Deutschlands Notaufnahmen bleiben vielerorts unter hohem Druck

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Eine neue Umfrage zeichnet ein angespanntes Bild der Notfallversorgung in deutschen Krankenhäusern. 45 Prozent der teilnehmenden Notaufnahmen waren am untersuchten Stichtag mindestens zwei Stunden überlastet. Besonders häufig berichten die Kliniken von fehlenden Möglichkeiten, Patienten nach der Akutbehandlung auf reguläre Stationen zu verlegen. Hinzu kommen unbesetzte Stellen bei Ärzten und Pflegekräften.

Die Erhebung stammt von der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin, kurz DGINA. An der Blitzumfrage beteiligten sich am 2. Juni 2026 insgesamt 271 Notaufnahmen aller Versorgungsstufen aus sämtlichen 16 Bundesländern. Die Einrichtungen verzeichneten nach Angaben zur Erhebung zusammen rund 8,5 Millionen Patientenkontakte im Jahr 2025. Deutschlandweit werden in Krankenhausambulanzen jährlich rund 21 bis 25 Millionen Notfallpatienten behandelt.

Die Ergebnisse sind damit keine amtliche Statistik und keine Vollerhebung aller deutschen Notaufnahmen. Sie geben die Angaben der freiwillig teilnehmenden Einrichtungen an einem bestimmten Tag wieder.

45 Prozent zeitweise überlastet

Zur Bewertung der Situation nutzte die DGINA eine sechsstufige Skala zur Einschätzung der Auslastung von Notaufnahmen. 31,4 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen ordneten ihre Situation der Stufe 4 zu, die eine Überbelegung beziehungsweise Überlastung beschreibt. Weitere 8,1 Prozent meldeten eine schwerwiegende Überlastung der Stufe 5.

Bei 5,5 Prozent lag die Belastung auf der höchsten Stufe 6. Diese beschreibt eine kritische Überfüllung. Zusammen ergibt sich daraus ein Anteil von 45 Prozent der teilnehmenden Notaufnahmen, die am Stichtag mindestens zeitweise eine Überlastung der Stufen 4 bis 6 meldeten.

Nach Angaben zur Umfrage berichtete außerdem rund die Hälfte der teilnehmenden Notaufnahmen, dass sich ihre Belastungssituation innerhalb der vergangenen zwölf Monate weiter verschlechtert habe.

Die Fachgesellschaft verweist darauf, dass starke Überbelegung mit Risiken für eine zeitgerechte und individuell angemessene Versorgung verbunden sein kann. Die konkrete Versorgungslage kann sich allerdings von Krankenhaus zu Krankenhaus und auch innerhalb eines Tages deutlich unterscheiden.

Fehlende Betten bremsen den Abfluss aus der Notaufnahme

Eine zentrale Ursache liegt der Umfrage zufolge nicht allein im Zustrom neuer Patienten. Besonders problematisch ist der sogenannte Exit Block. Damit wird eine Situation bezeichnet, in der medizinisch bereits für eine stationäre Weiterbehandlung vorgesehene Patienten die Notaufnahme nicht verlassen können, weil auf den regulären Stationen keine geeigneten Betten verfügbar sind.

60,6 Prozent der teilnehmenden Häuser meldeten am Erhebungstag einen solchen Abflussstau. Dadurch bleiben Behandlungsplätze und Personal in der Notaufnahme länger gebunden, während gleichzeitig neue Patienten aufgenommen und untersucht werden müssen.

Dieses Problem beschäftigt die Notfallmedizin seit Jahren. Schon frühere DGINA-Erhebungen zeigten, dass fehlende stationäre Kapazitäten zu den wichtigsten Ursachen für überfüllte Notaufnahmen gehören.

Hinzu kommt die Personalsituation. Beinahe zwei Drittel der befragten Einrichtungen berichteten von unbesetzten Stellen im ärztlichen Dienst oder in der Pflege ihrer Notaufnahme. Nur knapp ein Drittel bewertete die jeweilige personelle Ausstattung als ausreichend. Bei den Fragen zu Personalengpässen und Ursachen waren Mehrfachnennungen möglich.

