Mercedes unter Kostendruck: Was über ein mögliches Werk-Aus bekannt ist

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Debatte über eine mögliche Mercedes-Werksschließung in Deutschland hat durch einen Bericht der WirtschaftsWoche neue Aufmerksamkeit erhalten. Das Magazin berichtet unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen, ein Mitglied des Mercedes-Benz-Vorstands habe vor mehreren Betriebsräten ein Szenario angesprochen, wonach bei ausbleibenden Kostensenkungen stärker in Osteuropa investiert werden könnte und dadurch ein deutsches Produktionswerk entbehrlich werden könnte. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Nach Darstellung der WirtschaftsWoche sei weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Werksschließung beschlossen worden.

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Mercedes-Benz äußerte sich gegenüber dem Magazin nicht inhaltlich zu dem behaupteten Schließungsszenario. Das Unternehmen teilte mit, dass es laufende Gespräche und Verhandlungen grundsätzlich nicht kommentiere. Welcher deutsche Standort von einem solchen Szenario betroffen sein könnte, blieb offen. Auch ein konkreter Zeitplan oder eine Entscheidung über den Bau eines zusätzlichen Werks in Osteuropa wurden nicht bekannt.

Was die WirtschaftsWoche über die internen Gespräche berichtet

Nach Darstellung der WirtschaftsWoche soll der betreffende Vorstand den Arbeitnehmervertretern sinngemäß vor Augen geführt haben, dass Mercedes-Benz seine Produktionsstruktur weiter nach Osteuropa verlagern könnte, falls es nicht gelinge, die Arbeitskosten in Deutschland deutlich zu reduzieren. Ein neues Werk in Osteuropa könnte demnach dazu führen, dass ein deutscher Produktionsstandort nicht mehr benötigt werde. Die Zeitung beruft sich für diese Darstellung auf mehrere Insider.

Diese Darstellung ist bislang von Mercedes-Benz nicht bestätigt worden. Auch eine öffentliche Erklärung des Gesamtbetriebsrats, die den konkreten Gesprächsverlauf bestätigt, lag zunächst nicht vor. Die WirtschaftsWoche berichtete, Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sei für eine Stellungnahme zu der ursprünglichen Recherche nicht erreichbar gewesen. Damit bleibt die angebliche Äußerung eine Medienrecherche und darf nicht mit einer beschlossenen Unternehmensentscheidung gleichgesetzt werden.

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Arbeitszeit und Lohnkosten sind tatsächlich Gegenstand eines Konflikts

Bestätigt ist dagegen, dass Mercedes-Benz die Kosten an seinen deutschen Standorten weiter senken will. Ende Juni informierte der Vorstand die Beschäftigten über eine weitere Produktivitätsoffensive. Die tarifliche Wochenarbeitszeit lag bei Mercedes nach Angaben des Unternehmens und der Arbeitnehmerseite bei 35 Stunden. Der Vorstand brachte eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne entsprechenden Lohnausgleich ins Gespräch. Rechnerisch würde dies auf eine 40-Stunden-Woche hinauslaufen.

Gleichzeitig verschob Mercedes-Benz eine tarifliche Sonderzahlung. Die Zahl der davon betroffenen Beschäftigten lag nach Unternehmensangaben bei rund 90.000, die Zahl der Beschäftigten in Deutschland insgesamt lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 108.000. Beim sogenannten Transformationsbaustein lag die Höhe bei 18,4 Prozent eines regelmäßigen individuellen Monatsentgelts. Die ursprünglich für Juli vorgesehene Zahlung wurde auf 2027 verschoben.

Der Gesamtbetriebsrat kritisierte insbesondere die Forderung nach längerer Arbeitszeit bei unverändertem Monatsentgelt. Anfang Juli beteiligten sich nach Angaben der IG Metall bundesweit mehr als 33.000 Mercedes-Beschäftigte an Protestaktionen gegen die Sparpläne. Mercedes selbst nannte eine deutlich kleinere Teilnehmerzahl von rund 16.000.

