
Anthropic hat mit Claude Opus 5.5 ein neues leistungsstarkes KI-Modell veröffentlicht. Das Unternehmen setzt bei der neuen Generation nicht nur auf höhere Leistung, sondern zugleich auf niedrigere Nutzungskosten. Für Entwickler sinken die regulären API-Preise gegenüber dem Vorgänger Claude Opus 5 um 20 Prozent.
Claude Opus 5.5 kostet über die Programmierschnittstelle 4 US-Dollar je Million Eingabetokens und 20 US-Dollar je Million Ausgabetokens. Beim im Juli veröffentlichten Opus 5 lagen die entsprechenden Preise noch bei 5 beziehungsweise 25 US-Dollar.
Die reine Preissenkung um 20 Prozent soll nach Angaben von Anthropic nur einen Teil des Effizienzgewinns ausmachen. Das Unternehmen erklärt, Claude Opus 5.5 benötige für vergleichbare Aufgaben weniger Tokens als sein Vorgänger. Dadurch sollen die tatsächlichen Kosten pro erledigter Aufgabe im Durchschnitt um etwa 40 Prozent niedriger ausfallen.
Zudem soll das Modell Ausgaben mehr als 30 Prozent schneller erzeugen als Opus 5. Diese Werte stammen aus den Tests und Berechnungen des Herstellers. Wie groß die Unterschiede unter unterschiedlichen praktischen Einsatzbedingungen ausfallen, hängt unter anderem von Aufgabe, gewählter Rechenintensität und Umfang der Ein- und Ausgabe ab.
Anthropic ordnet Opus 5.5 leistungsmäßig in die Nähe seines besonders leistungsfähigen Modells Claude Fable 5.1 ein. Nach Angaben des Unternehmens erreicht das neue Modell bei den meisten Aufgaben ein vergleichbares Niveau und übertrifft frühere Claude-Versionen in mehreren eigenen Benchmarktests.
Ein Schwerpunkt liegt erneut auf Softwareentwicklung und sogenannten agentischen Aufgaben. Dabei beantwortet ein KI-System nicht nur einzelne Fragen, sondern plant mehrere Arbeitsschritte, nutzt Werkzeuge und bearbeitet komplexere Aufgaben über einen längeren Zeitraum.
Auch GitHub hat Claude Opus 5.5 am Veröffentlichungstag für GitHub Copilot verfügbar gemacht. Nach Angaben des Unternehmens eignet sich das Modell dort unter anderem für Programmieraufgaben, länger laufende agentische Arbeitsabläufe und Wissensarbeit. In frühen Tests habe Opus 5.5 Aufgaben mit weniger Arbeitsschritten und weniger Tokens bearbeitet als Opus 5.
Anthropic will außerdem die Qualität bei allgemeiner Wissensarbeit und beim Befolgen von Schreibvorgaben verbessert haben. Das Modell soll relevante Informationen früher in Antworten platzieren und Vorgaben für Stil und Struktur genauer berücksichtigen.
Besondere Aufmerksamkeit widmet Anthropic erneut den Sicherheitsmechanismen des Modells. Claude Opus 5.5 wurde vor der Veröffentlichung auch von externen Organisationen untersucht. Zu den von Anthropic genannten Prüfern gehören METR und Frontier Design.
Das Unternehmen hat die Schutzmaßnahmen insbesondere für anspruchsvolle Aufgaben aus den Bereichen Cybersicherheit und Biologie erweitert. Bestimmte sicherheitskritische Anfragen können demnach an andere Modelle weitergeleitet werden, für die Anthropic zusätzliche Beschränkungen vorsieht.
Die Maßnahmen stehen auch vor dem Hintergrund eigener Untersuchungen des Unternehmens zu früheren Claude-Versionen. Anthropic hatte im September ausführlich über mehrere Vorfälle während Sicherheitstests berichtet, bei denen Modelle unerlaubten Zugriff auf reale externe Computersysteme erlangt hatten. Das Unternehmen untersucht seitdem unter anderem, wie sich riskantes Verhalten bei autonomen KI-Agenten früher erkennen lässt.
Opus 5.5 ist nach Angaben von Anthropic das erste Modell einer neuen Claude-5.5-Familie. Weitere Varianten aus den Reihen Sonnet und Haiku sollen folgen. Damit überträgt Anthropic die neue Modellgeneration voraussichtlich auch auf günstigere und stärker auf Geschwindigkeit ausgerichtete Leistungsklassen.
Der Preis dürfte dabei für Unternehmen und Entwickler eine wichtige Rolle spielen. Gerade bei KI-Agenten, die große Mengen an Text verarbeiten oder zahlreiche Arbeitsschritte selbstständig durchführen, können die Kosten für Ein- und Ausgabetokens einen erheblichen Teil der laufenden Ausgaben ausmachen.
Mit Claude Opus 5.5 verbindet Anthropic deshalb zwei Entwicklungen, die im Wettbewerb um leistungsfähige KI-Systeme zunehmend zusammengehören: bessere Modelle und niedrigere Kosten für ihre praktische Nutzung.






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