Polens Wirtschaft wächst kräftig: Firmen drängen nach Deutschland

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Polnische Unternehmen bauen ihre Aktivitäten in Deutschland aus. Besonders sichtbar wird die Entwicklung im grenznahen Brandenburg. Dort sind nach Angaben von rbb24 inzwischen 19 größere polnische Unternehmen aktiv. Die Wirtschaftsförderung Brandenburg zählt Polen mit 21 begleiteten Ansiedlungen zu den fünf wichtigsten internationalen Investoren des Bundeslandes. Hinter der Expansion steht auch ein deutlicher Unterschied bei der wirtschaftlichen Dynamik: Während Polen kräftig wächst, kommt die deutsche Wirtschaft nur langsam voran.

Polnische Unternehmen in Brandenburg werden sichtbarer

Die Nähe zur Grenze macht Brandenburg für Unternehmen aus dem Nachbarland zu einem naheliegenden Ausgangspunkt für den deutschen Markt. Das zeigt sich inzwischen in sehr unterschiedlichen Branchen. Dazu gehören Bauunternehmen ebenso wie Firmen aus Medizin, Chemie, Dienstleistungen und IT.

Ein aktuelles Beispiel ist der polnische Baukonzern Budimex. Das Unternehmen ist unter anderem an Brückenprojekten in Brandenburg und Berlin beteiligt. In Brandenburg an der Havel laufen derzeit Arbeiten an der Quenzbrücke. Die Stadt bestätigte im September laufende Spundwand- und Ankerarbeiten an dem Bauwerk. Budimex will sein Geschäft in Deutschland weiter ausbauen und ist nach Angaben von rbb24 bereits an mehreren Brückenprojekten in der Hauptstadtregion beteiligt.

Dabei ersetzen polnische Firmen nicht zwangsläufig regionale Unternehmen. Bei größeren Bauprojekten werden auch deutsche Subunternehmen eingebunden. Der grenzüberschreitende Wettbewerb führt damit teilweise zu neuen Aufträgen für Firmen auf beiden Seiten der Oder.

Übernahmen sichern bestehende Standorte

Die Expansion erfolgt nicht nur über neue Niederlassungen oder öffentliche Aufträge. Polnische Unternehmen haben auch bestehende Betriebe in Brandenburg übernommen.

Ein belegtes Beispiel findet sich in Eberswalde. Der Wäschereibetrieb Targatz wurde 2016 vom polnischen Unternehmen Hollywood Textile Service übernommen. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung Brandenburg konnte der Standort dadurch erhalten werden. Heute arbeiten dort mehr als 60 Beschäftigte. Ebenfalls im Barnim aktiv ist der polnische Medizinproduktehersteller TZMO, der seit mehr als 20 Jahren in Biesenthal vertreten ist und dort rund 130 Menschen beschäftigt.

Auch im Chemiesektor bestehen polnische Beteiligungen. ATT Polymers in Guben gehört zur polnischen Grupa Azoty. Die Wirtschaftsförderung der Hauptstadtregion führt das Werk als Unternehmen der regionalen Kunststoff- und Chemieindustrie.

Die Zahl von 19 größeren polnischen Unternehmen in Brandenburg stammt aus einer aktuellen Erhebung, über die rbb24 berichtet. Die Wirtschaftsförderung Brandenburg verwendet eine andere Abgrenzung und nennt 21 Ansiedlungen aus Polen. Beide Zahlen beschreiben daher nicht zwingend dieselbe Unternehmensgruppe.

Polen wächst deutlich schneller als Deutschland

Der wirtschaftliche Hintergrund ist ungewöhnlich eindeutig. Polens reales Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 nach Angaben des staatlichen Statistikamtes GUS um 3,6 Prozent. Bereits 2024 hatte das Plus bei 3,0 Prozent gelegen. Besonders deutlich legten 2025 unter anderem Industrie sowie Handel und Reparaturdienstleistungen zu. Die polnische Binnennachfrage stieg real um 4,0 Prozent.

Auch 2026 setzte sich die Entwicklung fort. Im zweiten Quartal lag das polnische Bruttoinlandsprodukt real 3,9 Prozent über dem Vorjahresquartal. Saisonbereinigt wuchs die Wirtschaft gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres um 1,0 Prozent.

Deutschland wächst erheblich langsamer. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lediglich um 0,2 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 lag die Wirtschaftsleistung zwar 1,0 Prozent über dem Vorjahresquartal. Gegenüber dem ersten Quartal lag das saison- und kalenderbereinigte Plus aber nur bei 0,3 Prozent.

Damit entwickelt sich die polnische Volkswirtschaft derzeit erheblich dynamischer als die deutsche.

Deutschland bleibt für Polen ein zentraler Absatzmarkt

Trotz des Wachstumsunterschieds bleibt Deutschland für polnische Firmen wirtschaftlich besonders attraktiv. Der deutsche Markt ist deutlich größer und beide Volkswirtschaften sind eng miteinander verflochten.

Nach Daten von Eurostat gingen 2025 rund 27 Prozent der polnischen Warenausfuhren nach Deutschland. Deutschland war damit mit Abstand einer der wichtigsten Absatzmärkte für polnische Unternehmen. Nur wenige EU-Staaten sind bei ihren Exporten noch stärker vom deutschen Markt abhängig.

Auch Brandenburg profitiert von dieser Nähe. Die Wirtschaftsförderung des Landes bezeichnet Polen als wichtigsten Handelspartner Brandenburgs. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten Berlin und Brandenburg zugleich ein deutliches Plus im Handel mit Polen. Die Brandenburger Exporte insgesamt stiegen in diesem Zeitraum nach Angaben der IHKs um acht Prozent.

Die gemeinsame EU-Mitgliedschaft erleichtert Unternehmen den Schritt über die Grenze zusätzlich. Waren, Dienstleistungen und Kapital können innerhalb des Binnenmarktes weitgehend ohne klassische Handelsbarrieren bewegt werden.

Expansion ist Teil einer breiteren wirtschaftlichen Verschiebung

Der Trend bedeutet nicht, dass polnische Unternehmen deutsche Konkurrenten generell verdrängen. Deutschland besitzt weiterhin die deutlich größere Volkswirtschaft, einen großen Absatzmarkt und eine breite industrielle Basis. Für wachsende polnische Unternehmen wird der Nachbarstaat aber zunehmend vom Exportmarkt zum eigenen Investitionsstandort.

Brandenburg nimmt dabei aufgrund seiner geografischen Lage eine besondere Rolle ein. Grenznahe Regionen, Verkehrsverbindungen nach Polen sowie die unmittelbare Nähe zu Berlin erleichtern den Markteintritt. Hinzu kommen Fördermöglichkeiten für Investitionen. In Teilen Brandenburgs an der polnischen Grenze können große Unternehmen nach Angaben der Wirtschaftsförderung Zuschüsse von bis zu 25 Prozent der förderfähigen Investitionssumme erhalten, kleinere Unternehmen unter bestimmten Bedingungen noch mehr.

Die stärkere Präsenz polnischer Firmen ist damit Teil einer langfristigen Annäherung der beiden Volkswirtschaften. Polen hat in den vergangenen Jahren wirtschaftlich deutlich aufgeholt. Das zeigt sich inzwischen nicht mehr nur an Exportzahlen und deutschen Investitionen in Polen, sondern zunehmend auch in der Gegenrichtung: Polnische Unternehmen investieren, übernehmen Betriebe und konkurrieren um Aufträge auf dem deutschen Markt.

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