
Die Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026 ist gestartet. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben Gewerkschaft und Arbeitgeber am Mittwoch, 7. Oktober, die ersten regionalen Verhandlungen aufgenommen. Die IG Metall fordert fünf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber weisen die Forderung zurück und verweisen auf Produktionsrückgänge, Arbeitsplatzverluste und Probleme mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Bundesweit betrifft die Tarifrunde mehr als 3,7 Millionen Beschäftigte.
In Baden-Württemberg kamen die Tarifparteien in Ludwigsburg zusammen. Dort sind rund 900.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie von den Verhandlungen betroffen. Begleitet wurde der Auftakt von einem Demonstrationszug. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich etwa 3.500 Beschäftigte. In Nordrhein-Westfalen starteten die Gespräche am selben Tag in Düsseldorf. Ein konkretes Arbeitgeberangebot lag dort in der ersten Runde noch nicht vor.
Die zentrale Entgeltforderung der IG Metall liegt bei fünf Prozent für zwölf Monate. Gleichzeitig sollen die Ausbildungsvergütungen steigen. Die Gewerkschaft will außerdem Regelungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten erreichen. Für wirtschaftlich besonders erfolgreiche Unternehmen strebt sie eine tarifliche Gewinnbeteiligung an. Beschäftigte in niedrigeren Entgeltgruppen sollen zusätzlich berücksichtigt werden.
Die IG Metall begründet ihre Forderung unter anderem mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten und der Notwendigkeit, die Kaufkraft zu stabilisieren. Zugleich verweist die Gewerkschaft auf große Unterschiede zwischen den Unternehmen. Während Teile der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer unter Druck stehen, beurteilt sie die Lage etwa in Teilen der Luftfahrt, des Schiffbaus, der Energietechnik und der Rüstungsindustrie günstiger.
Eine Befragung der Gewerkschaft unter rund 267.000 Beschäftigten ergab ebenfalls ein gemischtes Bild. Knapp die Hälfte der Befragten bewertete die Lage im eigenen Betrieb als gut oder sehr gut. Etwa ein Fünftel bezeichnete sie als schlecht oder sehr schlecht. Die Ergebnisse stammen aus einer Erhebung der IG Metall und bilden damit die Einschätzung der Beschäftigten in den befragten Betrieben ab.
Die Arbeitgeberverbände bewerten die wirtschaftliche Situation deutlich kritischer. Gesamtmetall bezeichnet die Lage der Branche als strukturelle Krise und verweist auf eine Produktion, die nach Verbandsangaben rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2018 liegt. Im Juli 2026 sei die Beschäftigung auf etwa 3,715 Millionen Menschen gefallen. Gegenüber 2019 entspricht das nach Berechnungen des Verbands einem Rückgang von knapp 350.000 Arbeitsplätzen.
Gesamtmetall nennt hohe Energiepreise, Steuern, Abgaben, Bürokratie und Arbeitskosten als Belastungen für Investitionen in Deutschland. Präsident Udo Dinglreiter hatte bereits nach dem Forderungsbeschluss der IG Metall erklärt, eine Lohnforderung von fünf Prozent werde der wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen nicht gerecht. Nach Angaben des Verbands steuert die Metall- und Elektroindustrie 2026 auf das dritte Rezessionsjahr in Folge zu. Diese Bewertung ist die Position der Arbeitgeberseite.
Auch Südwestmetall lehnt die Forderung ab. Der baden-württembergische Arbeitgeberverband sieht eine Senkung der Kosten und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit als zentrale Aufgaben der Tarifrunde. In Ludwigsburg verlangte die IG Metall von den Arbeitgebern dagegen ein konkretes Angebot.
Die Tarifrunde wird nicht zentral für ganz Deutschland an einem Ort geführt. Die IG Metall verhandelt in insgesamt 15 Tarifgebieten mit den jeweiligen regionalen Arbeitgeberverbänden. Den Anfang machten am 7. Oktober Baden-Württemberg in Ludwigsburg und Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
Am Donnerstag, 8. Oktober, folgen Bayern in München, das Tarifgebiet Küste in Hamburg-Bergedorf, Niedersachsen in Langenhagen, Osnabrück-Emsland-Grafschaft-Bentheim in Osnabrück und Sachsen-Anhalt in Barleben. Die Mittelgruppe mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beginnt am 9. Oktober in Frankfurt am Main. Thüringen und Berlin-Brandenburg folgen am 12. Oktober, Sachsen am 14. Oktober in Chemnitz.
Für die bayerische Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ihre Entgelttarifverträge zum 31. Oktober gekündigt. Auch dort lautet die Forderung fünf Prozent mehr Geld. Die bayerischen Arbeitgeber stellen dagegen die Wettbewerbsfähigkeit und eine Begrenzung der Kosten in den Mittelpunkt ihrer Position.
Arbeitskampfmaßnahmen wegen der jetzt verhandelten Forderungen sind zunächst ausgeschlossen. Die Friedenspflicht läuft bis zum 31. Oktober 2026 um 24 Uhr. Ab dem 1. November können Warnstreiks beginnen. Sowohl die IG Metall als auch Arbeitgeberverbände bestätigen diesen Zeitplan.
Die Aktionen zum Auftakt finden deshalb außerhalb von Warnstreiks statt. Für den Demonstrationszug in Ludwigsburg hatte die IG Metall ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Teilnahme während der noch geltenden Friedenspflicht in der persönlichen Freizeit erfolgen müsse.
Die Vorgängerrunde 2024 endete mit Entgelterhöhungen von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen. Zwei Prozent wurden im April 2025 wirksam, weitere 3,1 Prozent im April 2026. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich damals mehr als 620.000 Beschäftigte an Warnstreiks.
Damit treffen auch 2026 zwei sehr unterschiedliche Einschätzungen aufeinander. Die Gewerkschaft sieht Spielraum für höhere Einkommen und verlangt zugleich Sicherheiten für Beschäftigung und Standorte. Die Arbeitgeber setzen dagegen Kostensenkungen und eine Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit an die Spitze ihrer Forderungen. Ob sich bereits in den ersten regionalen Runden eine Annäherung abzeichnet, war zum Auftakt noch nicht erkennbar.
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