Laschet warnt vor Merz-Sturz und widerspricht Kiesewetter

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Laschet warnt vor Merz-Sturz und richtet damit mitten im angespannten Wahlkampf der Union einen ungewöhnlich deutlichen Appell an die eigene Partei. Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet hat in der ARD-Talkshow Maischberger vom 12. August 2026 davor gewarnt, die innerparteiliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz zu einer Debatte über dessen Ablösung werden zu lassen. Hintergrund sind schlechte Umfragewerte der Union im Bund, wachsender Unmut innerhalb der CDU und vor allem die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Zugleich stritt Laschet in der Sendung mit dem früheren US-General Ben Hodges über den richtigen Umgang mit dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle.

Laschet sieht Merz trotz CDU-Unmut in einer starken Position

Laschet wandte sich bei Maischberger gegen Spekulationen, Friedrich Merz könne infolge möglicher Wahlniederlagen oder der zunehmenden Kritik in der CDU sein Amt verlieren. Einen politischen Mechanismus für einen solchen Wechsel sehe er nicht. Wer einen Kanzler ablösen wolle, brauche sowohl einen anderen Kandidaten als auch eine entsprechende Mehrheit im Bundestag. Beides sei für ihn derzeit nicht erkennbar. Deshalb befinde sich Merz nach Laschets Einschätzung weiterhin in einer starken Position.

Besonders deutlich formulierte Laschet seine Warnung mit Blick auf Forderungen und Wortmeldungen aus der Union. In der ARD-Sendung sagte er wörtlich: Die Frage ist: Folgt aus diesen Wortmeldungen ein Kanzlersturz? Das sehe ich nicht, und ich würde auch niemandem dazu raten. Sandra Maischberger hielt ihm entgegen, der Unmut komme nicht abstrakt aus Deutschland, sondern aus der eigenen Partei des Kanzlers. Laschet räumte Kritik ein, verwies jedoch darauf, dass Unzufriedenheit auch bei früheren Kanzlern und Parteivorsitzenden vorgekommen sei.

Sachsen-Anhalt wird zum entscheidenden politischen Test

Laschet stellte die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September in den Mittelpunkt seiner Argumentation. Dort geht es aus seiner Sicht nicht allein um die Bilanz des Kanzlers oder das Abschneiden der CDU. Entscheidend sei vielmehr die Frage, ob die AfD erstmals in einem Bundesland in die Nähe einer eigenen parlamentarischen Mehrheit komme. Ein solches Ergebnis würde nach seiner Einschätzung nicht nur die CDU, sondern das gesamte politische Parteiensystem unter erheblichen Druck setzen.

Die Ausgangslage ist für die CDU schwierig. Mehrere Umfragen sehen die AfD mit Werten um oder oberhalb von 40 Prozent deutlich vor der Union. Im Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap lag die AfD zuletzt bei 41 Prozent, die CDU deutlich dahinter. Eine weitere Anfang August veröffentlichte Erhebung des Instituts Pollytix sah die AfD bei 43 und die CDU bei 23 Prozent. Einzelne Werte unterscheiden sich je nach Institut, der deutliche Vorsprung der AfD zeigt sich jedoch in mehreren Erhebungen. Wahlumfragen bilden dabei immer nur die politische Stimmung zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt ab.

Kritik an Merz kommt inzwischen offen aus der CDU

Dass Laschet überhaupt über einen möglichen Kanzlersturz sprach, hat einen konkreten innerparteilichen Hintergrund. Friedrich Merz geriet zuletzt nach dem Umbau seines Kabinetts und mehreren Personalentscheidungen unter Druck. Aus der CDU wurde öffentlich Kritik an der Vorbereitung und Kommunikation der Veränderungen laut. Auch in Sachsen-Anhalt beklagten CDU-Politiker, dass bundespolitische Konflikte ihren Landtagswahlkampf überlagerten.

Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze bezeichnete den Ablauf der Kabinettsumbildung als sehr unglücklich und forderte ein Ende der Personaldebatten. Andere Parteivertreter wurden deutlicher. Der Vorsitzende der Jungen Union Sachsen-Anhalt, Nico Elsner, bezeichnete die Umsetzung des Umbaus als grottenschlecht. Der frühere Landesminister Marco Tullner erklärte, die Vorgänge seien für den Wahlkampf nicht förderlich. Eine organisierte Bewegung zur Ablösung von Merz ist daraus bislang jedoch nicht entstanden. Auch Laschet betonte bei Maischberger, aus Kritik an einzelnen Entscheidungen folge noch kein Kanzlersturz.

