Nach dem 0:5 wächst bei Gladbach der Druck auf Polanski

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Borussia Mönchengladbach steht nach einem Fehlstart in die Bundesliga-Saison 2026/27 vor einer offenen Trainerfrage. Nach der 0:5-Niederlage beim SC Freiburg vermied Sportchef Rouven Schröder am Samstag ein ausdrückliches Bekenntnis zu Eugen Polanski. Eine Trennung vom 40 Jahre alten Cheftrainer war am Abend allerdings ebenso wenig offiziell bestätigt wie Gespräche mit einem möglichen Nachfolger. Gladbach steht nach drei Spieltagen ohne Punkt am Tabellenende und hat bereits zwölf Gegentore kassiert.

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Anders als teilweise dargestellt, ist nicht der frühere Geschäftsführer Sport Roland Virkus für die aktuelle sportliche Leitung verantwortlich. Virkus schied bereits im Herbst 2025 aus seiner Funktion aus. Sein Nachfolger Rouven Schröder entscheidet inzwischen gemeinsam mit der Vereinsführung über die sportliche Ausrichtung.

Schröder vermeidet klares Bekenntnis zu Polanski

Schröder wurde nach dem Spiel bei Sky Sport konkret gefragt, ob Polanski auch beim nächsten Bundesligaspiel gegen Mainz auf der Bank sitzen werde. Seine Antwort fiel bewusst offen aus. Die von SPORT1 dokumentierte Reaktion lautete: Das ist die berühmte Frage. Anschließend kündigte Schröder an: Wir werden in uns gehen.

Nach Angaben von Sky Sport soll die Situation nun gemeinsam mit Polanski, Teilen der Mannschaft und dem Mannschaftsrat ausgewertet werden. Schröder erklärte, es gehe darum zu prüfen, ob man so weitermachen wolle in der Form. Zugleich stellte er klar, dass Borussia dringend Punkte benötige und die Frage nicht allein an einzelnen Personen festgemacht werden dürfe.

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Der Sportchef bezeichnete die Leistung in Freiburg als nicht ausreichend und verwies auf die Bilanz von null Punkten aus drei Ligaspielen. Eine Entscheidung über Polanskis Zukunft verkündete er am Samstagabend nicht. Auch von den Geschäftsführern Stefan Stegemann oder Markus Aretz lag bis 21.30 Uhr keine öffentlich dokumentierte Erklärung vor, in der Polanski entweder ausdrücklich bestätigt oder seine Ablösung angekündigt wurde.

Polanski selbst trat nach der Niederlage nicht zurück. BILD berichtete am Samstag, der Trainer habe sich weiter kämpferisch gezeigt und offene Gespräche innerhalb des Klubs eingefordert. Eine darüber hinausgehende Entscheidung des Trainers wurde nicht bekannt.

Matthäus hält Trainerposition für stark gefährdet

Deutlicher äußerten sich mehrere TV-Experten. Lothar Matthäus sagte am Samstagabend bei Sky, bei Gladbach herrsche mit Blick auf den Trainer ein Sturm. Polanskis Position sei aus seiner Sicht stark gefährdet. SPORT1 dokumentierte zudem seine Einschätzung, es bleibe dem Verein nicht mehr viel Zeit, über die Trainerfrage nachzudenken.

Auch Dietmar Hamann und Erik Meijer äußerten bei Sky Zweifel daran, dass Polanski im Amt bleiben werde. Dabei handelt es sich um Einschätzungen der Experten, nicht um Entscheidungen oder Aussagen des Vereins.

Drei Spiele, null Punkte und 3:12 Tore

Sportlich ist der Start in die Saison eindeutig. Borussia verlor am ersten Spieltag mit 0:3 bei RB Leipzig. Eine Woche später folgte zu Hause ein 3:4 gegen Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg, obwohl Gladbach zwischenzeitlich mit 3:1 geführt hatte. Am Samstag verlor die Mannschaft schließlich mit 0:5 beim SC Freiburg. Damit stehen nach drei Spieltagen null Punkte und ein Torverhältnis von 3:12 zu Buche.

Nach Abschluss der Samstagsspiele lag Borussia auf dem letzten Tabellenplatz. Freiburg übernahm mit dem dritten Sieg im dritten Spiel zunächst die Tabellenführung.

Im DFB-Pokal hatte Gladbach die Saison dagegen erfolgreich eröffnet. Beim Oberligisten TSV Schott Mainz gewann das Team in der ersten Runde mit 5:0.

Polanski holte in 31 Ligaspielen 37 Punkte

Eugen Polanski übernahm die Profimannschaft im September 2025 zunächst interimsweise nach der Trennung von Gerardo Seoane. Im November stattete Borussia ihn mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2028 aus. Nach zwischenzeitlichen Erfolgen wurde aus der Übergangslösung damit eine langfristige Entscheidung.

Das DFB-Datencenter weist für Polanski bis zum Ende der Saison 2025/26 insgesamt 31 Bundesligaspiele als Gladbacher Cheftrainer aus. Seine Bilanz lautete neun Siege, zehn Unentschieden und zwölf Niederlagen. Das entspricht 37 Punkten. Mit den drei Niederlagen zu Beginn der neuen Saison kommt er damit auf 34 Bundesligaspiele und weiterhin 37 Punkte.

