
Eine neue Studie aus der Demokratischen Republik Kongo liefert Hinweise darauf, dass bei der Mpox-Diagnostik während eines großen Ausbruchsgeschehens ein erheblicher Teil positiver PCR-Befunde durch Virusspuren aus der Umgebung beeinflusst worden sein könnte. Das internationale Forschungsteam untersuchte Daten von 2724 Menschen mit Symptomen, die mit Mpox vereinbar waren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht.
Die Forschenden schätzen, dass bei einem verwendeten PCR-Grenzwert von weniger als 40 Zyklen rund 35 Prozent der positiven Ergebnisse nicht auf eine tatsächliche Infektion zurückgingen. Das statistische Unsicherheitsintervall lag zwischen 31 und 39 Prozent. Als wahrscheinlichste Erklärung identifizierte das Team eine Kontamination der Proben mit DNA des Mpox-Virus aus der Umgebung.
Die Untersuchung betrifft damit nicht die grundsätzliche Zuverlässigkeit von PCR-Tests weltweit. Sie beschreibt eine besondere Situation in Behandlungszentren während eines größeren Mpox-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo.
Für die Studie werteten Megan O’Driscoll und mehr als 30 weitere Forschende PCR-Daten aus Goma, Kamituga, Kinshasa und Uvira aus. Die untersuchten Personen hatten zwischen Mai 2024 und April 2026 Behandlungseinrichtungen aufgesucht und wiesen Beschwerden auf, die zu einer Mpox-Erkrankung passen konnten.
Beteiligt waren unter anderem die Universität Genf, das Institut für Tropenmedizin in Antwerpen und das kongolesische Institut National de Recherche Biomédicale. Letztautor der Studie ist der Epidemiologe Andrew S. Azman von der Universität Genf und der Johns Hopkins University.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sehr geringe Mengen nachgewiesener Virus-DNA tatsächlich von infizierten Patienten stammten oder durch Spuren des Erregers auf Oberflächen und in der unmittelbaren Umgebung in die Proben gelangt sein könnten.
PCR-Tests vervielfältigen genetisches Material in mehreren Zyklen. Der sogenannte Ct-Wert gibt vereinfacht an, nach wie vielen Zyklen ein messbares Signal entsteht. Je niedriger der Wert ausfällt, desto mehr Virus-DNA befand sich normalerweise bereits in der Probe. Sehr hohe Werte bedeuten dagegen, dass nur geringe Mengen genetischen Materials nachgewiesen wurden.
Das Forschungsteam stellte in seinen Daten unterschiedliche Gruppen von Ct-Werten fest. Besonders Befunde nahe an der Nachweisgrenze waren mit der Annahme vereinbar, dass nicht eine tatsächliche Infektion, sondern geringe Mengen von Virus-DNA aus der Umgebung gemessen worden waren.
Um diese Möglichkeit genauer zu untersuchen, nahmen die Forschenden in Uvira und Kamituga zusätzlich Abstriche von Oberflächen in Kliniken und Laborbereichen. Dabei fanden sie Mpox-Virus-DNA in der Behandlungsumgebung. Solche DNA-Spuren können auch dann noch nachweisbar sein, wenn sie nicht aus der untersuchten Patientenprobe selbst stammen.
Die Forschenden entwickelten ein statistisches Modell, das positive Ergebnisse anhand der Ct-Werte und weiterer biologischer Faktoren einer wahrscheinlichen tatsächlichen Infektion oder einer möglichen Umweltkontamination zuordnete.
Bei einem Grenzwert von Ct unter 40 errechnete das Modell einen Anteil von 35 Prozent wahrscheinlich falsch positiver Befunde. Wurde die Schwelle auf unter 37 abgesenkt, sank der geschätzte Anteil auf 18 Prozent. Bei einer Schwelle unter 34 lag er bei fünf Prozent.
Nach Angaben der Autoren führte die strengere Schwelle in ihren Berechnungen nur zu vergleichsweise geringen Einbußen bei der Empfindlichkeit des Testverfahrens. Daraus leiten sie die Empfehlung ab, Ct-Grenzwerte an die jeweiligen örtlichen Bedingungen anzupassen und Proben mit sehr hohen Ct-Werten genauer zu überprüfen.
Zusätzliche Hinweise ergaben sich aus Blutuntersuchungen einer kleineren Gruppe von Studienteilnehmern. Von 35 Personen, deren PCR-Befund das Modell als wahrscheinlich durch Umweltkontamination verursacht einstufte, hatten 31 keine serologischen Hinweise auf eine Orthopoxvirus-Infektion. Das entsprach 88,6 Prozent.
Bei 30 Teilnehmern, die das Modell als tatsächlich infiziert einstufte, zeigten 20 serologische Hinweise auf eine Infektion. Die Antikörperdaten dienten damit als zusätzliche Überprüfung des statistischen Verfahrens, allerdings nur für einen kleinen Teil der gesamten Studiengruppe.
Antikörpertests allein eignen sich nicht ohne Weiteres zur akuten Mpox-Diagnose, da verschiedene Orthopoxviren immunologisch miteinander verwandt sind und auch Impfungen das Ergebnis beeinflussen können.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass PCR-Tests auf Mpox generell ungeeignet sind. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt weiterhin den Nachweis von Virus-DNA mit PCR beziehungsweise anderen Nukleinsäure-Amplifikationsverfahren. Als besonders geeignet gelten Abstriche direkt von Hautveränderungen, Flüssigkeit aus Bläschen oder Krusten.
Dass sehr schwache positive PCR-Signale überprüft werden sollten, ist ebenfalls nicht grundsätzlich neu. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt bereits seit 2022 bei hohen Ct-Werten, typischerweise ab etwa 34, eine erneute Extraktion und Wiederholung des Tests, um mögliche Kreuzkontaminationen auszuschließen.
Die neue Mpox-PCR-Studie liefert nun Daten aus einem großflächigen Ausbruch, die zeigen, wie stark ein solches Problem unter bestimmten klinischen Bedingungen ausfallen kann.
Die Untersuchung bezieht sich auf vier Standorte in der Demokratischen Republik Kongo während einer Phase mit intensiver Mpox-Übertragung. Behandlungseinrichtungen mit zahlreichen infizierten Patienten können eine deutlich höhere Belastung mit Virus-DNA aufweisen als Labore oder Arztpraxen in Regionen mit nur wenigen Fällen.
Auch die geschätzten 35 Prozent sind kein direkt ausgezählter Anteil eindeutig nachgewiesener Fehlbefunde. Der Wert stammt aus einem statistischen Modell, das durch Oberflächenproben und serologische Daten überprüft wurde. Die Autoren sprechen deshalb von wahrscheinlich falsch positiven Ergebnissen.
Für andere Länder, Testsysteme und Laborabläufe kann der Anteil deutlich anders ausfallen. Die Studie macht jedoch deutlich, dass bei hochsensitiven Tests nicht nur das Testverfahren selbst, sondern auch Probenentnahme, Hygiene, Laborabläufe und die Bewertung sehr hoher Ct-Werte eine Rolle spielen.






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