
Mercedes-Benz ruft weltweit 215.231 Fahrzeuge seiner S-Klasse wegen möglicherweise undichter Bremsschläuche zurück. Der Rückruf der S-Klasse umfasst in Deutschland 11.828 Fahrzeuge. Betroffen sind bestimmte Limousinen der Baureihe 223 mit Luftfederung, darunter auch Varianten von Mercedes-Maybach und Mercedes-AMG. Hintergrund ist ein möglicher Verlust von Bremsflüssigkeit an der Vorderachse. Dadurch kann sich die Bremswirkung verringern. Der Vorgang wird beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unter der Referenznummer 17121R geführt.
Nach den veröffentlichten Rückrufdaten reicht der Produktionszeitraum der betroffenen Fahrzeuge vom 5. Juni 2019 bis zum 28. November 2024. Die Zahlen von 215.231 Fahrzeugen weltweit und 11.828 in Deutschland bezeichnen den Umfang der Rückrufaktion. Sie bedeuten nicht, dass an jedem dieser Autos bereits ein Schaden aufgetreten ist.
Die Eingrenzung betrifft die S-Klasse der Baureihe 223 mit Luftfederung. Aufgeführt werden verschiedene Ausführungen der Luxuslimousine, darunter S 350 d, S 450, S 500 und S 580. Hinzu kommen Modelle von Mercedes-Maybach sowie der Mercedes-AMG S 63 E Performance. Die Liste umfasst damit sowohl Diesel- und Benzinvarianten als auch elektrifizierte Antriebe.
Nicht jede S-Klasse aus dem genannten Zeitraum ist automatisch betroffen. Entscheidend ist, ob das einzelne Fahrzeug zur Rückrufaktion gehört. Das lässt sich anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer feststellen. Auch bei einem Gebrauchtwagen kann deshalb eine Prüfung sinnvoll sein, wenn die bisherige Durchführung von Rückrufarbeiten nicht bekannt ist.
Im Mittelpunkt stehen die flexiblen Bremsschläuche an den Vorderrädern. Diese verbinden Teile des hydraulischen Bremssystems und müssen den beim Bremsen auftretenden Druck sicher übertragen. Nach den Rückrufangaben können sie im Betrieb undicht werden. Verliert das Fahrzeug dadurch Bremsflüssigkeit, kann die Leistung eines der beiden Bremskreise nachlassen.
Mercedes-Benz erklärte gegenüber dem Fachmedium kfz-betrieb, dass in diesem Fall der zweite Bremskreis die Bremsfunktion übernehme. Das bedeutet jedoch nicht, dass die ursprünglich verfügbare Bremsleistung unverändert bleibt. Das KBA nennt ausdrücklich eine mögliche Verminderung der Bremswirkung. Zudem warnt die Behörde vor Bremsflüssigkeit auf der Fahrbahn, die auch den nachfolgenden Verkehr gefährden kann.
Die kanadische Verkehrsbehörde Transport Canada beschreibt bei entsprechenden Fahrzeugen außerdem mögliche Veränderungen des Pedalgefühls und des Pedalwegs, wenn Bremsflüssigkeit austritt. Eine geringere Bremswirkung kann den Anhalteweg verlängern und damit das Unfallrisiko erhöhen. Diese Auswirkungen sind mögliche Folgen des Mangels und keine Aussage darüber, dass sie bei allen zurückgerufenen Fahrzeugen eingetreten sind.
Der Rückruf hat eine internationale Vorgeschichte. Mercedes-Benz hatte schon im Frühjahr 2025 in einzelnen Märkten Bremsschläuche der S-Klasse austauschen lassen. In einer offiziellen amerikanischen Händlerinformation vom 11. April 2025 nannte der Hersteller 20.339 Fahrzeuge für die damalige Aktion. Sie trug in den USA die Kennung 25V116 und betraf ebenfalls die Bremsschläuche an der Vorderachse.