Gladbach schloss die vergangene Saison mit insgesamt 38 Punkten auf Rang zwölf ab. Ein Punkt war noch unter Seoane geholt worden. Polanskis Mannschaft sicherte den Klassenerhalt erst in der Schlussphase der Saison. Seine Zukunft wurde anschließend intern intensiv diskutiert. Ende Mai erklärte Schröder schließlich öffentlich, man habe gemeinsam entschieden, mit Polanski als Cheftrainer weiterzumachen. Gleichzeitig kündigte er Veränderungen sowohl im Kader als auch im Trainerteam an.

Polanski kennt Borussia seit seiner Jugend

Polanski wurde am 17. März 1986 im polnischen Sosnowiec geboren und ist 40 Jahre alt. Bereits 1994 wechselte er als Jugendspieler zu Borussia Mönchengladbach. Für die Profimannschaft absolvierte er laut DFB 44 Bundesligaspiele. Später spielte der defensive Mittelfeldspieler unter anderem für den FC Getafe, Mainz 05 und Hoffenheim. Für Polen bestritt er Länderspiele und nahm an der Europameisterschaft 2012 teil.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn kehrte Polanski als Trainer zur Borussia zurück. Ab 2019 arbeitete er im Nachwuchsbereich, 2022 übernahm er die U23. Von dort rückte er im September 2025 zur Bundesligamannschaft auf. Seine aktuelle Aufgabe ist seine erste Cheftrainerstation im Profifußball.

Umbruch im Kader und mehrere schwere Verletzungen

Schröder hatte nach der vergangenen Saison einen personellen Umbau angekündigt. Im Sommer verließen unter anderem Rocco Reitz in Richtung RB Leipzig, Nico Elvedi zu Leeds United und Nathan Ngoumou zu OGC Nizza den Verein. Hinzu kamen weitere Abgänge und ausgelaufene Leihen. Neu verpflichtet wurden unter anderem Enzo Leopold von Hannover 96, Yukhym Konoplya von Schachtar Donezk, Daiki Hashioka von Slavia Prag, David Herold vom Karlsruher SC und Isac Lidberg von Darmstadt 98. Hugo Bolin wurde nach seiner Leihe fest verpflichtet. Kurz vor Ende der Transferperiode kam Nicolas Kühn auf Leihbasis von Como.

Die Kaderplanung wurde früh von erheblichen Verletzungsproblemen getroffen. Jens Castrop musste nach einer Schulterverletzung operiert werden und fällt mehrere Monate aus. Neuzugang Enzo Leopold erlitt Anfang September einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Yukhym Konoplya fehlte mit einem Innenbandanriss. Auch Daiki Hashioka stand wegen Nackenproblemen nicht zur Verfügung.

Hinzu kam Nicolas Kühn. Der am letzten Transfertag verpflichtete Offensivspieler zog sich bei seinem Bundesligadebüt gegen Elversberg einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zu und soll mehrere Wochen fehlen. Damit waren nach dem zweiten Spieltag bereits fünf Spieler verletzt, darunter vier Sommerzugänge.

Keine belastbar bestätigte Nachfolgerliste

Konkrete Verhandlungen mit einem anderen Trainer waren bis Samstagabend nicht bestätigt. Kasper Hjulmand wurde beispielsweise auf dem Portal BMG-News als mögliche Option thematisiert. Ausgangspunkt war dort allerdings keine Information aus dem Verein, sondern eine Diskussion mit dem Gladbach-Anhänger und Comedian Serdar Somuncu. Daraus ergibt sich kein belastbarer Hinweis auf Gespräche zwischen Hjulmand und Borussia.

Bereits nach der vergangenen Saison hatte GladbachLive berichtet, Schröder habe sich während der damaligen internen Traineranalyse mit möglichen Alternativen beschäftigt. Genannt wurden Domenico Tedesco und Sandro Schwarz. Diese Angaben stammten aus dem Mai und bezogen sich auf die damalige Entscheidung über Polanskis Verbleib. Ein aktuelles Angebot oder neue Gespräche mit diesen Trainern sind daraus nicht abzuleiten.

Damit war am Samstagabend offiziell weder ein Nachfolger bestimmt noch eine aktuelle Kandidatenliste bestätigt.

Sportlicher Druck trifft auf begrenzten finanziellen Spielraum

Die Trainerdiskussion fällt in eine Phase, in der Borussia auch wirtschaftlich vorsichtig handeln muss. Geschäftsführer Stefan Stegemann hatte auf der Mitgliederversammlung im April für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 189,31 Millionen Euro und einen Verlust nach Steuern von knapp vier Millionen Euro bekanntgegeben. Schon 2024 hatte der Klub einen Fehlbetrag ausgewiesen. Gleichzeitig wurden die Personalkosten von 98,5 auf 94,6 Millionen Euro reduziert.

Der Verein erhielt die Lizenz für die Saison 2026/27 zwar ohne Bedingungen oder Auflagen. Dennoch war bereits im Frühjahr klar, dass Schröder die Kosten weiter kontrollieren und gleichzeitig den Kader verändern sollte.

Sportlich fehlt nach drei Niederlagen nun der geplante Neustart. Polanski hatte im Mai ausdrücklich das Vertrauen für eine komplette Vorbereitung und die neue Saison erhalten. Weniger als vier Monate später steht Borussia wieder am Tabellenende. Das 0:5 in Freiburg hat deshalb nicht automatisch eine Trainerentlassung ausgelöst, aber die zuvor klar beantwortete Trainerfrage ist wieder offen.

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