Viele verbringen länger in Rente als frühere Sterbetafeln erwarten ließen

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Menschen in Deutschland beziehen ihre Rente heute deutlich länger als noch vor wenigen Jahrzehnten. Zugleich zeigt die amtliche Statistik, warum Berechnungen zur verbleibenden Lebenserwartung zum Zeitpunkt des Renteneintritts nicht mit der später tatsächlich erreichten Lebensdauer gleichgesetzt werden dürfen. Sinkt die Sterblichkeit nach Erstellung einer sogenannten Periodensterbetafel weiter, können Menschen eines Jahrgangs im Durchschnitt älter werden, als es die damaligen Verhältnisse erwarten ließen.

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Eine aktuelle Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags bündelt dazu Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung. Die Rentenbezugsdauer in Deutschland lag 2024 bei Versichertenrenten im Durchschnitt bei 20,5 Jahren. Bei Männern lag sie bei 18,9 Jahren, bei Frauen bei 22,1 Jahren. Im Jahr 2005 lag der Durchschnitt nach Daten der Deutschen Rentenversicherung noch bei 17,2 Jahren.

Rentenbezugsdauer hat sich langfristig stark verlängert

Der längerfristige Vergleich fällt noch deutlicher aus. In den alten Bundesländern lag die durchschnittliche Bezugsdauer einer Versichertenrente 1960 bei 9,9 Jahren. Für Männer lag sie damals bei 9,6 Jahren, für Frauen bei 10,6 Jahren. Die heutigen Werte liegen damit ungefähr doppelt so hoch. Die Deutsche Rentenversicherung führt diese Entwicklung wesentlich auf die gestiegene Lebenserwartung zurück. Zugleich hat sich der Anstieg der Rentenbezugsdauer zuletzt verlangsamt, unter anderem wegen höherer Altersgrenzen beim Rentenbeginn.

Die Rentenbezugsdauer ist allerdings nicht identisch mit der Lebenserwartung ab einem bestimmten Alter. In der Rentenstatistik wird sie bei weggefallenen Versichertenrenten aus der Zeit zwischen Rentenbeginn und Rentenwegfall ermittelt. Sie wird unter anderem davon beeinflusst, wann eine Person erstmals eine Rente bezieht.

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Für die demografische Lebenserwartung verwendet das Statistische Bundesamt dagegen Sterbetafeln. Nach den aktuellen Daten für 2023 bis 2025 lag die fernere Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes bei etwa 18 Jahren. Für eine 65-jährige Frau lag sie bei gut 21 Jahren. Vor rund 150 Jahren lagen die entsprechenden Werte noch bei weniger als zehn beziehungsweise rund zehn Jahren.

Warum frühere Sterbetafeln die Lebensdauer unterschätzen können

Entscheidend ist die Berechnungsmethode. Eine Periodensterbetafel bildet die Sterblichkeitsverhältnisse eines bestimmten Zeitraums ab. Sie beantwortet vereinfacht die Frage, wie lange ein Mensch durchschnittlich leben würde, wenn die zu diesem Zeitpunkt gemessenen altersspezifischen Sterberaten künftig unverändert blieben. Künftige medizinische Fortschritte oder weitere Rückgänge der Sterblichkeit sind darin nicht enthalten.

Genau deshalb ist die dort ausgewiesene fernere Lebenserwartung keine individuelle Vorhersage des Todeszeitpunkts. Wenn die Sterblichkeit in den folgenden Jahren weiter zurückgeht, kann eine Generation im Durchschnitt länger leben, als es eine ältere Periodensterbetafel erwarten ließ.

Die Bundesbank hat diesen Effekt bei Berechnungen zum Rentensystem ausdrücklich berücksichtigt. In einer Analyse aus dem Jahr 2025 lag die weitere Lebenserwartung eines 63-Jährigen nach einer Periodensterbetafel auf Basis der damaligen Verhältnisse bei 20,7 Jahren. Eine Kohortenbetrachtung, die eine künftige Verbesserung der Sterblichkeit einbezieht, kam dagegen modellhaft auf 22,1 weitere Jahre. Die Differenz lag damit bei knapp eineinhalb Jahren. Die Kohortenberechnung ist allerdings eine Projektion und keine bereits eingetretene Lebensdauer.

Kohortensterbetafeln berücksichtigen Veränderungen

Neben Periodensterbetafeln erstellt das Statistische Bundesamt sogenannte Kohortensterbetafeln. Sie betrachten einzelne Geburtsjahrgänge über deren Lebensverlauf. Bei Jahrgängen, deren Angehörige noch leben, müssen dabei Annahmen über die künftige Entwicklung der Sterblichkeit getroffen werden. Die Ergebnisse sind deshalb Modellrechnungen. Erst wenn ein kompletter Jahrgang verstorben ist, lässt sich dessen tatsächliche durchschnittliche Lebensdauer abschließend bestimmen.

Damit lässt sich auch erklären, warum die beim Renteneintritt bekannte statistische Lebenserwartung und die später beobachtete Lebensdauer auseinanderfallen können. Das ist kein Fehler der Statistik. Beide Berechnungen beantworten unterschiedliche Fragen und verwenden unterschiedliche Annahmen.

Hinzu kommt, dass Durchschnittswerte erhebliche Unterschiede innerhalb der Bevölkerung verdecken. Die Wissenschaftlichen Dienste verweisen auf Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen Lebenserwartung, Bildung, Einkommen, Arbeitsbedingungen und Gesundheit. Die Bundesregierung warnt allerdings davor, etwa allein aus einer niedrigen gesetzlichen Rente auf einen bestimmten sozialen Status oder eine konkrete Lebenserwartung zu schließen. Weitere Einkommen und die Situation des gesamten Haushalts werden in der Rentenstatistik nicht vollständig abgebildet.

Deutschland liegt bei der Rentenzeit im europäischen Mittelfeld

Auch im europäischen Vergleich ist eine Rentenphase von rund zwei Jahrzehnten nicht außergewöhnlich. Nach dem von der EU-Kommission veröffentlichten Ageing Report 2024 lag die rechnerische durchschnittliche Rentendauer in Deutschland für das Jahr 2023 bei Männern bei 19,1 Jahren. Der EU-Wert lag bei 18,7 Jahren. Bei Frauen lag Deutschland bei 22,4 Jahren, der EU-Wert bei 22,7 Jahren. Deutschland bewegte sich damit im europäischen Mittelfeld.

Die Entwicklung hat zugleich Bedeutung für die Rentenpolitik. Die Alterssicherungskommission empfahl 2026, die Regelaltersgrenze nach 2031 schrittweise an die weitere Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Nach der derzeitigen mittleren Annahme würde die Grenze innerhalb von etwa zehn Jahren von 67 auf 67,5 Jahre steigen. Dabei handelt es sich um eine auf Annahmen zur künftigen Lebenserwartung gestützte Modellrechnung, nicht um eine bereits feststehende Entwicklung.

Die aktuellen Zahlen zeigen damit vor allem eines: Eine statistische Lebenserwartung beim Eintritt in den Ruhestand ist keine feste Obergrenze für die Rentendauer. Wie lange eine Generation tatsächlich lebt und wie lange ihre Angehörigen Rente beziehen, lässt sich erst im weiteren zeitlichen Verlauf vollständig beobachten.

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