
Der traditionsreiche Spielwarenhersteller Schleich steht vor einer weitreichenden finanziellen Neuordnung. Wettbewerbsbehörden in Deutschland und Österreich befassen sich mit Transaktionen rund um die Schleich Group Holding. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Kreditgebern, zu der auch die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital gehört. Ein bereits abgeschlossener Verkauf von Schleich an einen neuen Eigentümer war zunächst jedoch nicht bestätigt.
Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde veröffentlichte Ende August Einzelheiten zu einer angemeldeten Transaktion. Danach sollen Kreditgeber, die teilweise von H.I.G. Capital verwaltet oder beraten werden, bestimmte Wertrechte an einer niederländischen Stiftung erhalten. Diese Stiftung soll im Zuge einer finanziellen Restrukturierung mittelbar sämtliche Anteile an der Schleich Group Holding GmbH erwerben.
In Deutschland führt das Bundeskartellamt ebenfalls ein Fusionskontrollverfahren. Dort wurde am 20. August 2026 ein indirekter Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der Schleich Group Holding durch H.I.G. Capital angemeldet. Damit gibt es für die mögliche Übernahme von Schleich inzwischen konkrete behördliche Vorgänge. Wie die Beteiligungsstruktur nach Abschluss der Restrukturierung im Einzelnen aussehen würde, war zunächst nicht öffentlich geklärt.
Schleich wurde 1935 von Friedrich Schleich in Schwäbisch Gmünd gegründet und entwickelte sich zu einem international bekannten Hersteller von Tierfiguren, Dinosauriern, Fantasyfiguren und Spielsets. Der Unternehmenssitz befindet sich inzwischen in München.
Die Schweizer Partners Group übernahm 2019 die Mehrheit an Schleich vom französischen Finanzinvestor Ardian. Schleich selbst bezeichnete das Unternehmen noch im September 2025 als im Besitz der Partners Group und von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Solange die nun geplante Restrukturierung nicht vollzogen ist, ist ein Wechsel zu einer Kreditgeberstruktur daher nicht als abgeschlossen anzusehen.
Schleich äußerte sich gegenüber der Rems-Zeitung zu den aktuellen Übernahmeberichten nicht. Auch H.I.G. Capital wollte den Vorgang laut WirtschaftsWoche nicht kommentieren. Eine detaillierte öffentliche Stellungnahme von Schleich zu den Ende August bekannt gewordenen Fusionskontrollverfahren lag zunächst nicht vor.
Dass das Unternehmen wirtschaftlich neu aufgestellt werden soll, ist dagegen schon länger bekannt. Schleich erklärte bereits am 3. September 2025, sich in einem Umstrukturierungsprozess zu befinden. Gemeinsam mit Gesellschaftern und Kreditgebern sei ein Transformationsplan entwickelt worden. Gleichzeitig übernahm Manfred Ziegler die Führung des Unternehmens.
Weitere Hinweise auf die finanzielle Situation finden sich in einer Entscheidung des High Court of Justice in England vom 10. Juni 2026. Das Verfahren betraf eine Gesellschaft aus der Schleich-Gruppe und deren Finanzierung.
In der Entscheidung werden wirtschaftliche Schwierigkeiten der Gruppe beschrieben. Als Hintergründe nennt das Gericht unter anderem eine nicht erfolgreich verlaufene operative Restrukturierung, einen deutlichen Rückgang der Verkaufsmengen seit 2023 nach dem Ende des pandemiebedingten Nachfragebooms und zusätzlichen gesamtwirtschaftlichen Druck.
Zum Finanzierungsvolumen nennt die Gerichtsentscheidung einen Terminkredit mit einem Nominalwert von 169 Millionen Euro und Fälligkeit am 22. August 2026. Hinzu kam eine revolvierende Kreditlinie über 20 Millionen Euro. Außerdem bestanden dem Gericht zufolge weitere Finanzierungsfazilitäten, darunter eine Überziehungslinie über 15 Millionen Euro und eine Garantie über fünf Millionen Euro.
Damit ist eine erhebliche Fremdfinanzierung der Schleich-Gruppe dokumentiert. Berichte, die von einer Schuldenlast von mehr als 200 Millionen Euro sprechen, müssen allerdings nach Art der jeweiligen Kreditlinien und tatsächlich in Anspruch genommenen Beträge unterschieden werden. Die genannten Kreditrahmen lassen sich nicht ohne Weiteres vollständig zu einer aktuellen Nettoverschuldung addieren.
Die wirtschaftlichen Probleme folgten auf eine lange Wachstumsphase. Für 2022 hatte Schleich selbst einen weltweiten Umsatz von 275 Millionen Euro gemeldet. Das Unternehmen sprach damals vom achten Wachstumsjahr in Folge.