Union liegt auch bundesweit deutlich unter ihrem Wahlergebnis

Hinzu kommt eine schwierige bundespolitische Stimmung. Im ARD-DeutschlandTrend vom 6. August kam die Union auf 21 Prozent. Die AfD lag mit 28 Prozent deutlich davor. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hatte die Union noch 28,5 Prozent erreicht. Die Bundesregierung insgesamt wurde in derselben Erhebung von einer großen Mehrheit kritisch bewertet. Nur 13 Prozent der Befragten zeigten sich mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden.

Damit ist die Kritik an Merz keineswegs auf einzelne CDU-Funktionäre beschränkt. Zugleich fehlen bislang die entscheidenden Merkmale einer akuten Kanzlerkrise. Weder ist ein Gegenkandidat mit erkennbarer Bundestagsmehrheit vorhanden, noch gibt es eine öffentlich organisierte Initiative maßgeblicher CDU- oder CSU-Gremien gegen Merz. Die Kritik betrifft derzeit vor allem Regierungsführung, Personalentscheidungen, politische Kommunikation und die Sorge vor den bevorstehenden Landtagswahlen.

Laschet warnt beim Drohnenvorfall vor schnellen Schuldzuweisungen

Ein zweiter Schwerpunkt der Sendung war die europäische Sicherheit nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle. Dort war Anfang August eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne sichergestellt worden. Die Bundesanwaltschaft ermittelt zu dem Vorgang. Eine russische Verantwortung wurde öffentlich vermutet, abschließend nachgewiesen war sie zunächst jedoch nicht.

Laschet warnte bei Maischberger davor, die Urheberschaft ohne gesicherte Erkenntnisse festzulegen. Wörtlich fragte er in der Sendung: Die Frage ist: War es Russland, und welche Belege haben wir dafür? Entscheidend seien für ihn die Ergebnisse der Sicherheitsbehörden und Ermittler. Dass Russland von einer Destabilisierung profitieren könne oder dass frühere hybride Aktionen Russland zugerechnet würden, reiche für eine konkrete Schuldzuweisung in diesem Fall nicht aus.

Laschet nennt Kiesewetters NATO-Vorstoß unverantwortlich

Besonders deutlich widersprach Laschet seinem CDU-Parteikollegen Roderich Kiesewetter. Dieser hatte nach dem Drohnenvorfall NATO-Konsultationen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags ins Gespräch gebracht. Artikel 4 ermöglicht Beratungen der Bündnispartner, wenn ein Mitglied seine territoriale Unversehrtheit, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht sieht.

Laschet kritisierte eine solche Forderung zu diesem Zeitpunkt. Kiesewetter stehe damit innerhalb von CDU, CSU und SPD weitgehend allein, argumentierte er. Laschet warnte insbesondere davor, eine Eskalationsstufe aufzurufen, bevor die Fakten zum konkreten Vorfall geklärt seien. Außerdem könne ein NATO-Verfahren problematisch werden, wenn die Mitgliedstaaten anschließend keinen gemeinsamen politischen Kurs fänden. Eine sichtbare Uneinigkeit des Bündnisses könne wiederum nach außen Schwäche demonstrieren.

Hodges sieht Russland wesentlich stärker im Fokus

Der frühere US-General Ben Hodges setzte in der Diskussion einen deutlich anderen Schwerpunkt. Er ordnete den Vorfall in Leipzig/Halle in eine breitere Serie aus Sabotage, Spionage, Desinformation und hybriden Aktivitäten ein, die aus seiner Sicht Russland zuzurechnen seien. Russland versuche nach seiner Darstellung, das Vertrauen westlicher Gesellschaften in ihre Institutionen zu schwächen und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.

Hodges äußerte außerdem Zweifel an der Verlässlichkeit der amerikanischen Regierung gegenüber europäischen Partnern im Umgang mit Russland. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass Russland den Krieg gegen die Ukraine nicht gewonnen habe und weiterhin daran gehindert werden könne. Laschet argumentierte bei der Bewertung der militärischen Perspektiven zurückhaltender und hielt einen vollständigen ukrainischen Sieg für unrealistisch. Er sprach sich für einen Waffenstillstand aus, ohne damit eine Anerkennung der russisch besetzten ukrainischen Gebiete zu verbinden.

