
Fraport streicht sein bisheriges Wachstumsziel für Deutschlands größten Flughafen. Nach einem schwachen ersten Halbjahr erwartet der Betreiber für 2026 nur noch ein Passagieraufkommen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Damit rückt die Marke von 65 bis 66 Millionen Reisenden vorerst außer Reichweite.
Im Jahr 2025 nutzten 63,2 Millionen Passagiere den Frankfurter Flughafen. Für das laufende Jahr hatte Fraport bislang einen Anstieg auf 65 bis 66 Millionen Fluggäste eingeplant. Nach den jüngsten Verkehrszahlen rechnet der Konzern nun lediglich mit einem Wert in der Nähe des Vorjahres. Im Juni sank das Aufkommen um 1,7 Prozent auf rund 5,7 Millionen Reisende. Im ersten Halbjahr wurden 28,9 Millionen Passagiere gezählt, 0,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Nach Angaben von Vorstandschef Stefan Schulte trafen die Lufthansa-Streiks direkt nahezu 700.000 Passagiere. Hinzu kamen Flugbeschränkungen infolge des Kriegs im Iran, zeitweise Sorgen um die Kerosinversorgung, höhere Ölpreise und eine spürbare Zurückhaltung bei Buchungen. Fluggesellschaften reduzierten daraufhin teilweise ihre Kapazitäten.
Am deutlichsten zeigt sich die Schwäche auf den Verbindungen in den Nahen Osten. Im Juni lag das Passagieraufkommen auf diesen Strecken 27 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im gesamten ersten Halbjahr wurden nur rund 880.000 Reisende gezählt, ein Rückgang um 35 Prozent. Andere Fernmärkte konnten das Minus nur teilweise abfedern. Der Verkehr nach Afrika wuchs um 8,0 Prozent auf 1,6 Millionen Passagiere, der Ferne Osten legte um 6,4 Prozent auf 3,3 Millionen zu.
Auch die Zahl der Starts und Landungen ging zurück. Im Juni verzeichnete Frankfurt 39.390 Flugbewegungen und damit 4,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Das Frachtaufkommen entwickelte sich dagegen robuster und stieg um 2,0 Prozent auf knapp 178.000 Tonnen.
Fraport ist längst mehr als der Betreiber des Frankfurter Flughafens. Das Portfolio umfasst 29 Flughäfen auf vier Kontinenten. Der Konzern gliedert sein Geschäft in die Bereiche Aviation, Retail und Immobilien, Bodenverkehrsdienste sowie internationale Aktivitäten und Dienstleistungen.
Konzernweit wurden im ersten Halbjahr 77,7 Millionen Passagiere abgefertigt, 1,0 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juni legte Lima um 0,9 Prozent auf rund zwei Millionen Reisende zu. An den 14 griechischen Regionalflughäfen stieg das Aufkommen um 4,7 Prozent. Antalya entwickelte sich dagegen schwach: Dort sank die Passagierzahl im Juni um 9,6 Prozent auf 4,5 Millionen. Fraport nennt hohe Urlaubspreise und die angespannte Lage im Nahen Osten als Belastungen.
Seit dem 23. April ist das neue Terminal 3 in Frankfurt in Betrieb. Fraport investierte rund vier Milliarden Euro. Die erste Ausbaustufe mit den Flugsteigen G, H und J ist für bis zu 19 Millionen Passagiere jährlich ausgelegt; mit einem weiteren Flugsteig wären später bis zu 25 Millionen möglich. Anfang Juni wurde Terminal 2 geschlossen, nachdem die dort ansässigen Airlines in das neue Gebäude umgezogen waren. Für die Sanierung von Terminal 2 sind rund 1,5 Milliarden Euro vorgesehen.
Damit liegt der aktuelle Engpass nicht bei den Abfertigungsflächen, sondern bei Nachfrage und Flugangebot. Zugleich erhöhen Abschreibungen, Zinsen und Betriebskosten der neuen Infrastruktur kurzfristig den finanziellen Druck. Fraport geht davon aus, dass Terminal 3 langfristig positive Effekte bringt, während die Investition das Konzernergebnis zunächst belastet.
Frankfurt bleibt mit 63,2 Millionen Passagieren im Jahr 2025 der größte deutsche Flughafen. Die Dynamik war jedoch geringer als in München, wo das Aufkommen um 4,4 Prozent auf 43,4 Millionen stieg. Amsterdam-Schiphol kam auf 68,8 Millionen Reisende und ein Plus von 2,9 Prozent. Frankfurt lag 2025 zudem noch rund zehn Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.
Stefan Schulte führt Fraport seit 2009 und verantwortet auch das internationale Geschäft. Trotz des gesenkten Frankfurter Passagierziels hält der Konzern an seinem finanziellen Jahresausblick fest. Geplant sind weiterhin ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 1,5 Milliarden Euro sowie ein Konzerngewinn zwischen 300 und 400 Millionen Euro. Das Auslandsgeschäft soll die Schwäche am Heimatstandort zumindest teilweise ausgleichen.
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