprechende Durchschnittswert nach den Daten des Automobilclubs bei 13.557 Euro. Damit ist das Preisniveau bis 2026 um rund 78 Prozent gestiegen. Der langfristige Vergleich umfasst in den früheren Jahren neben Benzinern auch andere Verbrennungsmotoren. 2026 werden in der vom ADAC untersuchten Klasse dagegen keine Dieselmodelle oder sonstigen Verbrennervarianten mehr angeboten.
Neben den Preisen hat sich auch die Auswahl verändert. Der ADAC zählt 2026 nur noch 46 Kleinwagenmodelle mit Verbrennungsmotor. Das ist der niedrigste Wert innerhalb der ausgewerteten Zeitreihe. 2016 waren es noch 71.
Mehrere einst verbreitete Klein- und Kleinstwagen sind in den vergangenen Jahren eingestellt worden. Dazu gehören etwa Ford Fiesta und Ka+, Opel Adam und Karl, Citroën C1, Peugeot 108, Škoda Citigo, Seat Mii und Mitsubishi Space Star.
Der Rückzug betrifft damit gerade einen Teil des Marktes, der lange als Einstieg in den Neuwagenbesitz galt. Ein Blick auf einzelne Modelle verdeutlicht die Preisentwicklung. Nach Angaben aus dem ADAC-Autokatalog lag der Grundpreis eines VW Polo 2020 bei 15.139 Euro, 2026 sind es 20.380 Euro. Beim Peugeot 208 stieg der Vergleichswert von 15.099 auf 24.480 Euro. Die jeweils angebotene Ausstattung und die technischen Eigenschaften haben sich in dieser Zeit allerdings ebenfalls verändert.
Dass günstige Neuwagen insgesamt seltener werden, zeigt eine weitere ADAC-Auswertung vom August 2026. Demnach waren zu diesem Zeitpunkt auf dem deutschen Markt nur noch 16 Neuwagen mit einem offiziellen Listenpreis von weniger als 20.000 Euro erhältlich.
Eine einzelne Ursache erklärt den starken Preisanstieg nicht. Hersteller verweisen unter anderem auf höhere Anforderungen an Abgasreinigung, Sicherheit und technische Ausstattung. Gerade bei günstigen Fahrzeugen fallen Entwicklungskosten und vorgeschriebene Technik im Verhältnis zum Verkaufspreis stärker ins Gewicht.
Die EU hat die verpflichtende Sicherheitsausstattung neuer Fahrzeuge in den vergangenen Jahren erweitert. Zu den vorgeschriebenen Systemen gehören unter anderem intelligente Geschwindigkeitsassistenz, Müdigkeitswarnung, Notbremslicht, Rückfahrunterstützung und ereignisbezogene Datenaufzeichnung. Solche Anforderungen gelten grundsätzlich unabhängig davon, ob ein Fahrzeug zur unteren oder oberen Preisklasse gehört.
Auch die allgemeine Teuerung hat die Produktions- und Verkaufskosten beeinflusst. Sie erklärt die Größenordnung des Anstiegs bei kleinen Verbrennern jedoch nicht allein. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes stieg zwischen 2016 und 2025 von 95,0 auf 121,9 Punkte. Das entspricht einem Anstieg um gut 28 Prozent. Der ADAC-Preisindex für Verbrenner-Kleinwagen entwickelte sich im untersuchten Zeitraum wesentlich stärker.
Hinzu kommt die Produktstrategie der Hersteller. Kleine Fahrzeuge bieten wegen ihrer niedrigeren Verkaufspreise grundsätzlich weniger Spielraum, um Entwicklungs- und Produktionskosten zu verteilen. Der ADAC sieht darin einen Grund dafür, dass Hersteller ihr Angebot stärker auf größere und margenstärkere Fahrzeuge ausgerichtet haben. Wie groß der Anteil einzelner Faktoren am gesamten Preisanstieg tatsächlich ist, lässt sich aus der aktuellen Auswertung jedoch nicht beziffern.
Bei kleinen Elektroautos zeigt sich inzwischen ein anderes Bild. Der ADAC zählt 2026 insgesamt 37 elektrische Modelle im Klein- und Kleinstwagensegment. Vor zehn Jahren waren es weniger als zehn.
Auch die Preise bewegen sich zuletzt nach unten. Der Durchschnittspreis der jeweils günstigsten Versionen lag 2026 laut ADAC bei 29.716 Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang von mehr als neun Prozent. Damit liegen elektrische Modelle im Durchschnitt weiterhin über den Verbrennern, der Abstand hat sich aber verkleinert.
Zugleich gibt es mehr Elektroautos am unteren Ende der Preisskala. Im Frühjahr und Sommer 2026 waren mehrere Modelle mit Listenpreisen um oder unter 25.000 Euro erhältlich. Einige lagen sogar unter 20.000 Euro. Bei solchen Fahrzeugen unterscheiden sich Batteriekapazität, Reichweite, Ladeleistung und Platzangebot allerdings erheblich. Der reine Einstiegspreis ermöglicht deshalb keinen unmittelbaren Vergleich der Alltagstauglichkeit.
Technisch haben kleine Elektroautos gegenüber den frühen Modellen zudem zugelegt. Größere Reichweiten und höhere Ladeleistungen machen einen Teil der aktuellen Fahrzeuge vielseitiger einsetzbar. Modelle mit besonders kleinen Batterien bleiben dagegen vor allem auf kürzere Strecken und den Stadtverkehr ausgerichtet.
Über alle Antriebsarten hinweg zählt der ADAC 2026 insgesamt 83 Modelle im betrachteten Kleinwagensegment. Damit hat sich die Modellvielfalt zuletzt wieder erhöht und liegt ungefähr auf dem Niveau von 2017. Verantwortlich dafür ist vor allem das wachsende Elektroangebot.
Der Durchschnittspreis über alle Antriebsarten liegt 2026 nach den zugrunde liegenden ADAC-Daten bei rund 26.600 Euro. Damit kostet ein typisches Einstiegsmodell der untersuchten Kleinwagen heute deutlich mehr als noch vor weniger als einem Jahrzehnt.
Für Autokäuferinnen und Autokäufer verändert sich damit vor allem das untere Ende des Neuwagenmarktes. Wer einen klassischen kleinen Benziner sucht, kann aus weniger Modellen wählen und muss mit wesentlich höheren Listenpreisen rechnen als früher. Gleichzeitig nähert sich ein wachsender Teil des Elektroangebots preislich diesem Segment an.
Ob daraus dauerhaft wieder ein breiter Markt günstiger Neuwagen entsteht, ist noch offen. Fest steht bislang vor allem, dass sich die beiden Antriebsarten unterschiedlich entwickeln. Das Angebot klassischer Verbrenner-Kleinwagen schrumpft, während die Zahl elektrischer Alternativen wächst und deren durchschnittliche Einstiegspreise seit 2024 zurückgehen.
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