2023 änderte sich das Bild. Schleich gab für dieses Geschäftsjahr einen Umsatz von 234 Millionen Euro bekannt. Das waren rund 15 Prozent weniger als 2022. Das Unternehmen verwies damals auf schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, eine schwächere Spielzeugnachfrage nach den Pandemiejahren und zurückhaltende Verbraucher.
Für 2024 berichtete die WirtschaftsWoche von einem weiteren Rückgang auf rund 220 Millionen Euro. Eine aktuelle Unternehmensveröffentlichung, die diese Zahl in gleicher Weise bestätigt, lag zunächst nicht vor. Sie ist deshalb nicht mit den von Schleich selbst veröffentlichten Umsatzwerten für 2022 und 2023 gleichzusetzen.
Ende Oktober 2025 beschäftigte die Schleich-Gruppe nach Angaben aus dem englischen Gerichtsverfahren 315 Menschen und war in 13 Ländern tätig. Das Unternehmen verkauft seine Figuren nach eigenen Angaben in mehr als 60 Ländern. Bereits 2024 wurden weltweit rund 40 Millionen Tierfiguren verkauft.
Zusätzlichen Druck sollen nach Berichten von Bloomberg und WirtschaftsWoche Handelsbarrieren im wichtigen US-Geschäft verursacht haben. Die Medien bringen dabei insbesondere Zölle und die international organisierte Produktion von Schleich ins Spiel. Eine detaillierte öffentliche Aufschlüsselung des finanziellen Effekts der US-Zölle auf Schleich lag zunächst nicht vor.
Die Belastung durch Handelspolitik ist für Spielwarenhersteller grundsätzlich relevant. Viele Spielwaren werden in Asien produziert und anschließend in die großen Absatzmärkte importiert. Die US Toy Association berichtete im Juli 2026 über neue zusätzliche Section-301-Zölle auf Waren aus mehreren Handelspartnern und wies ausdrücklich darauf hin, dass auch Spielzeug betroffen ist.
Wie hoch der konkrete Zollaufwand von Schleich im laufenden Geschäftsjahr ist und welchen Anteil er an den finanziellen Schwierigkeiten hat, blieb zunächst offen. Die dokumentierten Probleme des Unternehmens reichen zudem zeitlich weiter zurück. Bereits seit 2023 waren Absatz und Umsatz deutlich unter Druck geraten.
Die Situation bei Schleich lässt sich nicht mit einer allgemeinen Krise aller Spielwarenhersteller in Deutschland gleichsetzen. Der deutsche Spielwarenmarkt zeigte zuletzt wieder Wachstum.
Der Handelsverband Spielwaren rechnete für 2025 mit einem Umsatz von etwa 4,5 Milliarden Euro zu Endverbraucherpreisen, nach rund 4,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Marktdaten von Circana zeigten zugleich Wachstum bei Lizenzen und Produkten für ältere Käufergruppen. Im europäischen Spielwarenmarkt entwickelten sich insbesondere bekannte Marken, Sammelprodukte und sogenannte Kidult-Angebote dynamisch.
Auch international ist die Nachfrage zuletzt gestiegen. Nach Daten von Circana wuchs der Spielzeugumsatz in den erfassten Märkten in den zwölf Monaten bis Juni 2026 um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Schleichs Schwierigkeiten sind daher stärker mit der Entwicklung des einzelnen Unternehmens, seiner Finanzierung und den Folgen der schwächeren Geschäftsjahre seit 2023 verbunden als mit einem flächendeckenden Einbruch der Branche.
Der nächste entscheidende Schritt liegt nun bei der finanziellen Restrukturierung und den zuständigen Wettbewerbsbehörden. In Österreich wurde die Anmeldung am 21. August 2026 eingereicht. Die dort veröffentlichte Beschreibung geht ausdrücklich davon aus, dass eine Stiftung im Zuge des Verfahrens mittelbar sämtliche Anteile an der Schleich Group Holding erwerben soll.
H.I.G. Capital wäre dabei offenbar Teil einer größeren Kreditgeberstruktur und nicht zwingend alleiniger Käufer des gesamten Unternehmens. Das deutsche Verfahren bezeichnet den dort angemeldeten Vorgang ausdrücklich als indirekten Erwerb einer Minderheitsbeteiligung durch H.I.G. Capital.
Damit zeichnet sich eine Ablösung der bisherigen Eigentümerstruktur um Partners Group deutlich konkreter ab als noch vor einigen Monaten. Vollzogen und abschließend bestätigt war ein neuer Eigentümer von Schleich am 6. September 2026 jedoch noch nicht.
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