ZDF zeigt „Letzte Instanz“: Wie Karlsruhe 1977 entscheiden musste

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Heute Abend rückt das ZDF eine der schwierigsten Fragen des Verfassungsrechts in den Mittelpunkt. Die Dokumentation „Letzte Instanz: Urteile über Leben und Tod“ zeichnet nach, wie das Bundesverfassungsgericht in Situationen entscheidet, in denen staatlicher Lebensschutz, Freiheit, Menschenwürde und die Grenzen staatlicher Macht miteinander in Konflikt geraten. Im Zentrum steht der Deutsche Herbst 1977 und das Verfahren um den von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Das ZDF zeigt den Film von Peter Dörfler am heutigen Dienstag, 29. September 2026, um 20.15 Uhr als TV-Erstausstrahlung.

Letzte Instanz heute um 20.15 Uhr im ZDF

„Letzte Instanz: Urteile über Leben und Tod“ beginnt um 20.15 Uhr und endet nach dem aktuellen ZDF-Programm gegen 21 Uhr. Das Presseportal des Senders gibt die eigentliche Filmlänge mit rund 43 Minuten an, im Streamingangebot wird eine Laufzeit von 44 Minuten ausgewiesen. Anschließend folgt im ZDF um 21 Uhr das Politikmagazin „frontal“.

Der Dokumentarfilm ist eine Produktion von MadeFor Film im Auftrag des ZDF. Peter Dörfler führte Regie und verantwortet den Film. Die Kamera übernahm Mathias Schöningh, Produzent ist Henning Wagner. Für die ZDF-Redaktion sind Ralf Bonsels und Samuel Kirsch verantwortlich, die Leitung der Sendung liegt bei Cathérine Kipp.

Anders als bei einer fortlaufenden Dokumentationsreihe handelt es sich um einen eigenständigen Film, der eigens im Umfeld des 75. Geburtstags des Bundesverfassungsgerichts ausgestrahlt wird.

Der Deutsche Herbst 1977 steht im Mittelpunkt

Ausgangspunkt der Dokumentation ist die Entführung von Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion im Jahr 1977. Seine Familie wandte sich damals an das Bundesverfassungsgericht. In Karlsruhe sollte geklärt werden, ob der Staat verpflichtet werden konnte, auf die Forderungen der Entführer einzugehen, um Schleyers Leben zu schützen.

Der Film rekonstruiert den Eilantrag der Familie und die Beratungen am Bundesverfassungsgericht. Dabei geht es nicht nur um den historischen Ablauf, sondern vor allem um eine grundsätzliche verfassungsrechtliche Frage: Wie weit reicht die Schutzpflicht des Staates für das Leben eines einzelnen Menschen, wenn zugleich andere Menschen und grundlegende staatliche Interessen betroffen sind?

Die Ereignisse spielten sich unter außergewöhnlichem Zeitdruck ab. Während Schleyer festgehalten wurde, gerieten im Oktober 1977 auch die Menschen an Bord der Lufthansa-Maschine „Landshut“ in die Gewalt einer palästinensischen Terrorgruppe, die mit der RAF zusammenarbeitete. Die unterschiedlichen Ereignisse des Deutschen Herbstes verdichteten sich damit innerhalb weniger Tage zu einer schweren politischen und rechtlichen Krise für die Bundesrepublik.

Die Dokumentation verwendet nach Angaben des ZDF Archivmaterial, nachgestellte Szenen sowie Erinnerungen von Zeitzeugen und Einschätzungen von Fachleuten.

Diese Zeitzeugen und Experten kommen zu Wort

Eine zentrale Perspektive liefert Hanns-Eberhard, der Sohn des entführten Arbeitgeberpräsidenten. Er schildert die damalige Situation seiner Familie und erinnert sich an das Verfahren in Karlsruhe. Das ZDF nennt außerdem den früheren GSG9-Einsatzbeamten Dieter Fox als Zeitzeugen.

Die verfassungsrechtliche Perspektive vertreten unter anderem Susanne Baer und Andreas Voßkuhle. Baer gehörte von 2011 bis 2023 dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an. Voßkuhle war von 2008 bis 2020 Richter des Gerichts und von 2010 bis 2020 dessen Präsident.

Auch ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke ist Teil des Films. Regisseur Peter Dörfler beschreibt den historischen Schleyer-Fall als Beispiel für eine Situation, in der das Bundesverfassungsgericht nicht allein Grundrechte schützen, sondern zugleich die Grenzen seiner eigenen Zuständigkeit bestimmen musste. Nach seinen Angaben beschäftigt sich der Film insgesamt anhand von drei Fällen mit der Arbeitsweise des Gerichts. Als weitere Bereiche, in denen Entscheidungen über Leben, Selbstbestimmung und staatlichen Schutz eine Rolle spielen können, nennt er unter anderem Sterbehilfe, Triage und Asylrecht.

Anlass ist der 75. Geburtstag des Bundesverfassungsgerichts

Die Ausstrahlung erfolgt unmittelbar nach dem 75. Geburtstag des Bundesverfassungsgerichts. Am 28. September 1951 wurde das Gericht im Karlsruher Schauspielhaus feierlich eröffnet. Genau 75 Jahre später fand am Montag, 28. September 2026, in der Stadthalle Karlsruhe ein Jubiläumsfestakt statt. Das ZDF übertrug die Veranstaltung am Vormittag live.

Das Bundesverfassungsgericht wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Es besteht aus zwei Senaten mit jeweils acht Richterinnen und Richtern und wird nur tätig, wenn ein entsprechendes Verfahren an das Gericht herangetragen wird. Für Bürgerinnen und Bürger ist vor allem die Verfassungsbeschwerde von Bedeutung, mit der eine mögliche Verletzung von Grundrechten geltend gemacht werden kann.

„Letzte Instanz“ nutzt das Jubiläum deshalb nicht allein für einen historischen Rückblick. Der Film stellt anhand konkreter Konfliktlagen die Frage, welche Rolle ein Verfassungsgericht einnimmt, wenn Mehrheitsentscheidungen, staatliche Handlungsfreiheit und die Rechte einzelner Menschen aufeinandertreffen.

Letzte Instanz bereits im ZDF-Streaming verfügbar

Wer die Dokumentation nicht erst am Abend sehen möchte, kann sie bereits online abrufen. Das ZDF hat „Letzte Instanz: Urteile über Leben und Tod“ am Freitag, 18. September 2026, um 10 Uhr in seinem Streamingangebot veröffentlicht. Dort ist der rund 44-minütige Film weiterhin verfügbar.

Damit liegt die Streamingpremiere bereits elf Tage vor der linearen TV-Erstausstrahlung am heutigen Dienstag. Die Fernsehpremiere beginnt um 20.15 Uhr im ZDF.

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