
Papst Leo XIV. setzt am Samstag seinen ersten Frankreich-Besuch seit Beginn seines Pontifikats fort. Papst Leo XIV. in Frankreich verbindet dabei politische, gesellschaftliche und kirchliche Termine. Nach dem Auftakt in Paris am Freitag stehen am zweiten Reisetag soziale Begegnungen, Gespräche mit französischen Katholiken und eine große Messe im Zentrum der Hauptstadt auf dem Programm. Am Abend soll der Papst nach Lourdes weiterreisen. Die insgesamt viertägige apostolische Reise dauert bis Montag, 28. September.
Der viel beachtete Empfang im Élysée-Palast hatte bereits am Freitag stattgefunden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron begrüßten Leo XIV. dort offiziell. Zuvor war der Papst am Flughafen Paris-Orly angekommen. Der Élysée-Palast bestätigte den gemeinsamen Empfang ausdrücklich. Anschließend führten Macron und Leo XIV. ein persönliches Gespräch, bevor der Papst vor Vertretern staatlicher Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps sprach.
Der Besuch beim französischen Präsidenten war der politische Auftakt der Reise. Nach Angaben des Vatikans wurde Leo XIV. bei seiner Ankunft im Élysée mit militärischen Ehren empfangen. Es folgten ein offizielles Foto, ein Austausch von Geschenken und das Gespräch mit Macron. Auch Mitglieder der Familie wurden dem Papst vorgestellt.
In seiner anschließenden Rede griff Leo XIV. unter anderem Frieden, Multilateralismus, technologische Entwicklung und den Schutz der Menschenwürde auf. Zudem äußerte er die Positionen der katholischen Kirche zu bioethischen Fragen. Gegenüber den französischen Institutionen sprach er sich für Dialog und Diplomatie aus und setzte sich mit dem französischen Verständnis von Laizität auseinander. Macron wiederum betonte bei dem Treffen die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit und den Dialog zwischen Staat und Religion.
Die Gespräche haben auch deshalb eine besondere politische Dimension, weil Frankreich einen ausgeprägten verfassungsrechtlichen Grundsatz der Trennung von Staat und Religion kennt. Zugleich unterhalten Frankreich und der Heilige Stuhl diplomatische Beziehungen. Der Élysée-Palast ordnete den Papstbesuch ausdrücklich in diese traditionellen Beziehungen ein.
Nach dem Élysée-Termin besuchte Leo XIV. am Freitagnachmittag den Hauptsitz der UNESCO in Paris. Dort sprach er vor Vertretern der Organisation über internationale Zusammenarbeit, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Frieden. Der Papst warnte vor einer Schwächung multilateraler Institutionen und stellte die Menschenwürde als Maßstab für technischen und gesellschaftlichen Fortschritt heraus.
Danach führte die Reise in die Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dort feierte Leo XIV. die Vesper mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen. Es war zugleich der erste Besuch eines Papstes in der Kathedrale seit dem verheerenden Brand von 2019 und der anschließenden Wiedereröffnung. Der letzte Papstbesuch in Paris vor Leo XIV. war der Besuch Benedikts XVI. im Jahr 2008.
Am Abend folgte eine Gebetsvigil mit Jugendlichen im Stade de France in Saint-Denis. Vatican News berichtete von rund 80.000 jungen Teilnehmern.
Am Samstag begann das offizielle Programm um 9 Uhr in der Maison Bakhita in Paris. Das kirchliche Zentrum unterstützt Menschen unter anderem bei Integration, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Leo XIV. würdigte dort die Arbeit von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen sowie die Aufnahme und Begleitung von Menschen, die Unterstützung benötigen.
Um 10.15 Uhr folgte am Institut Catholique de Paris eine Begegnung mit Mitgliedern der Provinzialsynode sowie mit Taufbewerbern und Neugetauften. Der Termin knüpft auch an die Entwicklung steigender Erwachsenentaufen in Teilen der französischen katholischen Kirche an.
Am Nachmittag feierte der Papst auf der Place de la Concorde eine große Messe. Leo XIV. stellte in seiner Predigt den christlichen Glauben und die Suche des Menschen nach Sinn in den Mittelpunkt. Der Gottesdienst bildete den Abschluss der großen öffentlichen Termine des Papstes in Paris.
Nach dem offiziellen Reiseplan ist für 17.45 Uhr der Abflug von Paris-Orly in Richtung Lourdes vorgesehen. Die Ankunft am Flughafen Tarbes-Lourdes-Pyrénées ist für 19.05 Uhr angesetzt. Um 19.40 Uhr soll Leo XIV. an der Grotte von Massabielle im Marienheiligtum von Lourdes beten.
Am Sonntag bleibt der Papst in Lourdes. Dort trifft er am Vormittag die französischen Bischöfe. Anschließend ist eine Messe auf dem Gelände des Wallfahrtsortes vorgesehen. Am Nachmittag stehen eine Begegnung mit Mitarbeitern und Kranken im Accueil Notre Dame sowie ein privater Besuch bei kontemplativen Ordensfrauen auf dem Programm. Der Tag soll mit Rosenkranz und Lichterprozession enden.
Lourdes gehört zu den bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorten Europas. Der Ort ist mit den von der katholischen Kirche anerkannten Marienerscheinungen von 1858 verbunden und zieht jedes Jahr Pilger aus zahlreichen Ländern an.
Die letzte Etappe der Reise führt Leo XIV. am Montag nach Metz im Nordosten Frankreichs. Dort sind ein interreligiöses Treffen und eine Veranstaltung unter dem Leitgedanken der europäischen Wurzeln, des Friedens und der Einheit geplant. Metz ist eng mit Robert Schuman verbunden, einem der prägenden Politiker der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Am Nachmittag soll Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne eine Messe feiern. Die Abschiedszeremonie ist für 18.30 Uhr vorgesehen, anschließend soll der Papst nach Rom zurückkehren.
Die Reise verbindet damit mehrere Ebenen: diplomatische Gespräche mit der französischen Staatsführung, eine Rede bei der UNESCO, Begegnungen mit der katholischen Kirche und Jugendlichen, soziale Themen sowie die Wallfahrt nach Lourdes. Für Leo XIV. ist es der erste Besuch Frankreichs als Papst und nach Angaben von Vatican News seine fünfte internationale apostolische Reise seit Beginn seines Pontifikats.
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