
Porsche stellt sich unter seinem seit Anfang 2026 amtierenden Vorstandschef Michael Leiters neu auf. Beim Kapitalmarkttag am Mittwoch, 7. Oktober 2026, im Entwicklungszentrum Weissach hat der Sportwagenhersteller seine Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen höhere Erlöse je Fahrzeug, eine stärkere Konzentration auf besonders profitable Modelle und deutliche Kostensenkungen. Gleichzeitig soll Porsche künftig bereits bei deutlich niedrigeren Stückzahlen profitabel arbeiten können. Die Porsche Strategie 2035 reagiert damit auf einen tiefgreifenden Wandel des Geschäfts, nachdem Absatz und Profitabilität in den vergangenen Jahren erheblich unter Druck geraten waren.
Finanziell gibt Leiters dem Konzern wieder deutlich höhere Ziele vor. Mittelfristig strebt Porsche eine operative Konzernumsatzrendite von 10 bis 15 Prozent an. Die Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft soll zwischen 9 und 12 Prozent liegen. Langfristiges Ziel sind eine operative Umsatzrendite von 15 Prozent und eine Netto-Cashflow-Marge von 12 Prozent. Beim Konzernumsatz peilt Porsche mittelfristig 41 bis 45 Milliarden Euro an. Zudem soll die Nettoliquidität 15 bis 20 Prozent des Automobilumsatzes erreichen. Die bisherige Dividendenpolitik bleibt bestehen und sieht grundsätzlich die Ausschüttung von mindestens 50 Prozent des Konzerngewinns nach Steuern vor.
Die Dimension des geplanten Umbaus wird beim Blick auf das vergangene Jahr deutlich. 2025 lag die operative Umsatzrendite des Konzerns lediglich bei 1,1 Prozent. Porsche erzielte einen Umsatz von 36,3 Milliarden Euro. Der Hersteller war unter anderem durch den schwächeren Absatz in China, Belastungen im Zusammenhang mit der Produktstrategie sowie Handelshemmnisse in wichtigen Märkten unter Druck geraten.
Ein zentraler Punkt der neuen Strategie ist die Abkehr von einer starken Abhängigkeit von hohen Stückzahlen. Porsche will seine Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 verkaufte Fahrzeuge senken. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 hatte das Unternehmen 279.449 Fahrzeuge ausgeliefert. Damit richtet sich Porsche auf ein Geschäft ein, das auch bei deutlich niedrigeren Verkaufszahlen profitabel funktionieren soll. Für die Planung in China legt das Unternehmen nach eigenen Angaben bewusst konservative Annahmen zugrunde.
Das Leitprinzip nennt Porsche weiterhin „Value over Volume“. Statt möglichst viele Fahrzeuge abzusetzen, sollen Wertschöpfung und Ertrag pro Auto steigen. Nach den Plänen des Unternehmens soll künftig das Umsatzwachstum stärker ausfallen als das Absatzwachstum. Das Ergebnis wiederum soll schneller wachsen als der Umsatz. Damit rückt die Profitabilität einzelner Fahrzeuge stärker in den Mittelpunkt.
Auch das Modellprogramm wird umgebaut. Porsche will die Zahl der Modellvarianten um etwa 20 Prozent reduzieren. Dadurch soll das Verkaufsvolumen je verbleibender Variante mittelfristig um rund 30 Prozent steigen. Parallel dazu will der Hersteller seine Präsenz in höherpreisigen und nach eigener Einschätzung widerstandsfähigeren Fahrzeugsegmenten ausbauen.
Bei den Modellen an der Spitze des Angebots soll der durchschnittliche Verkaufspreis mittelfristig um rund 20 Prozent steigen. Zusätzlich setzt Porsche stärker auf Individualisierung. Die Umsätze mit besonders stark individualisierten Fahrzeugen aus dem sogenannten Sonderwunsch-Programm sollen mittelfristig auf das Sechsfache steigen. Bis 2030 soll außerdem jedes Jahr mindestens ein neues, für die Marke prägendes Produkt auf den Markt kommen. Porsche prüft unter anderem ein zusätzliches SUV oberhalb des Cayenne und plant eine neue Mittelmotor-Supersportwagenplattform, die eine Baureihe oberhalb des 911 ermöglichen könnte.
Beim Antrieb legt sich Porsche nicht mehr auf eine einzelne Technologie fest. Das Unternehmen hält am Dreiklang aus Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybriden und batterieelektrischen Fahrzeugen fest. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit der Konzernschwester Audi bei Plattformen intensiviert werden, um Entwicklungsaufwand und Kosten zu reduzieren.
Die vollelektrischen Nachfolger von 718 Boxster und Cayman sollen 2028 ihr erstes volles Produktionsjahr erreichen. Ebenfalls 2028 will Porsche ein neues SUV vorstellen, das zusätzlich zum elektrischen Macan angeboten und mit Verbrennungs- sowie Plug-in-Hybridantrieb erhältlich sein soll. Ab 2029 soll dieses Modell einen spürbaren Beitrag zu Umsatz und Ergebnis liefern. Einen rein elektrischen 911 plant Porsche nach Angaben von Leiters weiterhin nicht.
Der Umbau betrifft nicht nur die Fahrzeuge. Porsche will die Entwicklungskosten künftiger Modellreihen um bis zu 20 Prozent reduzieren. Die Personalkosten in der Fertigung sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent sinken. Bei neuen Fahrzeugprojekten sollen die Materialeinzelkosten rund 10 Prozent niedriger ausfallen als bisher geplant. Auch Vertrieb und Verwaltung werden verkleinert. Die Verkaufs- und Vertriebskosten sollen um 20 Prozent zurückgehen.
Besonders deutlich fällt der Umbau im Management aus. Die Zahl der Managementpositionen soll mittelfristig um 40 Prozent reduziert werden. Insgesamt plant Porsche im direkten und indirekten Bereich eine Verringerung der Belegschaft um 25 Prozent, langfristig werden 30 Prozent als strategisches Ziel genannt. Bereits vereinbart ist ein Zukunftspaket, das den sozialverträglichen Abbau von rund 9.000 Stellen mit einer Standortsicherung für die Stammbelegschaft bis 2035 verbindet.
An der Börse lösten die neuen Ziele am Mittwochvormittag zunächst keinen deutlichen Kurssprung aus. Die Porsche-Vorzugsaktie bewegte sich nach Beginn des Kapitalmarkttags um etwa 42,2 Euro. Finanzen.net zeigte am Vormittag zeitweise einen Kurs von rund 42,17 Euro. Der Xetra-Schlusskurs vom Dienstag hatte laut Kursdaten bei 42,53 Euro gelegen. Damit bewegte sich die Aktie zunächst knapp unter dem Vortagesniveau.
Die zurückhaltende Reaktion trifft auf einen Konzern, der Anlegern nach mehreren schwierigen Jahren nun einen mehrjährigen Umbauplan präsentiert. Neben den Kostensenkungen hängt das Erreichen der neuen Renditeziele vom Erfolg der kommenden Fahrzeuge, der Preisstrategie und der Entwicklung wichtiger Märkte ab. Porsche selbst weist darauf hin, dass für das obere Ende der mittelfristigen Finanzziele entweder günstigere wirtschaftliche, geopolitische und regulatorische Rahmenbedingungen oder zusätzliche Maßnahmen zur Wertsteigerung erforderlich sind.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu