
Der US-Chiphersteller Nvidia hat den finanziellen Spielraum für den Rückkauf eigener Aktien erheblich ausgeweitet. Der Verwaltungsrat genehmigte zusätzlich 150 Milliarden US-Dollar für das bestehende Aktienrückkaufprogramm. Damit steigt der noch zur Verfügung stehende Betrag auf insgesamt 235 Milliarden Dollar. Das Unternehmen will das verbleibende Programm bis einschließlich des Geschäftsjahres 2028 umsetzen.
Die Nvidia Aktienrückkäufe erreichen damit eine außergewöhnliche Größenordnung. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei der zusätzlichen Ermächtigung von 150 Milliarden Dollar um die bislang größte einzelne Aufstockung eines Aktienrückkaufprogramms. Reuters ordnete den Schritt ebenfalls als Rekord ein und verwies zum Vergleich auf Apples Erhöhung um 110 Milliarden Dollar im Jahr 2024.
Die nun genannten 235 Milliarden Dollar bedeuten nicht, dass Nvidia diese Summe unmittelbar am Aktienmarkt einsetzen muss. Eine Rückkauf-Ermächtigung schafft zunächst den Rahmen, innerhalb dessen das Unternehmen eigene Aktien erwerben kann.
Nvidia erklärte, das verbleibende Programm solle bis zum Geschäftsjahr 2028 ausgeführt werden. Da Nvidia ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr verwendet, reicht dieser Zeitraum bis Anfang 2028. Einen detaillierten Zeitplan für einzelne Käufe nannte das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Vorstandschef Jensen Huang verwies bei der Ankündigung auf die hohe Mittelgenerierung des Unternehmens. Diese ermögliche Nvidia nach seiner Darstellung sowohl Investitionen in neue Technologien als auch Kapitalrückflüsse an die Aktionäre. Die zusätzliche Ermächtigung bezeichnete er als Ausdruck des Vertrauens des Unternehmens in seine langfristigen Geschäftsmöglichkeiten.
Der Umfang des neuen Programms steht vor dem Hintergrund stark gestiegener Umsätze und Gewinne. Im zweiten Geschäftsquartal 2027, das am 26. Juli 2026 endete, erzielte Nvidia einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar. Das waren 106 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein das Geschäft mit Rechenzentren kam auf 89 Milliarden Dollar und wuchs im Jahresvergleich um 117 Prozent.
Der Nettogewinn nach US-Rechnungslegung erreichte im Quartal knapp 59,7 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erwirtschaftete Nvidia einen operativen Mittelzufluss von rund 24,1 Milliarden Dollar und einen freien Cashflow von etwa 21,3 Milliarden Dollar.
Einen erheblichen Teil dieser Mittel gibt das Unternehmen bereits an seine Aktionäre zurück. Im zweiten Quartal waren es rund 26 Milliarden Dollar durch Aktienrückkäufe und Dividenden. Davon entfielen nach Unternehmensangaben rund 20 Milliarden Dollar auf den Rückkauf eigener Aktien. Ende Juli bestanden noch Rückkauf-Ermächtigungen von rund 99 Milliarden Dollar.
Allein im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 kaufte Nvidia nach Angaben im Quartalsbericht rund 203 Millionen eigene Aktien für insgesamt etwa 39,8 Milliarden Dollar zurück. Bereits im Mai hatte der Verwaltungsrat eine zusätzliche Rückkauf-Ermächtigung über 80 Milliarden Dollar beschlossen.
An der Börse wurde die neue Rückkauf-Ermächtigung zunächst positiv aufgenommen. Vor Handelsbeginn in den USA hatte die Nvidia-Aktie zeitweise rund 1,8 Prozent zugelegt. Reuters meldete später im vorbörslichen Handel noch ein Plus von etwa 0,8 Prozent.
Nach dem Start des regulären Handels weitete sich der Anstieg wieder aus. Gegen 20:10 Uhr deutscher Zeit notierte die Aktie bei rund 230 Dollar und damit gut zwei Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag von 225,07 Dollar. Im Tagesverlauf waren Kurse von mehr als 233 Dollar erreicht worden.
Damit entwickelte sich Nvidia am Montag stärker als Teile des breiteren US-Aktienmarktes, der unter anderem durch höhere Ölpreise und steigende Anleiherenditen belastet wurde.
Bei einem Aktienrückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Anteilsscheine am Markt oder über andere zulässige Transaktionen. Werden diese Aktien anschließend eingezogen oder dauerhaft als eigene Aktien gehalten, kann sich die Zahl der am Markt befindlichen Papiere reduzieren. Rechnerisch kann dadurch beispielsweise der Gewinn je verbleibender Aktie steigen, sofern andere Faktoren unverändert bleiben.
Die Genehmigung verpflichtet Nvidia allerdings nicht dazu, die gesamten 235 Milliarden Dollar auszugeben. Im jüngsten Quartalsbericht erklärte das Unternehmen, Rückkäufe könnten abhängig von Marktbedingungen, betrieblichen Anforderungen und anderen Investitionsmöglichkeiten vorgenommen werden. Das Programm könne zudem nach Ermessen des Unternehmens ausgesetzt werden.
Parallel zu den Rückkäufen investiert Nvidia weiterhin erhebliche Summen in sein Geschäft und andere Unternehmen. Ende Juli verfügte der Konzern über rund 22,4 Milliarden Dollar an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten sowie über rund 34,1 Milliarden Dollar an handelbaren Schuldpapieren. Hinzu kamen handelbare Beteiligungspapiere im Wert von rund 42,8 Milliarden Dollar.
Die neue Rückkauf-Ermächtigung zeigt damit vor allem, welchen finanziellen Spielraum das starke Wachstum im Geschäft mit KI-Rechenzentren Nvidia inzwischen eröffnet hat. Wie schnell und zu welchen Kursen der Konzern die zusätzlich genehmigten Milliarden tatsächlich für eigene Aktien einsetzt, ist durch die Ermächtigung noch nicht festgelegt.






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