Interne Kostenvergleiche rücken Osteuropa in den Mittelpunkt

Am 8. September legte die WirtschaftsWoche mit einer weiteren Recherche nach. Demnach soll das Mercedes-Management bei einer Betriebsversammlung Folien mit Vergleichen zu Arbeitskosten und Arbeitszeiten an verschiedenen Standorten präsentiert haben. Für Rumänien lag der darin ausgewiesene Abstand bei den Arbeitskosten laut WirtschaftsWoche bei 82 Prozent gegenüber Deutschland. Diese Angaben stammen aus der vom Magazin beschriebenen internen Präsentation und sind nicht mit einer offiziell veröffentlichten Mercedes-Kostenrechnung gleichzusetzen.

Dass Osteuropa im Produktionsnetzwerk des Konzerns an Bedeutung gewinnt, ist dagegen offiziell belegt. Mercedes-Benz hat sein Werk im ungarischen Kecskemét erheblich erweitert. Die Investitionssumme lag nach Unternehmensangaben bei rund einer Milliarde Euro. Die Werksfläche wurde von 200 auf 440 Hektar vergrößert. Dort entstehen unter anderem der GLB und die neue elektrische C-Klasse. Die Zahl der Beschäftigten am Standort liegt nach Angaben des Unternehmens inzwischen bei mehr als 5.000.

Mercedes hatte zudem bereits mit seinen Geschäftszahlen für 2025 angekündigt, das globale Produktionsnetz an die Nachfrage anzupassen. Die Pkw-Produktionskapazität soll bis 2028 weltweit auf rund 2,2 Millionen Einheiten reduziert werden. Für Deutschland ist eine Kapazität von rund 900.000 Fahrzeugen vorgesehen, während Kecskemét perspektivisch Kapazitäten von bis zu 400.000 Fahrzeugen bereitstellen kann.

Beschäftigungssicherung gilt eigentlich bis Ende 2034

Eine mögliche Standortschließung würde zudem auf eine bestehende Vereinbarung zwischen Mercedes-Benz und der Arbeitnehmerseite treffen. Unternehmen und Gesamtbetriebsrat hatten sich 2025 darauf verständigt, die Beschäftigungssicherung in Deutschland bis Ende 2034 zu verlängern. Nach Angaben des Konzerns sind betriebsbedingte Beendigungskündigungen innerhalb des Geltungsbereichs dieser Vereinbarung ausgeschlossen.

Der Gesamtbetriebsrat erklärte seinerseits, dass neben der Beschäftigungssicherung auch Zielbilder für die deutschen Standorte vereinbart worden seien. Unklar blieb zunächst, wie ein theoretisches Schließungsszenario mit diesen Regelungen umgesetzt werden könnte. Der Medienbericht enthält dazu keine belastbaren Angaben.

Mercedes steht wirtschaftlich weiter unter Kostendruck

Der Sparkurs findet vor dem Hintergrund eines schwierigen Marktumfelds statt. Im zweiten Quartal 2026 lag der Konzernumsatz bei 32,1 Milliarden Euro nach 33,2 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das ausgewiesene Konzern-EBIT lag bei 1,5 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT bei 2,3 Milliarden Euro. Bei Mercedes-Benz Cars lag die bereinigte Umsatzrendite bei 4,0 Prozent.

Vor allem China belastet das Pkw-Geschäft. Der Fahrzeugabsatz von Mercedes-Benz Cars lag im zweiten Quartal bei 417.765 Einheiten nach 453.674 Fahrzeugen im Vorjahreszeitraum. In China ging der Absatz nach Unternehmensangaben um 30 Prozent zurück. Mercedes begründet seine laufenden Effizienzprogramme unter anderem mit dem intensiven Wettbewerb, Preisdruck und dem Ziel, die Produktionskosten weiter zu reduzieren.

Damit sind erheblicher Kostendruck, die Diskussion über längere Arbeitszeiten, Produktionsverlagerungen und der Ausbau in Ungarn eindeutig belegt. Nicht bestätigt ist dagegen, dass Mercedes-Benz die Schließung eines bestimmten deutschen Werks beschlossen hat oder unmittelbar vorbereitet. Die konkrete Darstellung einer internen Drohung stützt sich weiterhin auf die Recherche der WirtschaftsWoche. Ein betroffener Standort wurde nicht genannt.

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