
Bei der NATO-Übung Northern Viking rund um Island haben europäische und kanadische Streitkräfte eine deutlich größere operative Rolle übernommen. Besonderes Augenmerk liegt auf einem maritimen Teil der Übung, bei dem Verbündete die Ortung und Verfolgung von U-Booten trainierten. Nach einem Bericht von Politico waren daran erstmals seit Jahrzehnten keine amerikanischen Schiffe oder Flugzeuge beteiligt. Die USA waren allerdings keineswegs aus Northern Viking 2026 ausgestiegen: Sie führten die Gesamtübung gemeinsam mit Island und beteiligten sich mit zahlreichen eigenen Einheiten an anderen Teilen des Manövers.
Damit liefert die Übung ein konkretes Beispiel dafür, wie europäische NATO-Staaten und Kanada mehr Aufgaben bei der Verteidigung des Nordatlantiks übernehmen können. Northern Viking 2026 lief vom 22. August bis zum 3. September rund um Island. Mehr als 1.200 Soldatinnen und Soldaten nahmen nach Angaben der US Navy an den verschiedenen Übungsteilen zu Land, in der Luft und auf See teil.
Eine zentrale Rolle spielt die sogenannte GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und Großbritannien. Die Seewege dort verbinden die arktischen Gewässer mit dem Nordatlantik. Für die NATO ist die Region deshalb militärisch besonders wichtig. Northern Viking trainierte unter anderem U-Boot-Abwehr, Minenabwehr, Such- und Rettungseinsätze sowie die Zusammenarbeit verschiedener Teilstreitkräfte.
Deutschland beteiligte sich unter anderem mit dem neuen Seefernaufklärer P-8A Poseidon der Marine. Die Bundeswehr beschreibt das Flugzeug als wichtigen Bestandteil der U-Boot-Jagd vor Island. Auch NATO-eigene Aufklärungskapazitäten kamen zum Einsatz. Ein unbemannter RQ-4D Phoenix lieferte während der Übung Informationen über Schiffsbewegungen im Nordatlantik.
Nach dem Politico-Bericht operierten bei einem maritimen Übungsteil unter anderem deutsche Aufklärungsflugzeuge, kanadische Kriegsschiffe und belgische Kampfflugzeuge unter Führung des französischen Konteradmirals Nicolas Molitor. Dass dabei keine amerikanischen Schiffe und Flugzeuge eingesetzt worden seien, geht bislang vor allem auf diesen Bericht zurück. Offizielle Veröffentlichungen der USA bestätigen dagegen ausdrücklich eine umfangreiche amerikanische Beteiligung an Northern Viking insgesamt.
Northern Viking 2026 war eine von Island ausgerichtete und von den US Naval Forces Europe geführte Übung. Die operative Durchführung lag bei der amerikanischen 6. Flotte. Amerikanische Luftwaffen-, Marine- und weitere Einheiten waren vor Ort und trainierten unter anderem Lufttransport, Rettungsoperationen, medizinische Evakuierung und Einsätze unter schwierigen Bedingungen im hohen Norden.
Die Aussage, die NATO habe Northern Viking insgesamt ohne die USA durchgeführt, wäre deshalb falsch. Der bemerkenswerte Unterschied liegt vielmehr darin, dass bei Teilen der maritimen Operation europäische Verbündete und Kanada Aufgaben übernahmen, die in früheren Übungen stark von amerikanischen Kräften geprägt waren.
Auch die US-Führung stellte diesen Ansatz bereits zu Beginn der Übung heraus. Die 6. Flotte erklärte, die Zusammenarbeit solle dazu beitragen, europäische Verbündete in die Lage zu versetzen, mehr Verantwortung für Abschreckung und Verteidigung auf dem europäischen Kriegsschauplatz zu übernehmen.
Für die Bundeswehr hatte Northern Viking zugleich praktische Bedeutung beim Aufbau eigener Fähigkeiten. Die deutsche Marine setzte vor Island ihren neuen Seefernaufklärer P-8A Poseidon zur U-Boot-Jagd ein. Das Muster ersetzt schrittweise die bisher verwendeten P-3C Orion und soll insbesondere bei der Aufklärung großer Seegebiete und beim Aufspüren von U-Booten eingesetzt werden.
Die deutschen Flugzeuge arbeiteten während Northern Viking mit Schiffen und Luftfahrzeugen anderer Bündnispartner zusammen. Gerade diese Fähigkeit, Sensorinformationen zwischen unterschiedlichen nationalen Einheiten auszutauschen und daraus ein gemeinsames Lagebild zu erstellen, gehört zu den Kernaufgaben solcher NATO-Manöver.
Island besitzt keine eigenen regulären Streitkräfte und stützt seine Verteidigung auf die NATO sowie auf ein bilaterales Verteidigungsabkommen mit den Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1951. Northern Viking 2026 fiel mit dem 75. Jahrestag dieses Abkommens zusammen.
Die Lage der Insel macht sie zugleich zu einem wichtigen Stützpunkt für die Überwachung des Nordatlantiks. Von Island aus können NATO-Staaten die Seewege zwischen der Arktis, Europa und Nordamerika beobachten. Der Schutz dieser Verbindung ist auch für die militärische Verstärkung Europas über den Atlantik von Bedeutung.
Northern Viking 2026 zeigt damit keinen Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Verteidigung des Nordatlantiks. Die Übung zeigt aber, dass europäische Verbündete und Kanada zunehmend Aufgaben übernehmen, die im Bündnis lange stark von amerikanischen Fähigkeiten abhängig waren. Wie weit diese Entwicklung künftig reicht, lässt sich aus einem einzelnen Manöver nicht ableiten.
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