Tausende ziehen in Berlin für bezahlbare Wohnungen auf die Straße

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Tausende Menschen haben am Samstag in Berlin für niedrigere Mieten und eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarktes demonstriert. Die Großdemonstration für bezahlbare Mieten in Berlin begann am frühen Nachmittag am Roten Rathaus und führte durch die Innenstadt. Unter dem Motto „Her mit den Wohnungen, runter mit den Mieten“ hatten Mieterinitiativen, Gewerkschaften und weitere Organisationen zu dem Protest aufgerufen.

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Für die Demonstration waren 20.000 Teilnehmer angemeldet worden. Am Samstagabend wurde die tatsächliche Beteiligung auf rund 11.000 Menschen geschätzt. Eine genaue Teilnehmerzahl der Berliner Polizei lag zunächst nicht vor. Die Größenordnung lässt sich deshalb nicht als abschließende behördliche Zahl angeben.

Die Demonstration erhält zusätzliche politische Bedeutung durch ihren Zeitpunkt. Am 20. September wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Damit findet der Protest nur gut zwei Wochen vor einer Wahl statt, bei der die Wohnungsfrage zu den zentralen politischen Konfliktfeldern gehört.

Bündnis fordert Mietendeckel und mehr kommunale Wohnungen

Organisiert wurde die Demonstration vom Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn. Zu den Unterstützern gehören unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg, der Berliner Mieterverein sowie die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen. Auch Gruppen aus den Bereichen Klima und Stadtentwicklung beteiligten sich.

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Das Bündnis fordert unter anderem einen bundesweiten Mietendeckel, stärkere Rechte für Mieter, mehr bezahlbaren kommunalen Wohnungsbau und eine Vergesellschaftung großer profitorientierter Immobilienunternehmen. In seinem Aufruf spricht es sich zudem gegen Eigenbedarfskündigungen und Verdrängung aus.

Mehrere Zubringerdemonstrationen führten aus Berliner Stadtteilen zum Roten Rathaus. Die Hauptdemonstration verlief anschließend durch Berlin-Mitte und kehrte zum Ausgangspunkt zurück.

Die Forderungen treffen auf einen Wohnungsmarkt, auf dem insbesondere Wohnungssuchende weiterhin mit hohen Preisen konfrontiert sind. Nach dem jüngsten Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin lag die mittlere Angebotsmiete 2025 bei 15,78 Euro je Quadratmeter. Im Neubau waren es im Median 19,97 Euro je Quadratmeter.

Damit hat sich der langfristige Preisanstieg trotz einer zuletzt schwächeren Dynamik nicht umgekehrt. Im Jahr 2016 lag die mittlere Berliner Angebotsmiete noch bei 9 Euro je Quadratmeter. Bis 2025 stieg sie damit um mehr als 75 Prozent.

Berlin bleibt eine ausgeprägte Mieterstadt

Die politische Bedeutung der Mietpreise ist in Berlin besonders groß, weil Wohneigentum im Vergleich zu vielen anderen Regionen eine geringe Rolle spielt. Nach Angaben der Investitionsbank Berlin waren 2024 rund 85,1 Prozent des Wohnungsbestandes vermietet.

Zugleich unterscheiden sich bestehende Mietverträge deutlich von den Preisen, die bei einer Wohnungssuche verlangt werden. Hohe Angebotsmieten treffen daher vor allem Haushalte, die umziehen müssen, erstmals eine eigene Wohnung suchen oder nach Berlin ziehen.

Der Wohnungsbau bleibt ein weiterer Teil des Konflikts. 2024 wurden in Berlin 15.362 Wohnungen fertiggestellt. Die Zahl der Baugenehmigungen war zunächst auf 9.772 gesunken, stieg 2025 jedoch wieder auf 14.079. Zwischen neuen Genehmigungen und tatsächlich bezugsfertigen Wohnungen liegen allerdings üblicherweise längere Zeiträume.

Vergesellschaftung bleibt politischer Streitpunkt

Besonders umstritten ist weiterhin die Forderung nach einer Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände. Sie steht seit Jahren im Zentrum der Berliner Wohnungspolitik.

Beim Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co enteignen am 26. September 2021 stimmten nach dem amtlichen Endergebnis 1.035.950 Menschen mit Ja. Das entsprach 57,6 Prozent der gültigen Stimmen. 39,8 Prozent votierten dagegen.

Die Abstimmung führte allerdings nicht unmittelbar zu einer Überführung von Wohnungen in öffentliches Eigentum. Gegenstand des Entscheids war die Aufforderung an den Senat, einen Gesetzentwurf zur Vergesellschaftung der Bestände großer Wohnungsunternehmen auszuarbeiten.

Im März 2026 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der Regierungsfraktionen CDU und SPD ein Vergesellschaftungsrahmengesetz. Es definiert grundlegende Voraussetzungen für mögliche Vergesellschaftungen nach Artikel 15 des Grundgesetzes. Eine konkrete Überführung von Wohnungen großer Immobilienunternehmen erfolgt dadurch jedoch nicht. Dafür wäre ein weiteres Anwendungsgesetz erforderlich. Das Rahmengesetz soll zudem erst 2028 in Kraft treten.

Damit bleibt zwischen den Forderungen der heutigen Demonstration und der bestehenden Rechtslage ein erheblicher Abstand. Befürworter einer Vergesellschaftung verlangen eine konkrete Umsetzung für große Wohnungsunternehmen. Gegner lehnen einen solchen Schritt unter anderem wegen rechtlicher, wirtschaftlicher und finanzieller Folgen ab.

Wohnen rückt kurz vor der Berlin-Wahl in den Mittelpunkt

Die Demonstration bringt diesen Konflikt unmittelbar in die Schlussphase des Wahlkampfs. Gewählt wird am Sonntag, 20. September. Neben dem Abgeordnetenhaus stehen auch die Bezirksverordnetenversammlungen zur Wahl.

Dass das Thema eine große Zahl von Berlinern unmittelbar betrifft, zeigt bereits die Struktur des Wohnungsmarktes. Mehr als vier von fünf Wohnungen sind Mietwohnungen. Gleichzeitig liegen die Preise für neu angebotene Wohnungen deutlich über dem Niveau vieler bestehender Mietverhältnisse.

Die Parteien gehen mit unterschiedlichen Konzepten in die Wahl. Der Streit reicht von Neubau und beschleunigten Genehmigungen über Mieterschutz und staatliche Regulierung bis zur Frage, ob große private Wohnungsbestände vergesellschaftet werden sollen.

Mit der Demonstration haben die beteiligten Bündnisse zwei Wochen vor dem Wahltermin versucht, den Druck auf die künftige Landesregierung zu erhöhen. Wie viele Menschen sich am Ende genau beteiligten, war am Samstagabend noch nicht amtlich beziffert. Sicher ist hingegen, dass die Wohnungsfrage auch fünf Jahre nach dem Volksentscheid über die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen eines der zentralen politischen Themen der Hauptstadt bleibt.

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