
Der neue MOTRA-Monitor 2024/25 hat eine Debatte über den Umgang staatlich geförderter Forschung mit politischen Medien ausgelöst. Im Mittelpunkt steht ein Kapitel zur Nutzung sogenannter politischer Alternativmedien. Darin werden unter anderem die Junge Freiheit, Tichys Einblick und Compact der Kategorie rechtsaußen zugeordnet. Linksaußen werden in der Untersuchung Junge Welt und Jungle World genannt, als islamisch eingeordnete Angebote unter anderem IslamiQ, Islamische Zeitung und Al Jazeera.
Die Untersuchung ist Teil des MOTRA-Forschungsverbunds, der seit 2019 Radikalisierungsgeschehen in Deutschland untersucht. MOTRA wird nach eigenen Angaben durch mehrere Bundesministerien gefördert und vereint universitäre sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Der Monitor wird unter der Adresse des Bundeskriminalamts in Wiesbaden herausgegeben; zugleich enthält der Bericht den Hinweis, dass die Inhalte der Beiträge die Meinung der jeweiligen Verfasserinnen und Verfasser wiedergeben.
Der betreffende Beitrag untersucht nicht einzelne Artikel der genannten Medien auf strafbare oder extremistische Inhalte. Grundlage sind Befragungsdaten zur Nutzung bestimmter Medienmarken und zu politischen Einstellungen. Die Autorinnen und Autoren erfassen, wie häufig Befragte bestimmte Angebote nutzen, und setzen diese Angaben mit Einstellungsdaten zu Rechtsaffinität, Islamismusaffinität und Demokratiedistanz in Beziehung.
Nach Angaben des Berichts nutzten zwischen 2021 und 2025 durchschnittlich 6,2 Prozent der Befragten mindestens gelegentlich politische Alternativmedien. Häufig oder sehr häufig nutzten solche Angebote rund 1,9 Prozent. Die Nutzung rechtsaußen eingeordneter Alternativmedien blieb demnach weitgehend stabil. Für die ausschließliche Nutzung solcher Angebote nennt der Monitor niedrige Bevölkerungsanteile, sieht aber zugleich eine zunehmende ideologische Abgrenzung innerhalb der jeweiligen Nutzungsgruppen.
Besonders umstritten ist die Einordnung der Jungen Freiheit und von Tichys Einblick in dieselbe Kategorie wie Compact. Der MOTRA-Beitrag nennt für die Kategorie rechtsaußen die drei Angebote Compact, Junge Freiheit und Tichys Einblick. Zur Begründung verweist der Text allgemein auf wissenschaftliche Publikationen zur Verortung rechtsaußen und linksaußen eingeordneter Medien. Eine detaillierte Einzelbegründung für jede der drei Marken enthält der zitierte Abschnitt nicht.
Die Junge Freiheit kritisierte die Studie öffentlich und wertete sie als Angriff auf die Pressefreiheit. Diese Bewertung ist eine Position des betroffenen Mediums, nicht ein amtlich festgestellter Sachverhalt. Belastbar ist hingegen, dass die Zeitung im Monitor namentlich genannt und der Kategorie rechtsaußen zugeordnet wird.
Der MOTRA-Beitrag formuliert einen Zusammenhang zwischen Alternativmediennutzung und bestimmten politischen Einstellungen. Bei Nutzerinnen und Nutzern rechtsaußen eingeordneter Alternativmedien lag der Anteil rechtsaffiner Personen über fünf Jahre hinweg bei 43,9 Prozent. Davon entfielen 39,8 Prozent auf Personen, die laut Kategorisierung offen für Rechtsextremismus waren, und 4,8 Prozent auf Personen mit geschlossen rechtsextremem Weltbild. Der Anteil demokratiedistanter Einstellungen in dieser Gruppe wird mit 12,8 Prozent angegeben.
Daraus folgt nicht, dass einzelne Leserinnen oder Leser eines bestimmten Mediums automatisch als extremistisch gelten. Der Monitor arbeitet mit Gruppenwerten aus Befragungen. Er beschreibt statistische Zusammenhänge, keine individuelle Bewertung konkreter Personen und keine rechtliche Einstufung eines Mediums durch eine Sicherheitsbehörde. Diese Unterscheidung ist für die öffentliche Debatte zentral, weil der Begriff Radikalisierung schnell über den engeren wissenschaftlichen Befund hinaus politisch aufgeladen wird.
Die staatliche Förderung des MOTRA-Verbunds ist belegt. In einer Antwort im Bundestag wurden Fördermittel der Bundesregierung für MOTRA von 2020 bis 2025 aufgeschlüsselt. Genannt wurden unter anderem rund 1,56 Millionen Euro für 2020, rund 3,48 Millionen Euro für 2021, rund 3,50 Millionen Euro für 2023 und rund 2,58 Millionen Euro für 2025. Für 2019 wurden keine Mittel ausgewiesen.
Trotzdem greift die Formulierung BKA-Studie zu kurz, wenn sie suggeriert, das Bundeskriminalamt habe selbst konservative Medien bewertet. MOTRA ist ein Forschungsverbund, der durch Bundesministerien gefördert wird und an dem mehrere Einrichtungen beteiligt sind. Der Monitor wird beim BKA verortet, die einzelnen Beiträge stammen jedoch von wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren.
Der Fall zeigt ein Spannungsfeld zwischen Radikalisierungsforschung, Medienkritik und Pressefreiheit. Wissenschaftliche Forschung darf Mediennutzung untersuchen und politische Informationsräume analysieren. Zugleich sind öffentliche Kategorisierungen einzelner Presseorgane sensibel, wenn sie mit Begriffen wie Radikalisierung, Extremismusaffinität oder rechtsaußen verbunden werden.
Gerade bei staatlich geförderter Forschung kommt es deshalb auf präzise Sprache an. Der MOTRA-Monitor beschreibt einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Medienkategorien und Einstellungsprofilen. Er liefert aber keine Grundlage für die pauschale Aussage, konservative Medien seien als solche ein Radikalisierungsfaktor. Die journalistisch belastbare Kernaussage lautet daher enger: Eine staatlich geförderte Radikalisierungsstudie ordnet einzelne rechtskonservative und rechte Medien in eine rechtsaußen Kategorie ein und sieht deren Nutzung in bestimmten Gruppen im Zusammenhang mit extremismusaffinen Einstellungen.
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