Damals beschrieb Mercedes-Benz eine mögliche Undichtigkeit bei längerem Gebrauch unter heißen und feuchten Umgebungsbedingungen. Auch die Verkehrsbehörde von Hongkong dokumentiert eine im März 2025 gestartete Maßnahme unter dem Herstellercode 4391102. Dort war zunächst ein engerer Produktionszeitraum von September 2020 bis März 2022 angegeben.
Die aktuelle deutsche Aktion ist unter dem Herstellercode 4391103 erfasst. Damit gibt es eine eigene Kennung für die jetzt bekannt gewordene Maßnahme. Die früheren und aktuellen Rückrufzahlen dürfen nicht einfach addiert werden, weil sie unterschiedliche Märkte und Aktionsstände betreffen.
In den Vereinigten Staaten meldete Mercedes-Benz am 2. Oktober 2026 eine weitere Rückrufaktion bei der zuständigen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA an. Sie wird unter der Nummer 26V638 geführt und betrifft bestimmte S-Klasse-, Maybach- und AMG-Ausführungen der Modelljahre 2022 bis 2025. Nach den amerikanischen Rückrufdaten sind dort rund 30.000 Fahrzeuge erfasst.
Die US-Behörde beschreibt ebenfalls die Gefahr, dass die vorderen Bremsschläuche beschädigt werden und Bremsflüssigkeit austritt. Händler sollen diese Schläuche kostenlos ersetzen. Die Benachrichtigung der betroffenen Halter ist in den USA für Ende November vorgesehen. Die US-Aktion ist ausdrücklich als Erweiterung eines Rückrufs aus dem Jahr 2025 ausgewiesen.
Auch Transport Canada veröffentlichte am 2. Oktober 2026 einen Rückruf für die S-Klasse und die Maybach S-Klasse der Modelljahre 2021 bis 2025. Die kanadische Behörde nennt den Austausch der vorderen Bremsschläuche als Abhilfemaßnahme. Diese Einträge bestätigen, dass die Problematik nicht auf den deutschen Markt beschränkt ist.
Für Fahrzeuge aus der aktuellen deutschen Aktion ist der Austausch der Bremsschläuche an der Vorderachse vorgesehen. Nach Angaben eines Mercedes-Benz-Sprechers gegenüber kfz-betrieb soll der dafür geplante Werkstattaufenthalt bis zu zwei Stunden dauern. Der Hersteller führt die Maßnahme unter dem Code 4391103. Eine Vertragswerkstatt kann damit den Vorgang zuordnen und prüfen, ob die Reparatur am jeweiligen Fahrzeug bereits dokumentiert ist.
Halter können außerdem das Rückrufportal von Mercedes-Benz nutzen. Der Hersteller bietet auf seiner deutschen Internetseite eine Abfrage für Rückrufe und Kundendienstmaßnahmen an. Für die eindeutige Prüfung wird die Fahrzeug-Identifizierungsnummer benötigt. Sie findet sich unter anderem in der Zulassungsbescheinigung und am Fahrzeug selbst.
Wer eine entsprechende Aufforderung erhält, sollte zeitnah einen Werkstatttermin vereinbaren. Dazu rät auch der ADAC grundsätzlich bei sicherheitsrelevanten Rückrufen. Bei unklarer Betroffenheit kann ein Mercedes-Benz-Vertragspartner die Fahrzeugdaten prüfen. Die genaue Verfügbarkeit eines Termins und möglicherweise notwendige Hinweise zur weiteren Nutzung sollten direkt mit der Werkstatt geklärt werden.
Für den deutschen Rückruf wurden in der KBA-Dokumentation bislang keine bekannten Sach- oder Personenschäden genannt. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der technische Mangel bei keinem Fahrzeug aufgetreten ist. Ebenso wenig lässt sich aus der Zahl der betroffenen Autos die Häufigkeit undichter Bremsschläuche bestimmen.
Maßgeblich ist für Halter deshalb die Zuordnung ihres konkreten Fahrzeugs zur Aktion. Die Rückrufnummer 17121R und der Mercedes-Benz-Code 4391103 erleichtern die Nachfrage. Mit dem Austausch der vorderen Bremsschläuche soll die beschriebene Fehlerquelle beseitigt werden.
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