
Die Wohnungskrise in Spanien treibt immer mehr Menschen auf die Straße. Am Sonntag, 24. Mai 2026, demonstrierten in Madrid Zehntausende gegen steigende Mieten, hohe Immobilienpreise und den Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Veranstalter sprachen von mehr als 100.000 Teilnehmenden, die Behörden zählten rund 23.000 Menschen.
Organisiert wurde die Demonstration vom Sindicato de Inquilinas de Madrid, dem Madrider Mieterinnen- und Mieterverband. Unterstützt wurde sie von Gewerkschaften, Stadtteilinitiativen und sozialen Organisationen. Auf Transparenten forderten die Teilnehmenden niedrigere Mieten, mehr öffentliche Wohnungen und strengere Regeln gegen Spekulation und touristische Kurzzeitvermietung.
Besonders sichtbar war der Protest junger Menschen. Für viele Spanierinnen und Spanier ist eine eigene Wohnung kaum noch bezahlbar. Nach Angaben des Spanischen Jugendrats liegt die Emanzipationsquote bei nur noch 14,5 Prozent. Junge Menschen, die allein wohnen wollen, müssten im Schnitt 98,7 Prozent ihres Gehalts für Miete ausgeben.
Damit wird Wohnen zu einer sozialen Schlüsselfrage. Viele junge Erwachsene bleiben deutlich länger im Elternhaus, obwohl sie arbeiten. In Städten wie Madrid oder Barcelona verschärfen steigende Mieten, hohe Nachfrage und knapper Wohnraum diese Entwicklung.
Madrid ist eines der Zentren der spanischen Wohnungskrise. Die Mieten in der Hauptstadt sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. El País berichtet von einem Plus von mehr als 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Gleichzeitig wächst der Druck auf Haushalte mit mittleren und niedrigen Einkommen.
Die Krise betrifft nicht nur Mieterinnen und Mieter. Auch der Kauf einer Wohnung wird für viele Haushalte schwieriger. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP fehlen Spanien nach Schätzungen der Bank von Spanien rund 700.000 Wohnungen. Die Immobilienpreise stiegen 2025 um fast 13 Prozent.
Ein Teil der Kritik richtet sich gegen touristische Kurzzeitvermietungen. In Madrid waren auf Schildern Slogans wie „Wir wollen Nachbarn, keine Touristen“ zu sehen. Viele Demonstrierende werfen Plattformen wie Airbnb vor, Wohnungen dem regulären Mietmarkt zu entziehen und die Preise in beliebten Vierteln weiter zu treiben.
Gleichzeitig ist die Ursache der Krise breiter. Kurzzeitvermietungen sind nur ein Faktor. Entscheidend sind auch zu wenig Neubau, zu wenig öffentlicher Mietwohnungsbestand, starke Nachfrage, steigende Kaufpreise und der Druck internationaler Investoren. Genau deshalb fordern Mieterverbände nicht nur Airbnb-Regeln, sondern auch mehr Sozialwohnungen und Eingriffe gegen spekulative Mietsteigerungen.
Die Demonstration in Madrid war nicht als Einzelaktion geplant. Nach Angaben spanischer Medien sollen im Juni weitere Proteste in mehr als 20 Städten folgen. Die Bewegung bringt Mieterverbände, Gewerkschaften, Studierende und Stadtteilinitiativen zusammen.
Für Ministerpräsident Pedro Sánchez wird die Wohnungsfrage damit zu einem zentralen politischen Problem. Seine Regierung hat ein Milliardenprogramm für öffentlichen Wohnraum und Hilfen für junge Mieter und Käufer angekündigt. Kritiker halten die Maßnahmen jedoch für unzureichend, weil die Preise schneller steigen als die Entlastung wirkt.
Die spanische Regierung steht ohnehin unter Druck. Nach dem Rückzug der externen Unterstützung durch die katalanische Junts-Partei im Oktober 2025 muss Sánchez noch stärker mit wechselnden Mehrheiten regieren. Haushalts- und Reformvorhaben sind dadurch schwieriger geworden.
Die Proteste zeigen, dass die Wohnungskrise inzwischen weit über einzelne Großstädte hinausreicht. Für viele Menschen geht es nicht mehr nur um steigende Kosten, sondern um die Frage, ob ein normales Leben in den Städten überhaupt noch bezahlbar ist. Genau deshalb dürfte das Thema die spanische Innenpolitik in den kommenden Monaten weiter prägen.
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