Laschet fordert unabhängigen nationalen Sicherheitsberater

Aus dem Drohnenvorfall leitete Laschet zugleich strukturelle Forderungen für Deutschland ab. Er begrüßte den inzwischen bestehenden Nationalen Sicherheitsrat, sieht daneben aber weiteren Koordinierungsbedarf. In der ARD-Sendung forderte er einen unabhängigen nationalen Sicherheitsberater. Dieser müsse nach seiner Vorstellung dauerhaft Schwachstellen zwischen Bund und Ländern sowie zwischen Bundespolizei, Bundeswehr und den Polizeibehörden der Länder identifizieren.

Laschet sagte dazu bei Maischberger, es müsse eine Person geben, die rund um die Uhr solche Schwachstellen untersuche. Entscheidend sei für ihn die Unabhängigkeit. Der Sicherheitsberater solle gerade nicht vollständig in die normale Regierungsadministration eingebunden sein, sondern Strukturen von außen überprüfen können. Der Nationale Sicherheitsrat selbst ist keine neue Forderung Laschets. Die Bundesregierung hatte das Gremium bereits 2025 eingerichtet. Es arbeitet als Kabinettausschuss unter Vorsitz des Bundeskanzlers und befasst sich mit innerer, äußerer, digitaler und wirtschaftlicher Sicherheit.

Wickert, Palzer und Ronzheimer streiten über die richtige Reaktion

Neben Laschet und Hodges waren TUI-Chef Sebastian Ebel sowie der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert, ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kerstin Palzer und der stellvertretende Bild-Chefredakteur Paul Ronzheimer zu Gast. Auch in der Kommentatorenrunde wurde der Drohnenvorfall kontrovers beurteilt. Palzer plädierte dafür, zunächst die Ermittlungen abzuwarten, bevor Russland öffentlich verantwortlich gemacht werde. Eine voreilige Festlegung könne die politische Lage weiter verschärfen.

Wickert argumentierte offensiver und sah Handlungsbedarf für Deutschland und seine Bündnispartner. Ronzheimer kritisierte dagegen vor allem, dass Deutschland aus seiner Sicht keine ausreichend klare Strategie dafür habe, wie auf einen eindeutig nachgewiesenen hybriden Angriff reagiert werden sollte. Zwischen Wickert und Ronzheimer entstand damit eine Debatte über die Frage, ob schnelle Bündnisreaktionen Stärke demonstrieren oder bei fehlender Einigkeit innerhalb der NATO zusätzliche Probleme offenlegen könnten.

TUI-Chef Ebel übt scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik

Sebastian Ebel setzte einen anderen Schwerpunkt. Der Vorstandsvorsitzende von TUI zog bei Maischberger eine kritische Bilanz der ersten Monate der Bundesregierung. Er bemängelte, zahlreiche angekündigte Maßnahmen seien nicht umgesetzt worden. Aus seiner Sicht fehle es teilweise an einem klaren wirtschaftspolitischen Konzept und an verständlicher Kommunikation.

Ebel verwies insbesondere auf die Lage der Industrie und auf Investitionen in Zukunftsbereiche. Die Energiewende bezeichnete er grundsätzlich als richtig, kritisierte aber ihre politische Vermittlung und die Verbindung mit Verboten. Beim Tourismus zeigte er sich trotz geopolitischer Krisen, hoher Energiepreise und klimatischer Veränderungen vergleichsweise zuversichtlich. Zugleich müssten Proteste gegen Massentourismus ernst genommen werden, wenn sich die Bevölkerung in stark besuchten Regionen durch den Tourismus belastet fühle.

Kanzlerkritik ist real, ein Sturz von Merz derzeit nicht absehbar

Laschets Auftritt zeigt damit zwei unterschiedliche Konfliktlinien innerhalb der Union. In der Außen- und Sicherheitspolitik widerspricht er Parteikollegen wie Kiesewetter bei der Frage, wie schnell Deutschland nach mutmaßlichen hybriden Angriffen reagieren sollte. Innenpolitisch stellt er sich dagegen demonstrativ gegen eine Eskalation der Kritik an Merz.

Belastbar ist, dass die Unzufriedenheit mit dem Kanzler in Teilen der CDU zugenommen hat und die Union in aktuellen Umfragen deutlich unter ihrem Bundestagswahlergebnis liegt. Ebenso dokumentiert ist die Sorge von CDU-Politikern in Sachsen-Anhalt, dass die Bundespolitik ihren Wahlkampf belastet. Für einen bevorstehenden Sturz des Kanzlers gibt es dagegen bislang keine vergleichbar belastbaren Anzeichen. Laschets Botschaft bei Maischberger war deshalb eindeutig: Kritik an Friedrich Merz könne und müsse innerhalb der Union ausgetragen werden, sie solle nach seiner Auffassung aber nicht in eine neue Führungskrise münden.

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