Warum Sonjas neue Bezeichnung in Norwegen Streit auslöst

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Norwegens Königshaus hat Königin Sonja erstmals als „kongemoren“ bezeichnet, sinngemäß als Mutter des Königs oder Königsmutter. Die Formulierung tauchte am Mittwoch im Zusammenhang mit der Beisetzung von Prinzessin Astrid auf. Seitdem wird in Norwegen darüber diskutiert, ob der Begriff sprachlich und protokollarisch passend ist. Einen förmlichen Beschluss, mit dem „kongemoren“ zu einem neuen offiziellen Titel Sonjas erklärt worden wäre, veröffentlichte der Hof zunächst nicht.

Königshaus verwendet erstmals den Zusatz kongemoren

Auf der offiziellen Internetseite des norwegischen Königshauses hieß es am 23. September über die Trauerfeier für Prinzessin Astrid, König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra sowie „Dronning Sonja, kongemoren“ hätten an der Zeremonie in der Ris Kirche in Oslo teilgenommen.

Damit verwendete der Hof den Zusatz nach dem Tod von König Harald V. erstmals öffentlich für Königin Sonja. Sie bleibt auch nach dem Thronwechsel Königin Sonja. Mette-Marit trägt als Ehefrau des neuen Königs Haakon VIII. ebenfalls den Titel Königin.

Harald V. war am 28. August 2026 im Alter von 89 Jahren im Rikshospitalet in Oslo gestorben. Sein Sohn folgte ihm unmittelbar auf den Thron und führt seitdem den Namen König Haakon VIII. Am 1. September legte Haakon im norwegischen Parlament den verfassungsmäßigen Eid ab. Harald wurde am 9. September beigesetzt.

Historiker hält Bezeichnung für falsch

Kritik an der neuen Formulierung kommt vom norwegischen Historiker und Königshausautor Trond Norén Isaksen. Er vertritt die Auffassung, der erste Bestandteil solcher Bezeichnungen müsse sich auf den eigenen Rang der betreffenden Person beziehen.

Nach dieser Lesart wäre eine „dronningmor“, also eine Königinmutter, eine Königin, die zugleich Mutter des amtierenden Monarchen ist. „Kongemor“ würde demnach wörtlich einen König bezeichnen, der Mutter des Monarchen sei. Isaksen bezeichnete die Verwendung des Begriffs durch den Hof deshalb gegenüber Aftenposten als falsch und kritisierte, dass das Königshaus bei einer protokollarischen Bezeichnung dieser Art besonders sorgfältig sein müsse.

Diese Interpretation ist allerdings nicht unumstritten.

Norwegische Wörterbücher stützen den Begriff kongemor

Das Norske Akademis Ordbok, eines der maßgeblichen norwegischen Wörterbücher, definiert „kongemor“ schlicht als „en konges mor“, also als Mutter eines Königs. Als gleichbedeutende Form wird dort „kongsmor“ genannt.

Auch Store norske leksikon verwendet diese Bedeutung. Dort wird eine „kongemor“ als Mutter eines regierenden Königs beschrieben. Historisch seien Königsmütter häufig verwitwete Königinnen gewesen, allerdings nicht zwingend. Als Beispiel nennt das Lexikon unter anderem Inga kongsmor, die Mutter des mittelalterlichen Königs Håkon Håkonsson.

Damit entspricht die Verwendung durch das Königshaus zumindest einer etablierten norwegischen Wortbedeutung. Der sprachliche Einwand gegen die Formulierung ist daher keine allgemein anerkannte Regel, sondern eine bestimmte Auffassung darüber, wie dynastische Titel zusammengesetzt werden sollten.

Begriff hat historische Wurzeln in Norwegen

Die Bezeichnung ist keineswegs neu. In der norwegischen Geschichte und Sagaliteratur finden sich sowohl „kongemor“ als auch die ältere Form „kongsmor“. Besonders bekannt ist Gunnhild kongsmor, die Ehefrau von König Eirik Blodøks und Mutter mehrerer späterer Könige.

Im modernen norwegischen Königshaus war eine solche Bezeichnung dagegen lange nicht nötig. Königin Sonja ist die erste Witwe eines norwegischen Königs seit der Wiederherstellung der eigenständigen norwegischen Monarchie im Jahr 1905. Dadurch stellt sich erstmals seit mehr als einem Jahrhundert die Frage, wie eine frühere Königsgemahlin bezeichnet wird, deren Sohn inzwischen selbst König ist.

Unterschied zur britischen Queen Mother

International bekannt ist vor allem die britische Bezeichnung „Queen Mother“. Elizabeth, die Witwe von König George VI. und Mutter von Königin Elizabeth II., wurde jahrzehntelang als Queen Elizabeth The Queen Mother bezeichnet.

Die norwegische Terminologie folgt jedoch nicht zwingend diesem britischen Muster. Store norske leksikon unterscheidet zwischen „kongemor“ für die Mutter eines regierenden Königs und „dronningmor“ im Zusammenhang mit einer weiblichen Monarchin. Im alltäglichen Sprachgebrauch können sich die Bedeutungen allerdings überschneiden.

Für Königin Sonja bedeutet die neue Formulierung deshalb zunächst vor allem eine zusätzliche Beschreibung ihrer Stellung innerhalb der Königsfamilie. Ob „kongemoren“ künftig regelmäßig in offiziellen Mitteilungen verwendet oder sogar dauerhaft Bestandteil der protokollarischen Bezeichnung wird, war zunächst nicht offiziell festgelegt.

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