
Mit 38 Jahren stürmt Martin Harnik noch immer durch die Abwehrreihen der Oberliga Hamburg – und trifft dabei mit einer Effizienz, die manchen Bundesligastürmer alt aussehen lässt. Zehn Treffer in 13 Spielen hat der österreichische Ex-Nationalspieler in der laufenden Saison für TuS Dassendorf erzielt, drei Vorlagen kommen hinzu. Doch diesmal steht hinter dem Dassendorf-Aufstieg von Martin Harnik und seinem Team mehr als nur ein Meistertitel in der Oberliga: Erstmals in der Vereinsgeschichte hat der Klub eine Lizenz für die Regionalliga Nord beantragt – der große Sprung in Liga vier scheint so nah wie nie zuvor.
Was Martin Harnik in dieser Saison für den Hamburger Oberligisten abliefert, ist schlicht außergewöhnlich. In 13 Pflichtspielen traf der 38-Jährige zehnmal und bereitete drei weitere Treffer vor – eine Quote, die selbst für aktive Profis bemerkenswert wäre. Dass ein Spieler, der das Rentenalter des Hochleistungsfußballs offiziell längst überschritten hat, in dieser Form auftritt, spricht für eine bemerkenswerte Physis und anhaltende Spielfreude.
Harnik blickt auf 240 Bundesliga-Einsätze zurück, unter anderem für den VfB Stuttgart, Werder Bremen und Hannover 96. Als österreichischer Nationalspieler war er einst ein gefürchteter Stürmer auf höchstem europäischem Niveau. Heute beweist er im Hamburger Amateurfußball, dass diese Klasse nicht einfach verschwindet – sie verlagert sich nur auf eine andere Bühne.
An seiner Seite: Max Kruse, ebenfalls Ex-Bundesligaprofi, ebenfalls bei TuS Dassendorf aktiv. Das befreundete Duo betreibt gemeinsam den Fußball-Podcast „Flatterball“, in dem es sich regelmäßig zu aktuellen Bundesliga-Themen äußert. Mit ihrer Popularität haben beide den kleinen Klub aus dem Hamburger Umland in das Blickfeld einer überregionalen Fangemeinde gerückt.
Sieben Meistertitel in der Oberliga Hamburg – und dennoch stieg TuS Dassendorf bisher nie auf. Jahr für Jahr entschied sich der Verein aus infrastrukturellen Gründen bewusst gegen die Regionalliga. Diese Zurückhaltung hat nun ein Ende.
Erstmals in der Vereinsgeschichte hat Dassendorf eine offizielle Lizenz für die Regionalliga Nord 2026/27 beantragt. Der Verein ist damit Teil eines Bewerberfeldes von 31 Klubs, die den Aufstieg in die vierthöchste deutsche Spielklasse anstreben. Ein historischer Moment für einen Klub, der sich jahrelang bewusst zurückgehalten hatte, obwohl das spielerische Niveau längst für höhere Ansprüche gereicht hätte.
Für Harnik, Kruse und ihre Mitspieler wäre ein Aufstieg weit mehr als ein sportlicher Meilenstein. Es wäre der Beweis, dass leidenschaftlicher Amateurfußball und professioneller Anspruch zusammenpassen. Ähnliche Aufstiegsgeschichten sorgen aktuell bundesweit für Begeisterung – so kämpft etwa der SV Meppen ebenfalls um eine Rückkehr in den Profifußball, was zeigt, wie viel Dynamik derzeit in den unteren Ligen steckt.
Das Phänomen rund um TuS Dassendorf ist größer als ein einzelner Verein. Die Kombination aus ehemaligen Bundesliga-Größen und echtem Amateurfußball hat eine Fangemeinde geschaffen, die in normalen Oberligaspielen kaum entstanden wäre. Harnik und Kruse bringen spielerische Klasse, Medieninteresse und eine Strahlkraft mit, die dem Klub langfristig nützt.
Ihr Podcast „Flatterball“ unterstreicht, dass beide nicht nur nostalgisch am Ball bleiben, sondern aktiv Teil der deutschen Fußballdebatte sind. Zuletzt äußerten sie sich darin kritisch über einen neuen Bundesliga-Trainer – ein Zeichen, dass Harnik und Kruse den deutschen Fußball auch abseits des Platzes mitgestalten wollen.
Ob Dassendorf tatsächlich den Sprung in die Regionalliga Nord schafft, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die sportliche Qualität ist vorhanden, das hat diese Saison eindrucksvoll bewiesen. Setzt Martin Harnik seinen Torrhythmus fort, dürfte der Meistertitel kaum zu verhindern sein – und diesmal mit einer entscheidenden Weichenstellung: Der Verein will aufsteigen. Wer den Aufstiegskampf im deutschen Fußball liebt, sollte auch die Aufstiegsambitionen von Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga im Blick behalten, die ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen.
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