Rheinmetall baut Nordhessen zum Verteidigungsstandort aus

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Rheinmetall will seine Präsenz in Nordhessen deutlich ausbauen und künftig auch am Kassel Airport in Calden vertreten sein. Für Donnerstag hat die hessische Landesregierung gemeinsam mit dem Rüstungskonzern neue Pläne für den Innovations- und Verteidigungsstandort Nordhessen angekündigt. Dabei geht es um eine neue Niederlassung von Rheinmetall am Flughafen und um die weitere Entwicklung des bestehenden Werks in Kassel. Der Kassel Airport soll zugleich stärker für sicherheitsrelevante und militärische Aufgaben genutzt werden. Der geplante Defence Hub Nordhessen fügt sich damit in den bundesweiten Ausbau von Produktions-, Forschungs- und Logistikkapazitäten für die Landes- und Bündnisverteidigung ein.

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Eine abschließend bestätigte Gesamtsumme für sämtliche angekündigten Projekte einschließlich einer genauen Aufteilung der Investitionen zwischen Rheinmetall und dem Land Hessen lag zunächst nicht vor. Bereits unabhängig von den neuen Flughafenplänen investiert Rheinmetall allerdings erheblich in seinen Kasseler Produktionsstandort. Nach Unternehmensangaben sollen dort innerhalb von zwei Jahren mehr als 150 Millionen Euro eingesetzt werden. Parallel ist ein deutlicher Ausbau der Beschäftigung vorgesehen.

Rheinmetall-Werk in Kassel soll deutlich wachsen

Das bestehende Rheinmetall-Werk in Kassel zählt zu den wichtigsten Standorten des Konzerns für militärische Landfahrzeuge. Dort werden taktische Rad- und Kettenfahrzeuge entwickelt, gefertigt und instandgesetzt. Rheinmetall beschäftigt am Standort derzeit rund 1.800 Mitarbeiter nach eigener Standortdarstellung. In jüngeren Angaben zur geplanten Expansion ist bereits von mehr als 2.000 Beschäftigten die Rede. Bis 2029 soll die Belegschaft nach den bisherigen Planungen auf etwa 3.000 Menschen anwachsen.

Ein wesentlicher Treiber des Ausbaus ist die geplante Serienproduktion militärischer Fahrzeuge. Kassel soll insbesondere eine wichtige Rolle bei der Boxer-Produktion übernehmen. Dafür stellt Rheinmetall die Fertigung stärker auf industrielle Serienabläufe um. Zusätzliche Produktions-, Entwicklungs- und Logistikflächen werden benötigt.

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Die neue Präsenz am Kassel Airport erweitert diese Strategie um einen zweiten Schwerpunkt. Noch Anfang August hatte Rheinmetall erklärt, sowohl das dort aufgebaute Drohnenkompetenzzentrum als auch den Flughafen selbst für eine mögliche Zusammenarbeit zu prüfen. Zu diesem Zeitpunkt liefen nach Angaben des Unternehmens bereits seit Monaten Gespräche mit Verantwortlichen des Airports.

Kassel Airport erhält neues strategisches Standbein

Der Regionalflughafen in Calden wird seit Monaten strategisch neu ausgerichtet. Der Airport hatte über Jahre erhebliche Defizite verzeichnet. Für 2025 war im Wirtschaftsplan erneut ein Fehlbetrag von rund fünf Millionen Euro vorgesehen. Das Land Hessen hält 68 Prozent der Flughafen-Gesellschaft. Stadt und Landkreis Kassel sind mit jeweils 14,5 Prozent beteiligt, die Gemeinde Calden mit drei Prozent.

Neben dem weiterhin vorgesehenen zivilen Luftverkehr sollen künftig Forschung, Drohnentechnologie, Sicherheitsanwendungen und militärische Nutzung stärkeres Gewicht bekommen. Anfang August startete dort bereits das Hessische Drohnenkompetenzzentrum unter Leitung der Technischen Universität Darmstadt. Dafür stehen acht Millionen Euro Fördermittel bereit. 4,8 Millionen Euro kommen aus dem hessischen Förderprogramm Distr@l, weitere 3,2 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Rheinmetall präsentierte bei der Eröffnung unter anderem Aufklärungs-, Abfang- und militärisch nutzbare Drohnentechnik. Das Unternehmen stellte dabei ausdrücklich eine Zusammenarbeit mit dem Standort in Aussicht.

