
Schauspieler Ralf Bauer wird am 12. September 60 Jahre alt. Wenige Tage vor dem runden Geburtstag hat der frühere „Gegen den Wind“-Star über Entscheidungen gesprochen, die er heute anders treffen würde. Dabei geht es vor allem um seine Altersvorsorge, aber auch um die Frage, warum er keine Kinder hat und wie lange er als Schauspieler weiterarbeiten möchte. Beruflich richtet Bauer den Blick bereits weit über seinen Geburtstag hinaus.
Bekannt wurde der gebürtige Karlsruher vor allem Mitte der 1990er Jahre durch die ARD-Serie „Gegen den Wind“. Die in St. Peter-Ording spielende Produktion startete 1995 und machte Bauer gemeinsam mit Hardy Krüger junior einem großen Fernsehpublikum bekannt. Insgesamt entstanden 52 Folgen.
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur räumte Bauer ein, sich früher stärker um seine finanzielle Absicherung für das Alter hätte kümmern sollen. Rückblickend hätte er sein Einkommen früher investieren und beispielsweise Eigentum erwerben sollen, statt dauerhaft zur Miete zu wohnen.
Dabei verwies Bauer auf eine Besonderheit seines Berufs. Schauspieler hätten häufig keine kontinuierlichen Einnahmen, weil Engagements und Dreharbeiten unregelmäßig aufeinanderfolgten. Nach seiner Einschätzung könne daraus für Menschen in der Branche ein erhöhtes Risiko entstehen, im Alter finanziell schlechter abgesichert zu sein. Auch er selbst hätte nach eigener Aussage früher mehr Vorsorge treffen sollen.
Wie hoch Bauers eigene Rentenansprüche oder sein Vermögen sind, ist nicht öffentlich bekannt. Seine Aussagen lassen deshalb keinen belastbaren Schluss darauf zu, dass er selbst von Altersarmut betroffen wäre.
Grundsätzlich sind selbstständige Künstler in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen über die Künstlersozialversicherung in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sind derzeit rund 185.000 selbstständige Künstler und Publizisten auf diesem Weg gesetzlich kranken-, pflege- und rentenversichert. Die Versicherten tragen die Hälfte ihrer Beiträge selbst, die übrige Hälfte wird über Bundeszuschuss und Künstlersozialabgabe finanziert.
Auch über sein Privatleben äußerte sich Bauer in dem Interview. Früher habe er sich eine große Familie vorgestellt. Heute frage er sich allerdings, ob sich eine Vaterschaft mit seinem Berufsleben vereinbaren ließ. Unregelmäßige Arbeitszeiten und lange Dreharbeiten hätten dazu geführt, dass er möglicherweise nicht so präsent hätte sein können, wie er es sich als Vater gewünscht hätte.
Bauer hat keine Kinder. Einen endgültigen Schlussstrich unter das Thema zog er jedoch nicht. Ob sich daran noch etwas ändere, könne er nicht planen. Zugleich machte er deutlich, dass er mit seinem heutigen Leben auch ohne eigene Kinder zufrieden sei.
Mit seinem bevorstehenden Geburtstag verbindet Bauer nach eigener Darstellung keine besondere Krise. Die Zahl 60 habe für sein persönliches Lebensgefühl nur geringe Bedeutung. Auch abseits seiner finanziellen Entscheidungen gebe es wenig, was er rückblickend bereue. Negative Erfahrungen versuche er abzuschließen und nicht dauerhaft mit sich herumzutragen.
Seit vielen Jahren beschäftigt sich Bauer intensiv mit Yoga und buddhistischer Philosophie. Er arbeitet neben der Schauspielerei auch als Yogalehrer und engagiert sich für Tibet. Diese Beschäftigung prägt nach seinen Angaben auch seine Haltung zu Alter und Tod.
An einen beruflichen Rückzug denkt Bauer nicht. Sein nächstes größeres Projekt ist „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ nach einer Erzählung von Henry Miller. In der Bühnenproduktion spielt Bauer den Clown August. Schauspiel wird dabei mit Musik und Akrobatik verbunden.
Für die Produktion sind bereits mehrere Aufführungen bestätigt. Am 22. November 2026 steht Bauer damit im Berliner Schlosspark Theater auf der Bühne. Weitere Termine sind unter anderem für 2027 angekündigt, darunter eine Aufführung am 19. Juni im König Albert Theater in Bad Elster.
Bauer selbst sprach gegenüber der dpa von rund 60 geplanten Vorstellungen bis 2028. Eine vollständige öffentlich einsehbare Terminliste mit dieser Zahl lag zunächst nicht vor. Mehrere konkrete Aufführungen für 2026 und 2027 sind jedoch bereits von Veranstaltern bestätigt.
Für Bauer hat die Bühne dabei langfristig einen besonderen Stellenwert. Anders als Film und Fernsehen biete das Theater Schauspielern auch mit zunehmendem Alter weiterhin zahlreiche Rollen. Sein 60. Geburtstag markiert deshalb keinen Abschied vom Beruf, sondern fällt in eine Phase, in der er bereits die nächsten Projekte vorbereitet.
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