
Deutschlands Schülerinnen und Schüler haben bei der internationalen Bildungsstudie PISA so schwach abgeschnitten wie in keiner vorherigen Erhebung. Die am 8. September veröffentlichten Ergebnisse zeigen neue Tiefstwerte in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Damit setzt sich ein Leistungsrückgang fort, der bereits seit mehreren PISA-Runden zu beobachten ist. Auch im internationalen Vergleich hat Deutschland seinen früheren Vorsprung gegenüber dem Durchschnitt der OECD-Staaten weitgehend verloren.
Bei PISA 2025 in Deutschland erreichten die 15-Jährigen durchschnittlich 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 Punkte beim Lesen und 464 Punkte in Mathematik. In allen drei Bereichen sind dies die niedrigsten Werte, die seit Beginn der deutschen Teilnahme an der Studie gemessen wurden. Naturwissenschaften bildeten 2025 den Schwerpunkt der Untersuchung.
Im Vergleich zur PISA-Runde 2022 verschlechterten sich die Ergebnisse vor allem beim Lesen und in Mathematik. Damals hatten die Jugendlichen noch 480 Punkte in der Lesekompetenz und 475 Punkte in Mathematik erreicht. Das entspricht innerhalb von drei Jahren einem Rückgang um 15 beziehungsweise elf Punkte. In Naturwissenschaften sank der Wert von 492 auf 486 Punkte. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Der Rückgang ist allerdings kein ausschließlich deutsches Phänomen. Auch im Durchschnitt der OECD-Staaten gingen die Ergebnisse weiter zurück. In Mathematik sank der OECD-Mittelwert zwischen 2022 und 2025 um neun Punkte, beim Lesen um rund 14 Punkte. Die naturwissenschaftlichen Leistungen blieben im Durchschnitt dagegen weitgehend stabil. Deutschland liegt inzwischen in allen drei klassischen PISA-Bereichen nahe am OECD-Mittelwert.
Das markiert eine deutliche Veränderung gegenüber früheren Jahren. Nach schwachen Ergebnissen bei der ersten PISA-Runde um die Jahrtausendwende hatte sich Deutschland zunächst verbessert. In den folgenden Jahren lagen die Leistungen zeitweise deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Seit etwa einem Jahrzehnt zeigt die Entwicklung jedoch wieder nach unten.
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf die sogenannten Basiskompetenzen. In Mathematik erreichen noch 66 Prozent der Jugendlichen mindestens Kompetenzstufe 2. Damit liegt rund ein Drittel darunter. Beim Lesen schaffen etwa 68 Prozent dieses Mindestniveau. In Naturwissenschaften erreichen rund 73 Prozent mindestens Kompetenzstufe 2.
Das deutsche PISA-Team fasst die Entwicklung noch weiter zusammen: Rund ein Fünftel der getesteten 15-Jährigen erreicht in keinem der drei Bereiche ausreichende Basiskompetenzen. Im Vergleich zu 2015 ist der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler deutlich gewachsen. In Mathematik erhöhte er sich um 17 Prozentpunkte, beim Lesen um 15 Prozentpunkte und in Naturwissenschaften um zehn Prozentpunkte.
Gleichzeitig ist auch die Gruppe der besonders leistungsstarken Jugendlichen kleiner geworden. In Mathematik erreichen acht Prozent der Schülerinnen und Schüler die höchsten Kompetenzstufen 5 oder 6. In Naturwissenschaften sind es neun Prozent, beim Lesen sieben Prozent. Lediglich drei Prozent gehören in allen drei Bereichen zur höchsten Leistungsgruppe.
Ein weiteres Ergebnis betrifft die Verbindung zwischen schulischer Leistung und sozialer Herkunft. In Deutschland erklärte der sozioökonomische Status bei PISA 2025 rund 19 Prozent der Unterschiede bei den naturwissenschaftlichen Leistungen. Im OECD-Durchschnitt waren es zwölf Prozent. Der Abstand zwischen sozioökonomisch begünstigten und benachteiligten Jugendlichen lag in diesem Bereich bei 125 Punkten, der entsprechende OECD-Durchschnitt bei 85 Punkten.
Der Unterschied zeigt sich auch an der Spitze des Leistungsspektrums. Nach der deutschen Auswertung erreichen nur etwa zwei Prozent der Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien hohe naturwissenschaftliche Kompetenzen. Bei Schülerinnen und Schülern aus privilegierteren Familien sind es rund 25 Prozent. Seit 2015 hat sich die Leistungslücke zwischen diesen Gruppen in Deutschland vergrößert.
Diese Zahlen erlauben allerdings keine einfache Aussage über eine einzelne Ursache für Deutschlands Leistungsentwicklung. PISA erfasst Kompetenzen und zahlreiche persönliche, schulische und soziale Merkmale. Daraus lassen sich statistische Zusammenhänge ableiten, nicht automatisch eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
PISA steht für Programme for International Student Assessment und wird von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung koordiniert. Untersucht werden in der Regel alle drei Jahre die Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler. Dabei geht es weniger um konkreten Schulstoff als darum, Wissen auf Probleme und Alltagssituationen übertragen zu können.
An der Erhebung 2025 nahmen weltweit rund 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. In Deutschland wurden rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen repräsentativ ausgewählt. Damit war PISA 2025 international die bislang größte Erhebungsrunde.
Die internationale Spitzengruppe liegt weiterhin deutlich vor Deutschland. Besonders hohe Werte erreichen mehrere asiatische Bildungssysteme. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass auch wirtschaftlich ähnlich aufgestellte OECD-Staaten wie Estland, Kanada, die Schweiz oder Österreich in wichtigen Bereichen besser abschneiden. Das deutsche Ergebnis ist deshalb nicht nur Teil eines allgemeinen internationalen Rückgangs. Es bestätigt zugleich einen längerfristigen nationalen Abwärtstrend, der inzwischen alle drei klassischen PISA-Kompetenzbereiche erfasst.
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