Militärlogistik wird für Deutschland wichtiger

Die geplante Entwicklung in Nordhessen muss auch vor dem Hintergrund der veränderten NATO-Verteidigungsplanung betrachtet werden. Deutschland hat aufgrund seiner geografischen Lage eine zentrale Funktion beim Transport und bei der Versorgung von Streitkräften innerhalb Europas.

Die Bundeswehr beschreibt Deutschland als logistische Drehscheibe für die NATO. Im Bündnisfall müssen große Verbände verbündeter Staaten durch Deutschland in Richtung der östlichen Bündnisgrenzen verlegt werden können. Dazu gehören Transporte von Soldaten, Fahrzeugen und Material sowie Betankung, Unterbringung, Versorgung, Lagerung und Instandsetzung.

Rheinmetall ist bereits unmittelbar in diese Logistik eingebunden. Ein seit 2025 bestehender Rahmenvertrag mit der Bundeswehr hat ein Volumen von bis zu 260 Millionen Euro. Der Konzern übernimmt darin Aufgaben bei der Verlegung militärischer Kräfte und kann sogenannte Convoy Support Center mit Rast-, Sammel-, Versorgungs- und Betankungsmöglichkeiten betreiben. Die Leistungen sind ausdrücklich auch für verbündete Streitkräfte vorgesehen.

Welche konkrete Rolle der Kassel Airport künftig innerhalb dieser NATO-Logistik übernehmen wird, war zunächst noch nicht abschließend festgelegt. Gespräche mit NATO-Stellen über eine stärkere militärische Nutzung des Flughafens waren bereits im Frühjahr öffentlich bestätigt worden.

Flughafen rechnet bereits mit militärischem Verkehr

Militärische Flugbewegungen sind in Calden nicht grundsätzlich neu. Der Airport hatte für 2026 mit einer deutlich höheren Zahl entsprechender Bewegungen gerechnet. Flughafen-Geschäftsführer Lars Ernst sprach im Mai von rund 700 erwarteten militärischen Flugbewegungen und bestätigte Abstimmungen mit der NATO.

Eine vollständige Umwandlung des Kassel Airport in einen Militärflugplatz ist damit jedoch nicht angekündigt. Der zivile Flugbetrieb soll Bestandteil des Standortes bleiben. Die neue Strategie setzt vielmehr auf eine parallele Nutzung von vorhandener Luftfahrtinfrastruktur, Gewerbeflächen, Drohnenforschung und verteidigungsbezogenen Aktivitäten.

Für Rheinmetall bietet der Standort zusätzliche Flächen in vergleichsweise geringer Entfernung zum Kasseler Werk. Dort stößt die Expansion angesichts steigender Produktionszahlen zunehmend auf räumliche Anforderungen, insbesondere bei Lagerung und Logistik.

Ausbau trifft auch auf Kritik

Die Entwicklung des Flughafens ist politisch seit Jahren umstritten. Kritiker verweisen vor allem auf die hohen öffentlichen Kosten und die anhaltenden Betriebsverluste. Das Bündnis Kassel Airport Stoppen hatte nach der angekündigten strategischen Neuausrichtung im Frühjahr einen offenen Beteiligungsprozess für die weitere Nutzung des Geländes verlangt.

Auch die stärkere Verknüpfung von Wissenschaft und militärischer Forschung wird in der Region kontrovers diskutiert. An der Universität Kassel gab es zuletzt Proteste gegen eine mögliche Änderung der sogenannten Zivilklausel. Der Senat vertagte eine Entscheidung darüber im Juli auf November.

Die hessische Landesregierung bewertet den Ausbau der Verteidigungsindustrie dagegen als sicherheits- und wirtschaftspolitische Aufgabe. Ministerpräsident Boris Rhein hatte Rheinmetalls Wachstum in Kassel bereits mehrfach unterstützt. Die Landesregierung verweist zudem auf die Bedeutung neuer Arbeitsplätze und die wachsende Rolle Nordhessens als Standort der Verteidigungsindustrie.

Mit der geplanten Rheinmetall-Niederlassung am Kassel Airport werden die bisher getrennten Entwicklungen nun enger miteinander verbunden: die massive Erweiterung der Fahrzeugproduktion in Kassel, die neue Drohnenforschung in Calden und die wachsenden Anforderungen an die militärische Logistik in Deutschland. Welche zusätzliche Investitionssumme unmittelbar für den Defence Hub Nordhessen vorgesehen ist und wie sich die Finanzierung zwischen Rheinmetall und dem Land Hessen verteilt, blieb zunächst offen.

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