Belastungswerte niedriger als bei früheren Erhebungen

Die Überlastung der Notaufnahmen in Deutschland ist kein neues Phänomen. Bei einer DGINA-Blitzumfrage im Juli 2022 hatten 362 Notfallkliniken teilgenommen. Damals meldeten 65,7 Prozent eine Überlastung der Stufen 4 bis 6. 84 Prozent berichteten von einem Exit Block. Zudem gaben 98,6 Prozent der beteiligten Notaufnahmen Personalengpässe an.

Eine weitere Erhebung fand am 14. November 2023 statt. Daran beteiligten sich 389 Notfallkliniken. Damals meldeten 59,1 Prozent eine Überfüllung der Stufen 4 bis 6. 85,3 Prozent nannten fehlende Möglichkeiten zur Weiterverlegung auf Stationen als Ursache der Überlastung. Personalengpässe bestanden nach Angaben der Einrichtungen in 93,3 Prozent der Notfallabteilungen.

Der Anteil der gemeldeten Überlastung liegt in der neuen Erhebung mit 45 Prozent damit unter den Werten von 2022 und 2023. Daraus lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres eine entsprechend starke Verbesserung der Gesamtversorgung ableiten. Die Befragungen fanden zu unterschiedlichen Jahreszeiten und Stichtagen statt. Auch die genaue zeitliche Abfrage unterscheidet sich teilweise. Die Werte zeigen deshalb vor allem, dass Überlastung und Abflussprobleme weiterhin in einem erheblichen Teil der teilnehmenden Notaufnahmen auftreten.

Fachgesellschaften fordern verlässlichere Kapazitäten

Die DGINA fordert seit mehreren Jahren ein kontinuierliches Monitoring der Belastung in den Notaufnahmen. Krankenhäuser sollen außerdem verbindliche Konzepte entwickeln, mit denen Überfüllung möglichst verhindert oder zumindest frühzeitig begrenzt werden kann.

Zu den wiederholt erhobenen Forderungen gehören ausreichende personelle Ressourcen sowie verfügbare Bettenkontingente für Notfallpatienten auf Normalstationen, Intensivstationen und Intermediate-Care-Stationen. Die Fachgesellschaft sieht einen engen Zusammenhang zwischen funktionierenden stationären Kapazitäten und der Leistungsfähigkeit der Notaufnahme.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft drängt bei der geplanten Reform der Notfallversorgung auf eine aus ihrer Sicht ausreichende Finanzierung der Vorhaltekosten und klar geregelte Zuständigkeiten. Sie warnt davor, zusätzliche Aufgaben auf Krankenhäuser zu übertragen, ohne die dafür notwendigen Strukturen dauerhaft zu finanzieren.

Notfallreform befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren

Die Bundesregierung will die Akut- und Notfallversorgung neu organisieren. Der Bundestag hat den Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung am 9. Juli 2026 in erster Lesung beraten und anschließend an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Gesundheitsausschuss.

Am 9. September fand dort eine öffentliche Anhörung statt. Fachverbände, Ärzteschaft und Krankenhausvertreter unterstützten grundsätzlich das Ziel einer besseren Steuerung von Notfallpatienten, äußerten jedoch teilweise erhebliche Kritik an Finanzierung, Zuständigkeiten und möglichen Doppelstrukturen.

Kern des Entwurfs sind sogenannte Integrierte Notfallzentren. Sie sollen an geeigneten Krankenhäusern eine Notaufnahme, eine Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und eine gemeinsame Ersteinschätzung verbinden. Patienten sollen dadurch möglichst früh der medizinisch geeigneten Versorgung zugeordnet werden.

Daneben sollen die Rufnummer 116117 und die Rettungsleitstellen unter 112 digital stärker miteinander vernetzt werden. Für Akutfälle sind über die 116117 zudem telemedizinische und aufsuchende Angebote vorgesehen. Der Rettungsdienst soll im Recht der gesetzlichen Krankenversicherung stärker als eigenständige medizinische Leistung verankert werden.

Bis zum 22. September 2026 ist das Gesetz noch nicht vom Bundestag beschlossen. Nach der ersten Lesung und der öffentlichen Anhörung befindet sich der Entwurf weiter im parlamentarischen Verfahren. Die aktuellen Umfragedaten der DGINA zeigen unterdessen, dass die Probleme, die mit der Reform angegangen werden sollen, in zahlreichen Notaufnahmen weiterhin zum Alltag gehören.

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